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In Eschenbach sind zwei ein Leben lang als «Freiwillige» unterwegs

Franz und Martha Zemp heissen die Gewinner des Eschenbacher Award 2019. Damit ehren die Verantwortlichen ein Werk von zwei Personen, das von ganz unterschiedlichen Facetten geprägt ist.
Ernesto Piazza

Der Fototermin ist vorbei. Mittlerweile haben Franz (83) und Martha (80) Zemp im Wohnzimmer Platz genommen. Vor ihnen liegt die Trophäe des Eschenbacher Award 2019. Es ist ein Stein aus der dorfeigenen Kiesgrube, versehen mit der entsprechenden Gravur.

Franz und Marta Zemp gewinnen den Eschenbacher Award 2019. (Bild: Boris Bürgisser, Eschenbach, 22. Mai 2019)

Franz und Marta Zemp gewinnen den Eschenbacher Award 2019. (Bild: Boris Bürgisser, Eschenbach, 22. Mai 2019)

«Wir sind völlig überrascht von diesem Preis», beginnt Martha Zemp (80) zu erzählen. Derweil ihr Ehemann Franz mit seinem unüberhörbaren Entlebucher Schalk leise anfügt: Sie seien komplett «hintergangen» worden. Nichts ahnend wurden die beiden von ihrer Tochter Lisa – alle Kinder wussten schon länger Bescheid von der Auszeichnung – dazu überredet, ins Dösselen mitzukommen. Das Betagtenzentrum feiert aktuell sein 25-Jahr-Jubiläum. Und an diesem Sonntagmorgen konzertierte dort der dorfeigene Männerchor zu seinem 100-jährigen Bestehen. In diesem Rahmen fand auch die Preisverleihung durch Gemeinderätin Dorly Galliker (FDP) statt.

Martha kümmert sich um Senioren

Franz und Martha Zemp leben seit 48 Jahren in Eschenbach. Sie sind 54 Jahre verheiratet und haben fünf Kinder, sieben Grosskinder und zwei Urgrosskinder. Die Familie ist ihr ganzer Stolz.

Seit Jahrzehnten legen sie viel Engagement und Herzblut in die Freiwilligenarbeit. Die für das Ressort Öffentlichkeit und Kultur zuständige Dorly Galliker erklärt: «Wenn Vereine und Institutionen personelle Unterstützung benötigen, rufen wir Martha an. Auf ihre Unterstützung können wir stets zählen.»

Öfters ist sie im Dösselen anzutreffen. Unter anderem betreut Martha Zemp beim Freitagsgottesdienst einmal pro Monat die Betagten. Zu ihren Tätigkeiten gehört ebenfalls das Überbringen der Hauskommunion. Die Senioren schätzen ihr Wirken. Sei es beim Organisieren des Ausflugs oder von Jassanlässen. Jassen wie das Singen im Trachtenchor zählen zu Martha Zemps Lieblingsbeschäftigungen.

Ein Hobby, für das die 80-Jährige viel Zeit aufwendet, ist das Stricken – vor allem Socken. Einmal pro Jahr verkaufen die Strickgruppen-Mitglieder an einem Hobbymärt die verarbeitete Wolle. Kleidungsstücke wie dicke Pullover verschenken sie auch an das Antoniusheim oder an die Pfarrer‑Sieber‑Stiftung.

«Wir sind gläubige Menschen», betont Franz Zemp. «Der Glaube gibt uns Kraft für den Alltag.» Der 83-Jährige ortet darin auch einen Grund für die positiven Momente im bisherigen Leben. Ursprünglich wollte er Bauer werden. Dieser Beruf blieb ihm aber verwehrt. Der Hof ging an seinen älteren Bruder. Später heiratete er die aus Schüpfheim stammende Martha Schmid. Als Absolventin der Bäuerinnenschule hätte sie ideale Voraussetzungen für einen gemeinsamen Hof mitgebracht.

Franz baut Wege und spielt Alphorn

Im Herbst seines Lebens kam Franz Zemp aber doch noch zum eigenen Betrieb. Viele Jahre bewirtschaftete er in Eschenbach eine eigene Christbaumkultur. Diese hat er nun übergeben. «Ich habe gemerkt, dass ich älter geworden bin. Die Gesundheit zeigt es einem, wenn die Zeit für einen solchen Schritt reif ist», sagt er. Bäume faszinierten den «Occasionsbauer», so nennt er sich, schon immer. Für einen «symbolischen Betrag» schnitt er sie auch ungefähr 20 Jahre im Klostergarten Eschenbach.

(Bild: Boris Bürgisser, Eschenbach, 22. Mai 2019)

(Bild: Boris Bürgisser, Eschenbach, 22. Mai 2019)

Bei der Pflege des Versöhnungswegs – ein Werk der Pfarrei – legt Franz Zemp freiwillig Hand an. Der Weg ist gesäumt von verschiedenen Posten, wo man auch Aufgaben lösen kann. «Brücken bauen» ist in diesem Zusammenhang sein Thema. Zudem ist Zemp Gründungsmitglied der Alphorngruppe Seetal und bläst das Instrument noch heute. Der Entlebucher macht auch gerne einen Witz und ist betätigt sich poetisch unter anderem bei Geburtstagsfesten.

Den Preis verstehen die beiden als Zeichen der Dankbarkeit und der Wertschätzung. «Personen, die sich so sehr für die Allgemeinheit einsetzen, verdienen es, ausgezeichnet zu werden», betont Galliker. «Viele Menschen haben uns gratuliert», sagt Martha Zemp. Die beiden empfinden ihr Wirken als «selbstverständlich». Und sie möchten auch künftig etwas zum Eschenbacher Dorfleben beitragen. «Für uns geht es weiter wie bisher.» Trotz Ehrung bleiben sie bescheiden und «wollen zufrieden sein mit dem was wir haben.» Grosse Wünsche hegen sie nicht (mehr).

Mit den 1000 Franken – so hoch ist der Preis dotiert – «gehen wir einige Tage weg», erklärt Martha Zemp. Wobei die beiden betonen: Geld sei für sie kein entscheidender Faktor. «Wir möchten vor allem gesund bleiben und noch möglichst lange in unseren eigenen vier Wänden wohnen dürfen», sagt Franz Zemp.

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