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In ihrer Luzerner Fabrik kann jedermann Designer-Teile herstellen

Präzise Teile maschinell fertigen, dann von Hand ganz individuell zusammensetzen: Marianne Wilmsmeier macht das in ihrer People’s Factory an der Bundesstrasse in Luzern möglich. Mit dieser Produktionsart sollen Gegenstände mit Emotionen verbunden werden.
Natalie Ehrenzweig
Marianne Wilmsmeier mit selbst hergestellten Alltagsgegenständen vor dem Lokal ihrer People's Factory an der Bundesstrasse in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli, 17. August 2018)

Marianne Wilmsmeier mit selbst hergestellten Alltagsgegenständen vor dem Lokal ihrer People's Factory an der Bundesstrasse in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli, 17. August 2018)

Anfang September fällt der Startschuss für Marianne Wilmsmeier: Ihre People’s Factory, eine Art Bürgerfabrik wird eröffnet. An der Bundesstrasse, eingebettet in das Obergrundquartier, können Interessierte dann Alltagsgegenstände selbst herstellen. «Heute gibt es entweder Industrie oder Handwerk. Die People’s Factory wird eine dritte Option sein», ist sie überzeugt.

Die Idee von Marianne Wilmsmeier ist, dass es in Zukunft ein weltumspannendes Netz an People’s Factories geben wird, in denen alle Arten von Gegenstände selbst fabriziert werden können. «Ich konnte schon einige Designer gewinnen, die mitmachen werden. Der Kunde sucht sich also einen Gegenstand eines Designers aus und bezahlt diesem eine kleine Lizenzgebühr», erklärt die 47-Jährige, die im Aargau wohnt.

Verschiedenen Maschinen stehen zur Verfügung

Man wählt dann das entsprechende Material – am liebsten wäre ihr, wenn auf nachhaltige Materialien zurückgegriffen wird. «Dann stellt die digital gesteuerte Maschine, zum Beispiel die CNC-Fräse, der Laser-Cutter oder der 3-D-Drucker, die Einzelteile her, die dann in eigener Handarbeit zusammengefügt werden», erläutert Marianne Wilmsmeier. Bei der Produktion eines Alltagsgegenstandes selbst Hand anzulegen, führe zu grosser Zufriedenheit.

Als Beispiel zeigt die Initiantin ein Münzportemonnaie: Die Maschine schneidet in 25 Sekunden die Lederteile zu und macht präzise Löcher. «Die Präzision der Maschine ist wichtig, gerade, damit das Produkt schön wird.» Sind die Teile zugeschnitten, müssen sie bearbeitet und zusammengenäht werden. In einer Stunde ist es fertig. «Jedes Mal, wenn man das Portemonnaie in der Hand hält, freut man sich und ist stolz».

Obwohl selbst gearbeitet wird, ist das Produkt nicht besonders günstig. Das Portemonnaie könnte laut Wilmsmeier zirka 35 Franken kosten. «Wenn aber bei den industriell gefertigten Produkten die echten Kosten gerechnet würden, wären wir auch preislich konkurrenzfähig. Die Kunden wissen oft nicht, dass etwa Kraftstoff subventioniert wird.» Zudem seien die Löhne in den Produktionsländern tief.

«Bei uns kann selbstbestimmt und fair produziert werden.»

Eines der Ziele des Konzepts von Marianne Wilmsmeier ist, den Menschen eine andere Art von Konsum zu ermöglichen. «Bei uns kann selbstbestimmt und fair produziert werden. Zurzeit zwar erst auf kleineren Maschinen, aber zu einem späteren Zeitpunkt werden wir auch grössere Maschinen haben. Allenfalls möchte ich in Zukunft auch eigene Maschinen produzieren», erzählt die 47-Jährige, die von der High-Tech-Werkstatt Fablab in Horw unterstützt wird.

Bürgerfabrik als eine Art Wohnzimmer mit Werkstatt

Die Freude am selbsthergestellten Produkt soll die Alltagsgegenstände zu etwas besonderem machen. «Wir sind so in einem Konsumdruck gefangen, aus ganz verschiedenen Gründen. Aber ich merke, dass viele genug davon haben, immer mehr Sachen anzuhäufen», erzählt Marianne Wilmsmeier, die sich beruflich lange mit Innovation auseinandergesetzt hat.

Seit knapp zwei Jahren arbeitet sie nun an der People’s Factory, finanziell und moralisch von ihrer Familie und ihrem Mann unterstützt. Die Organisationsform der People’s Factory ist noch offen und kann sich in Richtung Verein, Club oder Genossenschaft entwickeln. Da Marianne Wilmsmeier wichtig ist, dass die Bürgerfabrik im Quartier verwurzelt und als eine Art Wohnzimmer mit Werkstatt auch als Treffpunkt genutzt werden kann, können sie und ihr Mann sich vorstellen, nach Luzern zu ziehen.

Sie will 35000 Läden miteinander vernetzen

Ab September geht es für sie nun darum, die Luzerner für ihr Konzept zu begeistern und auch Investoren zu gewinnen. Dazu hat sie bereits Kontakt mit dem Quartierverein aufgenommen und will persönliche Einladungen verschicken. An Ideen mangelt es Marianne Wilmsmeier nicht: «Wir könnten einen Kinderclub aufbauen, mit anderen Läden zusammenarbeiten.»

Als Fernziel gibt sie an, 35'000 Läden auf der ganzen Welt miteinander zu vernetzen, so dass man dort die gleichen Designs auf gleichen Maschinen individuell herstellen kann. Den ersten Schritt macht Marianne Wilmsmeier nun in Luzern.

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