In Marbach lebt ein fast vergessenes Volksstück auf

Der neue Vierakter überzeugt mit seinen traditionellen Figuren und der bodenständigen Sprache.

Yvonne Imbach
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Die Schauspieler beweisen an einer der letzten Proben viel Freude an ihren Rollen.

Die Schauspieler beweisen an einer der letzten Proben viel Freude an ihren Rollen.

Bild: Yvonne Imbach (Marbach, 17. Dezember 2019)

Wie immer kurz vor Weihnachten lüftet sich in Marbach morgen der Premierenvorhang zum neuen Theaterstück «Wätter über Obertal». Die Geschichte spielt in einem Bauerndorf und wurde vom Krienser Herbert Blättler geschrieben. 1957 hatte das Volksstück Premiere, in den letzten Jahren ging es fast ein bisschen vergessen. «Jahrelang wurde es nicht mehr gespielt. Für uns ist der Vierakter eine sehr gute Wahl», sagt Heinz Lötscher, der zusammen mit Lisbeth Lötscher Regie führt.

«Das alte Textbuch war nicht mehr vollständig lesbar. Wir haben es digital erfasst und bei der Gelegenheit einige Stellen neu geschrieben und auf unsere Bedürfnisse angepasst», erzählt Heinz Lötscher. Dazu mussten sie das Einverständnis der Erben des verstorbenen Autors einholen, was aber kein Problem war.

Dorfchilbi, Tanz und Musikanten

Das Resultat ist eine Inszenierung, wie es in einem alten Heimatfilm nicht schöner sein könnte: Es wird gewildert und der Falsche verdächtigt. Wald wird abgeholzt und so der Hochwasserschutz sabotiert. Die Zuschauer erleben ein ernstes Stück mit humorvollen Einlagen, das bis zuletzt spannend bleibt. Auch die Romantik kommt nicht zu kurz. Zum Glück gibt’s die Dorfchilbi, wo getanzt, gesungen und geflirtet wird. Mit Andreas Wittwer und Fränzi Zihlmann als Musikanten auf der Bühne ist die Wirkung eines zünftigen Tanzanlasses noch authentischer.

Viel Mühe gab sich der Theaterverein auch bei den Kostümen: Die Frauen präsentieren die Entlebucher Sonntags- und Werktagstracht. Bei den Männern darf der schwarz-samtige «Mutz» nicht fehlen. Herrlich bodenständig und «frisch» aus den 50er-Jahren importiert ist auch die Sprache. «Gets bald öppis Dönns?» steht für Durst, «wotsch öppe muule?» duldet keine Widerrede.

Rollen sind gut verinnerlicht

Die Spieler kosten es augenfällig aus, mit derben Schuhen als Knecht, Magd oder Hausiererin durch die Kulissen zu stapfen. Mimik und Gestik beweisen, wie gut die Rollen verinnerlicht sind. Es ist ein grosses Vergnügen, diese Zeitreise zu erleben. Siebzehn Spielerinnen und Spieler sorgen dafür, dass die Geschichte packend erzählt wird. «Es ist schon so, dass einige Spieler in jedem Schwank in eine ähnliche Rolle schlüpft. Aber sie wären enttäuscht, wenn sie den bevorzugten Charakter nicht spielen dürften», weiss Heinz Lötscher.

Drei Spieler sind das erste Mal mit von der Partie. Schön, dass einige junge Menschen zum Theaterverein dazu gestossen sind. Nachwuchssorgen braucht man sich hier offensichtlich nicht zu machen. So schnuppert auch Michelle Lötscher das erste Mal Bühnenluft. Sie spielt die «Leni», tanzt und singt sogar, also ein beeindruckendes Début. «Das Singen braucht schon ein bisschen Mut. Aber ich habe ja keine grosse Rolle, es ist nicht so schwierig», erzählt die Zwölfjährige. Trotzdem sei sie schon aufgeregt auf die Premiere. Ihre Mutter Trudi Lötscher steht schon seit zwanzig Jahren auf der Bühne und hat auch Lampenfieber, aber mehr wegen ihrer Tochter: «Das ist wohl der Mutterinstinkt, das ich immer mit einem Auge auch auf sie achte. Dabei macht sie es tipptopp!» Recht hat sie – und auch alle anderen überzeugen.

Hinweis: Aufführungen: 21. Dezember 13.30 und 20 Uhr. 26. und 28. Dezember um 20 Uhr. Gemeindesaal Marbach. Reservation unter Telefon 034 493 41 52.