In der Stadt Luzern wird Mathematik in der Sekundarschule ab 2022 wieder niveaugetrennt unterrichtet

Die Stadt Luzern hält in der Sekundarschule zwar weiterhin am integrierten Unterrichtsmodell fest. Mathematik wird ab Schuljahr 2022/2023 aber wieder in getrennten Niveauklassen unterrichtet.

Hugo Bischof
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Mathematik soll künftig in der Stadt Luzern wieder in getrennten Niveauklassen A, B und C unterrichtet werden, je nach Leistungsstärke der Schülerinnen und Schüler.

Mathematik soll künftig in der Stadt Luzern wieder in getrennten Niveauklassen A, B und C unterrichtet werden, je nach Leistungsstärke der Schülerinnen und Schüler.

Symbolbild KEYSTONE

Das integrierte Sekundarschulmodell wird in der Stadt Luzern grundsätzlich beibehalten. Dies hat der Stadtrat nach erfolgter Evaluation entschieden. Beim integrierten Modell werden die Schüler der Niveaus A, B und C in Mischklassen unterrichtet. Eine Änderung plant der Stadtrat aber beim Mathematikunterricht. Dieser soll ab 2022 wieder nach Niveaus getrennt erfolgen. Ausschlaggebend für diesen Entscheid sei die im April 2020 vorgenommene kantonale Änderung der Volksschulverordnung. Diese gibt vor, dass nur entweder Deutsch oder Mathematik in gemischten Stammklassen unterrichtet werden darf – nicht aber beide Fächer..

Integriertes Unterrichtsmodell wurde ab 2016 schrittweise eingeführt

Die Integrierte Sek besteht in der Stadt Luzern seit 2016. Damals wurden die bisherigen Niveauklassen A, B und C aufgehoben und schrittweise durch gemischte Klassen ersetzt. Die Schülerinnen und Schüler werden somit nach der Primarschule unabhängig von ihren Leistungen einer Stammklasse zugeteilt. In dieser Klasse werden sie grösstenteils gemeinsam unterrichtet. Einzig in den Fächern Französisch und Englisch verlassen sie ihre Stammklasse und nehmen am Unterricht ihrer jeweiligen Niveaustufe teil. Speziell am bisherigen Modell der Stadt ist, dass auch Mathematik integriert, also gemischt, unterrichtet wird. Der Regierungsrat hatte der Stadt Luzern 2014 einen entsprechenden Versuch bewilligt. Doch dieser wird nun also beendet, Mathematik wieder wie früher niveaugetrennt unterrichtet.

Drei Sekmodelle im Kanton Luzern

Im Kanton Luzern können die Gemeinden zwischen drei Sekundarschulmodellen wählen: Im getrennten Modell werden die Leistungsniveaus A, B und C in separaten Klassen unterrichtet. Beispiele: Emmen, Kriens, Horw. Im integrierten Modell werden die Schülerinnen und Schüler zwar einem Niveau zugeordnet, der Unterricht findet aber meist in gemischten Klassen statt (z.B. Stadt Luzern). Im kooperativen Modell gibt es gemischte A/B-Klassen und separate C-Klassen. (rk)

Er erachte es als nicht zielführend, für die Sekundarschulen der Stadt Luzern weiterhin ein Ausnahmemodell aufrechtzuerhalten, hält der Stadtrat dazu fest. Er stützt sich dabei auf die Erwägungen eines externen Evaluationsberichts der Pädagogischen Hochschule St. Gallen sowie auf Gespräche mit dem Kanton Luzern und Beratungen in der Bildungskommission. «Da die Verordnungsänderung vor allem das Ziel hat, die Vielfalt der Strukturmodelle auf der Sekundarschule im Kanton Luzern zu reduzieren, wäre eine erneute Ausnahmebewilligung kaum zu rechtfertigen», so der Stadtrat. «Dazu kommt, dass auch die Bildungskommission geraten hat, von Sonderlösungen abzusehen.»

Wieso Mathematik und nicht Deutsch?

Die Stadt hatte die Wahl, entweder Mathematik oder Deutsch wieder niveaugetrennt zu unterrichten. Wieso entschied sie sich für Mathematik? Dazu sagt Stadtpräsident und Bildungsdirektor Beat Züsli: «Deutsch hat eine stärkere Verbindung zu anderen Fächern als Mathematik.» Und weshalb wird Mathematik erst ab 2022 wieder niveaugetrennt unterrichtet? «Für 2021 käme der Wechsel zu früh», sagt Züsli. «Die Lehrpersonen brauchen genügend Vorbereitungszeit.»

Weshalb aber hält die Stadt dennoch grundsätzlich am integrativen Unterrichtsmodell fest? Als es 2016 eingeführt wurde, erntete es Kritik von vielen Seiten. Dazu sagt Züsli:

«Das integrative Schulmodell stösst bei der Mehrheit der Eltern und der Lernenden auf gute Akzeptanz.»

Vor allem von Lehrpersonen habe es damals kritische Rückmeldungen gegeben: «Die Belastung war für sie anfänglich sehr gross. Es brauchte Zeit, um sich darauf einzustellen.» Die Akzeptanz habe inzwischen zugenommen.

«Stigmatisierungen verhindern»

Die Integrierte Sek ermögliche es, «in Klassen ein gutes Miteinander aufzubauen und zu pflegen», betont Züsli. Dazu schaffe sie eine gute Ausgangslage, «um Fremdsprachige und Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen in die Gemeinschaft zu integrieren, Stigmatisierungen zu verhindern und die Zusammenarbeit sowohl unter den Lernenden wie auch unter den Lehrpersonen zu fördern».