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Leserdebatte

In Rothenburg gehen am nächsten Sonntag Tiere zur Kirche

Am Sonntag wird die Pfarrkirche Rothenburg Gottesdienstbesucher willkommen heissen, die normalerweise nie zur Kirche gehen: Tiere. Die Vierbeiner dürfen dabei nicht nur an der Feier teilnehmen, sondern werden sogar gesegnet. Wir sprachen mit dem Gemeindeleiter David Rüegsegger.
Robert Knobel
Ein Hund vor dem Altar in der Pfarrkirche Rothenburg anlässlich einer Hochzeits-Jubiläumsfeier. (Bild PD)

Ein Hund vor dem Altar in der Pfarrkirche Rothenburg anlässlich einer Hochzeits-Jubiläumsfeier. (Bild PD)

David Rüegsegger, Sie laden zum Tiersegnungs-Gottesdienst. Sind Tiere in der Kirche überhaupt erlaubt?

David Rüegsegger, Gemeindeleiter der katholischen Kirche Rothenburg.

David Rüegsegger, Gemeindeleiter der katholischen Kirche Rothenburg.

Es gibt im katholischen Kirchenrecht nirgends ein Tier-Verbot für Kirchenräume. Es war bisher eher ein ungeschriebenes Gesetz, dass Tiere im Gottesdienst nichts zu suchen hätten. Man fürchtete wohl, sie könnten die Andacht stören. Doch dieses «Gesetz» versuchen wir jetzt ein bisschen aufzubrechen. Im Prinzip spricht nichts dagegen, auch während eines gewöhnlichen Gottesdienstes sein Haustier mitzunehmen.

Die Befürchtung, Tiere könnten den Gottesdienst stören – beispielsweise durch Bellen – ist aber nicht völlig abwegig...

Ja, es gilt hier, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Wir sind einmal anlässlich einer Palmsonntags-Prozession mit einem Esel in die Kirche eingezogen. Da wir Angst hatten, dass er etwas liegen lassen könnte, brachten wir ihn schnell wieder hinaus.

Das heisst, der Gottesdienst vom nächsten Sonntag ist nicht das erste Mal, dass Tiere die Rothenburger Pfarrkirche besuchen?

Aber nein. In Erinnerung bleibt mir beispielsweise die Beerdigung einer Hundebesitzerin. Die Angehörigen wussten nicht wohin mit dem Hund während des Gottesdienstes. Ich sagte ihnen: Nehmt ihn doch einfach mit! Wieso sollte der Hund, der ja auch um die Frau trauerte, allein zurückbleiben? Gerade für ältere Menschen ist der Hund in ihren letzten Lebensjahren oft eine ganz wichtige Bezugsfigur. Der erwähnte Hund war während des ganzen Gottesdienstes denn auch brav geblieben – es war überhaupt kein Problem.

Gab es noch weitere tierische Erlebnisse in der Kirche?

Es gab früher eine «Kirchen-Katze», die immer um die Pfarrkirche herum unterwegs war. Als einmal die Erstkommunion-Kinder in die Kirche einzogen, spazierte die Katze ganz selbstverständlich hinterher. Bei einer Feier für Kinder war sogar eine Schlange aus Toni`s Zoo zu Gast.

Im Gottesdienst am Sonntag werden Sie die Tiere segnen. Brauchen Tiere überhaupt einen speziellen Segen?

Gemäss der Schöpfungsgeschichte segnete Gott sowohl die Menschen als auch die Tiere. Segnen bedeutet auch, dass man den Gesegneten so annimmt, wie er ist und ihm etwas Gutes zusagt. Die Menschen tun den Tieren oft viel Leid an – dabei sind sie genauso Geschöpfe Gottes. Es geht darum, sich bewusst zu werden, dass beide, Menschen und Tiere, voneinander abhängig sind. Ohne Bienen gäbe es zum Beispiel keine Früchte. Papst Franziskus hat dies mit «Sorge um das gemeinsame Haus» umschrieben.

Apropos Franziskus: Der heilige Franz von Assisi hat ja bekanntlich mit den Tieren gesprochen...

Genau. Deshalb gibt es in einigen Kirchen eine Tradition von Tier-Gottesdiensten im Umfeld des Festes Franz`von Assisi am 4. Oktober. Ich habe dies selber einmal in Rom erlebt: Die Kirche war voller Tiere. Auch wir beziehen uns deshalb auf diesen Tag.

Wie läuft die Segnung genau ab?

Der Gottesdienst läuft ähnlich ab wie andere auch, mit Musik, Liedern und einer Predigt. Am Ende folgt die Segnung. Zuerst fragen wir den Halter, ob wir das Tier berühren dürfen. Dann wird ein Segensgebet gesprochen und mit dem Kreuzzeichen abgeschlossen. Übrigens muss man sein Tier nicht zwingend in die Kirche mitnehmen, um es segnen zu lassen. Bauern können ja kaum ihre Kühe mitbringen. Man kann deshalb ein Segensgebet auch nach Hause mitnehmen.

Erwarten Sie auch negative Reaktionen?

Es wird sicher Leute geben, die das nicht so gut finden – auch weil sie befürchten, Tiere würden zu sehr ins Zentrum gerückt. Wir haben kürzlich eine Kollekte für eine Tierschutzorganisation gesammelt. Danach gab es einzelne Rückmeldungen: Die Leute fanden, man könne doch nicht für Tiere sammeln, solange noch Menschen hungern. Tatsächlich ist die Kollekte im Normalfall für Menschen. Aber man kann einmal eine Ausnahme machen. Denn Tiere sind wie gesagt auch Geschöpfe Gottes und viel Leid im Tierreich ist vom Menschen verursacht.

Planen Sie künftig regelmässig Tiersegnungen?

Das haben wir uns noch nicht überlegt. Wir warten erst einmal die Premiere am Sonntag ab. Aber grundsätzlich finde ich: Warum nicht?

Hinweis: Ökumenischer Tiersegnungs-Gottesdienst: Sonntag, 20. Oktober, 16.30 Uhr in der Pfarrkirche Rothenburg. Mehr Informationen hier.

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