In offenem Brief
«Wir entschuldigen uns dafür»: Arztgruppierung verlieh Yvette Estermann aberkannten Titel

Die Krienser SVP-Nationalrätin Yvette Estermann engagiert sich für das sofortige Aufheben des Lockdowns. Ihren Namen versah die entsprechende Ärztegruppe mit einem unzulässigen Doktortitel. «Zum Glück» passiert ein solcher Fehler selten, sagt Estermann.

Alexander von Däniken
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Nicht nur die Gastronomen selbst, auch Dutzende Schweizer Ärzte fordern eine sofortige Öffnung von Restaurants. Eine Gruppe namens «Ärzte mit Blick aufs Ganze», kurz AMBAG, hat für diese und weitere Forderungen einen offenen Brief an den Bundesrat geschrieben. Unterzeichnet haben 112 Ärztinnen und Ärzte, davon stehen 88 mit vollem Namen hin. Gelistet ist auch Yvette Estermann. Die SVP-Nationalrätin aus Kriens hat bekanntlich in der damaligen Tschechoslowakei ein Medizinstudium absolviert und mit der Note Ausgezeichnet das Staatsexamen abgeschlossen. Nach dem Umzug in die Schweiz trug sie den Titel Dr. med. Diesen hat ihr die FMH 2012 entzogen, weil sie in der damaligen CSSR keine Dissertation vorlegen musste. Fortan führte sie den Titel MUDr.(medicinae universae doctor).

Yvette Estermann, SVP-Nationalrätin aus Kriens und Ärztin.

Yvette Estermann, SVP-Nationalrätin aus Kriens und Ärztin.

Gaetan Bally/Keystone

Zurück zum offenen Brief: Wie konnte es so weit kommen? Der Gefässmediziner Daniel Holtz ist Sekretär und Initiant der Gruppierung AMBAG. Er sagt auf Anfrage: «Der Fehler ist ganz klar bei uns passiert. Frau Estermann hat sich korrekt als MUDr. angemeldet. Wir entschuldigen uns aufrichtig dafür.» Beim Verfassen des Offenen Briefs seien er und sein Praxissekretariat unter hohem Zeitdruck gestanden. Schliesslich sei es darum gegangen, die Forderungen zu platzieren, bevor der Bundesrat am 15. Februar über allfällige Lockerungsschritte habe informieren können.

Rasche Korrektur nicht möglich

Eine offizielle Korrektur ist im Moment nicht möglich: Die Gruppe AMBAG verfügt weder über eine Internet-Seite noch über Social-Media-Profile. Dafür hat sich der offene Brief inklusive Fehler schon auf verschiedenen Portalen verbreitet; zum Beispiel auf dem Branchenportal Medinside. «Es wird sich Anfang oder Mitte März die Gelegenheit bieten», kündigt Holtz an. Da werde die Gruppierung die definitiven Unterschriftenbögen mit richtiger Bezeichnung einreichen. Bis dahin hofft Daniel Holtz auf zweierlei: Dass Estermann der AMBAG den Fehler verzeiht und dass der Gruppierung daraus keinen Strick gedreht wird. «Wie unser Name sagt, geht es schliesslich um den Blick aufs Ganze.»

Yvette Estermann selbst bestätigt, dass sie sich korrekt angemeldet hat. Sie habe den Fehler auch schon am Mittwoch der Gruppierung gemeldet. Passiert es öfters, dass ihr versehentlich der Dr.med.-Titel angehängt wird? «Zum Glück nicht!» Estermann ist nicht die einzige Luzerner Ärztin, die im offenen Brief aufgeführt ist: Auch Andreas Heisler aus Ebikon, Sonja Distel aus Escholzmatt und Heiko Uthoff aus Luzern engagieren sich in der Gruppe.

Diese setzt sich nicht nur für eine rasche Öffnung der Gastronomie ein. Weitere Forderungen sind das Schaffen von Impf-Anreizen, eine Lockerung der Quarantäne-Regeln, eine Entlastung der Akutspitäler, das Lösen der Personalengpässe in den Spitälern, ein konsequenter Mischunterricht (Online/Präsenz) an Hochschulen und Unis, bessere Kommunikation durch den Bundesrat, das Auflösen der wissenschaftlichen Covid-19-Taskforce und das gezielte Anstossen einer Diskussion über das Tabuthema Sterben und Tod.