In Kriens tritt nur noch eine Jungpartei zu den Wahlen an – und auch diese muss kämpfen

Bei den Einwohnerratswahlen im März wird es in Kriens nur eine Jungparteien-Liste geben; jene der JCVP. Vor vier Jahren waren es noch deutlich mehr. Für den Rückgang gibt es mehrere Gründe.

Stefan Dähler
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Derzeit stellen Jungparteien nur ein Mitglied des Krienser Einwohnerrats. Mehr werden es auch in Zukunft nicht sein.

Derzeit stellen Jungparteien nur ein Mitglied des Krienser Einwohnerrats. Mehr werden es auch in Zukunft nicht sein.

Bild: Eveline Beerkircher, Kriens, 
21. Februar 2019

Der Höhepunkt war 2012. Damals kandidierten 37 Personen auf einer Jungparteien-Liste für den Krienser Einwohnerrat. Vor vier Jahren waren es noch 33; dies auf Listen der JCVP, Juso, Jungen Grünen und JSVP. Ganz anders sah es in Emmen und Horw aus, wo 2016 keine Jungparteien antraten. Doch nun gleicht sich Kriens diesen Gemeinden an: Bei den kommenden Wahlen wird nur noch die JCVP mit einer Liste antreten.

Letztere ist auch die einzige Jungpartei, die offiziell einen Sitz im Krienser Einwohnerrat hat. Diesen hält sie schon seit 37 Jahren, einer der ersten Vertreter war übrigens alt Ständerat Konrad Graber. Doch nun hat auch die JCVP zu kämpfen, wie sie in ihrem Infoblatt «Bärebiss» schreibt. Nach mehreren Rücktritten aufgrund des Alters oder Wegzügen besteht der Vorstand derzeit nur noch aus drei aktiven Mitgliedern. Mehrere Ressorts können nicht mehr besetzt werden. JCVP-Präsident Michael Krummenacher sagt:

«Wir erreichen die Jungen für ein politisches Engagement nicht mehr.»

Woran es liegt, sei schwer zu sagen. Vielen fehle die Zeit oder sie wollen sich nicht fix engagieren. Weiter ziehe es zahlreiche Junge in die Stadt Luzern.

Verkleinerung des Parlaments als Faktor?

Ein Schlag für die Krienser Jugendpolitik sei zudem die Verkleinerung des Einwohnerrats im Jahr 2016 von 36 auf 30 Personen gewesen. In der Folge verloren Juso und Junge Grüne, die damals ebenfalls noch im Parlament vertreten waren, ihren Sitz.

«Wir haben auch schon mit anderen Jungpolitikern und der Jugendanimation gemeinsame Anlässe wie Polit-Talks durchgeführt, doch es kamen jeweils sehr wenige Leute», sagt Michael Krummenacher. «Doch wir geben nicht auf.» Für das laufende Jahr plane man Standaktionen und eine Social-Media-Kampagne. Hoffnung macht ihm, dass auf kantonaler Ebene das Stimmrechtsalter 16 thematisiert wird. «Das wäre ein wichtiger Schritt, die Jugendlichen früh für die Politik zu gewinnen.»

Für die kommenden Wahlen habe man neben der amtierenden Einwohnerrätin Ursula Wendelspiess sieben weitere Kandidaten gefunden. Das Ziel seien am Ende mindestens zehn; 2016 waren es noch 15. Dennoch ist Krummenacher zuversichtlich, dass der Sitz gehalten werden kann. «Wir konnten bei vergangenen Wahlen auf eine grosse Stammwählerschaft zählen und haben viel Unterstützung erhalten.»

Jungparteien unterliegen grossen Schwankungen

Probleme bekunden auch die andernorts sehr engagierten Jungen Grünen. «Wir haben zwar einige Junge auf der Hauptliste, eine eigene Jungpartei ist in Kriens aber nicht mehr aktiv», sagt Raoul Niederberger, der bis 2016 Vertreter der Jungen Grünen im Einwohnerrat war und inzwischen Fraktionschef der Grünen ist. Auch er beobachtet:

«Ein Problem ist, dass viele in diesem Alter nach Luzern ziehen. In Kriens gibt es weniger Angebote für Jugendliche.»

Generell würden sich Jungparteien durch ihre «Schnelllebigkeit» auszeichnen. «Viele beginnen oder beenden eine Ausbildung, suchen eine Arbeit und ziehen mehrmals um», sagt Niederberger. «Es kann aber auch sein, dass sich in kurzer Zeit wieder eine aktive Gruppe bildet, die eine Jungpartei führen will.» Auch Niederberger beurteilt die Verkleinerung des Einwohnerrats negativ. Dadurch sei die Chance gesunken, einen Sitz im Parlament zu holen. «Das war schon ein Einschnitt und schmälerte die Motivation der Jungen merklich.» Auch eine Juso-Sektion gibt es in Kriens nicht mehr, jüngere Leute kandidieren auf der SP-Liste.

JSVP hat einen «Götti» bei der Mutterpartei

Die JSVP wird ebenfalls nicht mit einer eigenen Liste antreten. Man habe beschlossen, die Mutterpartei zu unterstützen, schreibt Co-Präsident Yannick Schuitemaker auf Anfrage. Grundsätzlich sei die JSVP mit einem Co-Präsidium gut aufgestellt. Mit Stadtratskandidat Marco Frauenknecht habe man zudem in der SVP einen «Götti», der die Anliegen der Jungen ernst nehme.

Man spüre aber auch, dass viele Jugendliche den Aufwand der politischen Arbeit scheuen würden. Hinzu komme die Sorge, sich zu einer Meinung zu verpflichten und so «gesellschaftlich auszugrenzen». Weiter würden Junge oftmals von der älteren Generation belächelt. Die Jungparteien müssten sich daher stärker bemerkbar machen.

Jungfreisinnige sind wieder aktiv

Besser als auch schon geht es den Krienser Jungfreisinnigen. Nach einer inaktiven Phase wurden diese vor rund zweieinhalb Jahren reaktiviert, wie Präsident Matthias Erni schreibt. Einwohnerrat Daniel Rösch ist Mitglied der Jungpartei, kandidiert hat er 2016 aber auf der FDP-Liste. Eine eigene Jungfreisinnigen-Liste wird es auch dieses Jahr nicht geben. Man werde mit vier Personen auf der FDP-Liste antreten, so Erni. «Leider konnten sich nicht mehr Junge für einen Listenplatz begeistern.»

Es sei mit sehr viel Aufwand verbunden, aktive Mitglieder zu finden, so Erni. Das lohne sich aber, denn für eine funktionierende Kommunalpolitik sei es zentral, dass auch Junge «ihren Teil zur Stadtentwicklung beitragen». Die meisten Jungfreisinnigen hätten sich aber über die nationale oder kantonale Partei angemeldet. Erni:

«Nur wenige gelangen direkt an uns, weil sie sich für die kommunalen Themen interessieren.»

Es sei aber gelungen, diese Mitglieder auch kommunal zu motivieren. Die Verkleinerung des Einwohnerrats hat aus Ernis Sicht keinen wesentlichen Einfluss auf das Interesse der Jungen an der Politik. «Es liegt nun an uns Jungparteien, auf die Jungbürger direkt zuzugehen und ihnen die Kommunalpolitik näherzubringen.» Dazu führe man Standaktionen durch oder schreibe diese gezielt an.

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