In Emmenbrücke wird der Teppich zum Kulturträger

In Emmenbrücke zeigt die akku Kunstplattform derzeit Kunst, die auf Textilien basiert: viel Stoff fürs Auge.

Susanne Holz
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Blick in die aktuelle Ausstellung im Akku in Emmenbrücke zum Thema «Die Fäden in der Hand». (Bild: Dominik Wunderli, Emmenbrücke 12. September 2019)

Blick in die aktuelle Ausstellung im Akku in Emmenbrücke zum Thema «Die Fäden in der Hand». (Bild: Dominik Wunderli, Emmenbrücke 12. September 2019)

Beginnt man erst mal nach ihnen zu suchen, dann fällt einem schnell auf, wie viele Sprichwörter rund um Textilien es gibt: «roter Faden», «den Faden verlieren», «etwas aus dem Ärmel schütteln», «an jemandes Rockzipfel hängen», «das Handtuch werfen» oder eben «die Fäden in der Hand halten». Letzteres Sprichwort ist titelgebend für die aktuelle Ausstellung in der akku Kunstplattform in Emmenbrücke. Sechs Künstlerinnen und Künstler, teils mit regionalem Bezug, zeigen ihre Arbeiten, basierend auf textilem Material.

Kuratorin Lena Friedli erklärt: «Ohne die Textilindustrie gäbe es kein Emmenbrücke.» Seit 1906 werde in Emmenbrücke Textiles hergestellt: Kunstseide, Damenstrümpfe, Spezialgarne. Friedli:

«Die textile Industrie hat die lokale Identität entscheidend geprägt. Dies nimmt die Ausstellung zu ihrem Ausgangspunkt.»

Im weiträumigen Ausstellungsraum der Kunstplattform – ehemaligen Speditionsräumen – macht sich die teils grossflächige Kunst hervorragend – das entspricht ganz dem Ziel der Kuratorin, auch auf die Dreidimensionalität des Textilen hinzu­weisen. Am besten wird das vielleicht an den Werken von Reto Leibundgut deutlich. Der Thuner Künstler, der in Basel lebt, stellt grosse Wandskulpturen aus, die auch auf ihrer Rückseite beeindrucken.

Leibundgut setzt traditionell bestickte Gobelinteile je zu einer Art riesigen Brosche zusammen, die zugleich altmodisch und futuristisch anmutet: die Brosche könnte auch ein Raumschiff sein. Stichwort Rückseite: Die gepolsterten Ovale, welche die bürgerliche Wohnkultur aufs Korn nehmen, sind an alten Möbelteilen angebracht.

Ins Auge fällt ebenfalls die wandfüllende Komposition von Patricia Bucher, die Kelim-Teppiche zu Kulturträgern macht. Oder aber die Serie mit Nastüchli, bestickt mit Songzitaten, von Corinne Odermatt: «True love will find you in the end».

Hinweis: «Die Fäden in der Hand», Ausstellung in der akku Kunstplattform, noch bis 27. Oktober. Geöffnet Do-Sa, 14-17 Uhr, So 10-17 Uhr. Konzert mit den «Appenzeller Space Schöttl» am 24.10. um 20 Uhr. Weitere Infos auf: www.akku-emmen.ch

Akku Emmen richtet sich neu aus

Weil es finanziell nicht reicht, geht die Kunstplattform über die Bücher und muss nächstes Jahr sparen – auch beim Programm.
Beatrice Vogel