In diesem Krienser Atelier kann jeder spontan zum Pinsel greifen

Jasmin Agner bietet in Kriens kreative Auszeiten an – ohne Anmeldung. Die Inspiration dazu hatte die 32-Jährige in Berlin und Las Vegas.

Stephan Santschi
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Blick in die Keramik-Malerei von Jasmin Agner an der Luzernerstrasse 7 in Kriens.

Blick in die Keramik-Malerei von Jasmin Agner an der Luzernerstrasse 7 in Kriens.

(Bild: PD)

Kunst auf Keramik anstatt auf der Haut. Im Geschäftsraum an der Luzernerstrasse 7 in Kriens, wo früher ein Tattoo-Laden eingerichtet war, befindet sich neu die sogenannte Keramik-Malerei. «Die Leute können spontan reinkommen und sich eine kreative Auszeit nehmen – ohne Anmeldung», erklärt Besitzerin Jasmin Agner.

Das funktioniert so: Der Kunde wählt im Regal eine Rohkeramik aus. Im Angebot stehen mehr als 130 Motive, von Tassen über Teller und Tierfiguren bis zu Futternäpfen. Es folgt eine kleine Einführung, dann wird getupft, gestempelt, gepinselt, geblubbert und geklebt – insgesamt können 40 Farben und 11 Maltechniken ausprobiert werden. Wer eine künstlerische Blockade hat, schaut zum Nebentisch und lässt sich dort inspirieren. «Eine Kundin malt so schöne Dinge, ihr Tisch ist jeweils von anderen umstellt», erzählt Jasmin Agner und lacht.

Überhaupt lacht sie oft, die 32-jährige Krienserin, die ursprünglich aus Schötz kommt. Der Stolz auf ihr neues Reich ist spür- und sichtbar, sie hat sich quasi einen Kindheitstraum erfüllt. «Schon als ich klein war, wünschte ich mir ein eigenes Bastelzimmer», erzählt Agner, so gerne habe sie gemalt, gebastelt und genäht. Später dekorierte sie die eigene Wohnung, modifizierte Möbelstücke. Und jetzt also hat sie ihr eigenes Geschäft gegründet. Am Ursprung steht dabei die Europareise im Jahr 2015, als sie in Berlin zufällig eine Keramikmalerei betrat. Später traf sie in Dresden und Las Vegas auf ähnliche Einrichtungen. Sie sagt:

«In den USA ist der Gang in ein Keramikmal-Studio so regelmässig wie ein Kinobesuch.»

Dass es in der Schweiz kaum solche Angebote gibt, hat die Krienserin erstaunt. Den Mut, sich selbstständig zu machen und den Job als Buchhalterin zu Gunsten ihrer Leidenschaft von 100 auf 60 Prozent zu reduzieren, hatte sie aber erst vier Jahre später.

Herausgekommen ist ein schmuckes Studio, das sie mit den eigenen Ersparnissen finanziert und mit der Hilfe von Familie, Partner und Freunden eingerichtet hat. Herzstück ist der Brennofen, in dem die Kreationen ihrer Kunden nach der Glasur bei 1000 Grad in die Keramik eingebrannt werden. Ein paar Tage später sind die Kunstwerke zum Abholen bereit.

Mit der Nachfrage ist sie soweit zufrieden. Auch wenn der Betrieb dieser «One-Woman-Show», wie sie schmunzelnd anmerkt, nach zwei Monaten noch nicht selbsttragend sein könne. Sie sagt:

«In einem Jahr wäre ich aber gerne so weit, dass sich meine Keramik-Malerei selbst finanziert.»

Geöffnet hat sie mittwochs und freitags von 14 bis 21 Uhr, sowie samstags von 10 bis 16 Uhr. Die Studiogebühr beläuft sich auf 15 Franken pro Person, die Hälfte für Kinder in Begleitung eines malenden Erwachsenen. Hinzu kommen die Kosten für die Rohkeramik – je nach Figur zwischen 3 und 80 Franken.

Die Ideen werden ihr dabei nicht ausgehen, schliesslich hat Agner eben erst losgelegt. «Ich studiere stets an Neuem herum», sagt sie. So sollen Events wie das Keramikmalen für Zwei am Valentinstag, Workshops für Maltechniken oder ein To-go-Service, bei dem ein Malpaket für Kindergeburtstage oder Hochzeiten gebucht werden kann, das Angebot bereichern.

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