In ihrem Hotel spielte der «Tatort»

Ein Berghotel ob Vitznau war Schauplatz des neuen Luzerner «Tatorts». Ein Besuch bei den echten Besitzern der «Wissifluh».

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Die echten Besitzer der «Wissifluh» (von links): Jürg, Sylvia und Sidney Trionfini. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Die echten Besitzer der «Wissifluh» (von links): Jürg, Sylvia und Sidney Trionfini. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Die Paraderolle im dritten Luzerner «Tatort» mit dem Titel «Hanglage mit Aussicht» gebührt Peter Freiburghaus. Der Komiker des Duos Fischbach sorgt diesmal nicht für Lacher, sondern mimt den grantigen, alten Besitzer des Berghotels Wissifluh ob Vitznau, dem ein schmieriger Jurist das Land für einen Spottpreis abkaufen will und der später zu Unrecht unter Mordverdacht gerät.

«Ich habe bei den Dreharbeiten einmal den Stall verlassen müssen, weil mir sein Auftritt so nahe ging. Er spielt die Rolle hingebungsvoll und echt.» Ein Kompliment, das von einer Person kommt, die es wissen muss - Jürg Trionfini. Der 52-Jährige ist im wahren Leben Inhaber der «Wissifluh», mit seiner Frau Sylvia (56) betreibt er das Berghotel mit privater Luftseilbahn seit 1988.

Spekulanten auf der Wissifluh

Jürg Trionfini ist ein offener, umgänglicher Mensch und hat mit seinem streitbaren Pendant im Film nur wenig gemein. Den Frust, den das berufliche Engagement auf rund 1000 Metern mit sich bringen kann, ist ihm aber nur zu gut bekannt. «Es gibt hier oben viele Berührungspunkte mit Vorschriften, wir bekommen zu spüren, dass die Schweiz ein Beamtenstaat ist. Zudem musste ich auch schon Spekulanten, die uns das Zuhause aufdringlich abkaufen wollten, wieder runterschicken», erzählt Jürg Trionfini. Auch die Geschichte des «Tatorts» sei nicht aus der Luft gegriffen, im Gegenteil - «das Grundgerippe hat mein Vorgänger auf der Wissifluh tatsächlich erlebt», verrät Jürg Trionfini.

Sohn Sidney mit Statistenrolle

Doch wie kommt ein Älpler in den Kontakt mit dem Schweizer Fernsehen? «Den Drehbuchautor Felix Benesch kennen wir seit vielen Jahren», erklärt Jürg Trionfini. Das Ehepaar, das aus dem St. Galler Rheintal stammt, hat ein Flair für das Film- und Theatergeschäft. Der 17-jährige Sohn Sidney spielte jüngst im Theater Pavillon Luzern mit, der Vater war auch schon Statist. Sogar im «Tatort» hat Sidney einen Kurzauftritt - zu Beginn als Servicekraft an der 1.-August-Feier.

Die Dreharbeiten fanden im letzten September statt und dauerten auf der Wissifluh drei Wochen. Im Zentrum stand neben dem Berghotel die Gondelbahn, die in fünf Minuten von Vitznau nach Wissifluh führt. In dieser vierplätzigen Kabine ereignet sich im «Tatort» der Mord. «Über die Produktionsfirma Hugofilm haben wir nur lobende Worte. Das sind echte Profis, sehr angenehm im Umgang», erzählt Sylvia Trionfini. Überall dort, wo gedreht wurde, machte die Filmcrew Fotos, um im Anschluss alles wieder in den Originalzustand zurückzuversetzen. Für Jürg Trionfini stand dabei fest: «Man darf keine Angst um die Einrichtung haben. Augen zu und machen lassen, heisst die Devise.» Im Krimi ist die «Wissifluh» mangels Geld zu einer baufälligen und schmuddeligen Wirtschaft verkommen. «Die Filmcrew sprühte Buttermilch an die Fensterscheibe, um sie zu trüben. Es wurde haufenweise Abfall verteilt. Wir haben unseren Müll beigetragen», erzählt Jürg Trionfini schmunzelnd.

Keine Angst vor negativer Werbung

Doch fürchten die realen Besitzer durch diese negative Werbung nicht eine Umsatzeinbusse? «Nein. Wer sich durch diesen Film abschrecken lässt, passt ohnehin nicht zu uns rauf», stellt Jürg Trionfini klar. «Wir sind sowieso eher überfüllt», fügt seine Frau Sylvia an. Das Geschäft auf der idyllischen Wissifluh laufe gut. Ein wichtiges Standbein sei die Buchung von Seminaren. Die Sonnenterrasse des Restaurants mit prächtiger Aussicht auf den Vierwaldstättersee und die Bergwelt lädt zum Verweilen ein, auch Übernachtungsmöglichkeiten sind vorhanden. Nebenan halten die Trionfinis Wollschweine, rätisches Grauvieh und Bienen. «Wir werden nicht reich, doch wir bewahren mit Herz ein Stück Natur», so Jürg Trionfini.

Das sei letztlich ausschlaggebend gewesen für die Mitarbeit. «Der Krimi mit den herrlichen Naturbildern ist beste Werbung für die Schweiz.» Am letzten Dienstag weilte die Familie Trionfini zur Vorpremiere in Zürich. Die Erstausstrahlung am TV morgen auf SF 1 lässt sie sich ebenfalls nicht entgehen. «Das Produktionsteam wird bei uns zu Besuch sein», sagt Jürg Trionfini. Er wird es nicht mit der Mistgabel bedrohen, wie es Peter Freiburghaus im Krimi mit Gästen gelegentlich zu tun pflegt.

Stephan Santschi

www.wissifluh.ch