Mobilität
In Rothenburg kann ab sofort Wasserstoff getankt werden

Die Landi Sempach-Emmen nimmt bei der Agrola-Tankstelle in Rothenburg die ersten Wasserstoffzapfsäulen der Zentralschweiz in Betrieb. Noch ist die Kundschaft überschaubar.

Beatrice Vogel
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Neue Tankstellen werden heutzutage selten gebaut, viel eher Ladestationen für Elektroautos. Doch es gibt eine Ausnahme: In der Schweiz entstehen immer mehr Wasserstofftankstellen. Die neue Technologie mit Wasserstoff aus erneuerbarer Energie ermöglicht CO₂-neutrales Autofahren. Darauf setzt Agrola, Tochter der Landi-Genossenschaft Fenaco. Nachdem sie im Oktober in Zofingen ihre erste Wasserstofftankstelle eröffnet hat, geht am Donnerstag jene in Rothenburg in Betrieb. Es handelt sich dabei um die erste derartige Tankstelle in der Zentralschweiz.

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Die Zapfsäulen befinden sich neben der bestehenden Benzin- und Dieseltankstelle bei der Landi Rothenburg. «Technisch wäre es möglich gewesen, die Zapfsäulen in die bestehende Tankstelle zu integrieren. Wegen der hohen Kundenfrequenz dort haben wir uns aber entschieden, für den Wasserstoff ein separates Tankstellendach zu bauen», sagt Peter Käch, Geschäftsführer der Landi Sempach-Emmen.

Direkt neben der Landi befindet sich der Sitz der Auto AG Rothenburg – ebenfalls ein Unternehmen, das auf Wasserstoffkraft setzt: Die Auto AG führt die Inbetriebnahme und Wartung der Lastwagen aus, welche die Firma Hyundai in die Schweiz liefert.

Lastwagen sollen Verbreitung der Technologie fördern

Peter Käch, Geschäftsführer Landi Sempach-Emmen.

Peter Käch, Geschäftsführer Landi Sempach-Emmen.

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Fenaco und Agrola sind Gründungsmitglieder des Fördervereins H2-Mobilität. Der Zusammenschluss von Tankstellenanbietern und Transportunternehmen in der Schweiz fördert den Betrieb von Wasserstofflastwagen. Denn damit die neue Technologie Verbreitung findet, braucht es sowohl Fahrzeuge als auch Tankstellen. «In anderen Ländern gibt es viele schlecht ausgelastete Wasserstofftankstellen, weil der Fokus nicht auf LKW liegt», erklärt Käch. Private Wasserstoffautos sind nämlich noch wenig verbreitet.

Dass die neue Tankstelle ausgerechnet in Rothenburg realisiert wurde, hängt deshalb auch mit Firmen wie Traveco und Emmi zusammen. «Als diese Firmen Wasserstofffahrzeuge bestellten, entschieden wir uns für die Tankstelle, um die Nachfrage zu decken», so Käch. Betanken kann man in Rothenburg aber nicht nur Last-, sondern auch Personenwagen. Käch: «Die Tankstelle ist für alle offen.»

So funktionieren Wasserstoffautos

Wasserstoffautos – auch Brennstoffzellenautos genannt – fahren mit einem Elektromotor. Angetrieben wird er durch Brennstoffzellen, die in einer chemischen Reaktion Wasserstoff und Sauerstoff zu Strom umwandeln. Das Abfallprodukt ist Wasser respektive Wasserdampf. Gewonnen wird der gasförmige Wasserstoff mittels Elektrolyse aus Wasser. Dafür braucht es Strom, um Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu zerlegen. Weil die Schweizer Wasserstoffanbieter den Strom aus Wasserkraft gewinnen, ist das Fahren eines Wasserstoffautos in der Schweiz CO₂-neutral. Allerdings kann Wasserstoff auch aus fossilen Brennstoffen gewonnen werden, weshalb der umweltbewusste Nutzer im Ausland darauf achten sollte, woher der Wasserstoff kommt.

Dem Förderverein H2-Mobilität Schweiz gehören neben Fenaco und Agrola unter anderem Galliker, Emmi sowie Coop, Migros und Avia an. Neben den Tankstellen in Zofingen und Rothenburg gibt es jene in Hunzenschwil und St.Gallen, in Planung sind weitere in Dietlikon, Rümlang und Crissier.

Noch ist die Kundschaft überschaubar: In der Zentralschweiz verkehren laut Peter Käch derzeit rund 50 Wasserstoff-LKW. «Und vor rund einem Jahr gab es in der Schweiz gerade einmal 20 Privatwagen, wobei diese Zahl mittlerweile sicher überholt ist.» So habe man festgestellt, dass nach der Inbetriebnahme der Tankstelle in Zofingen in jener Region gleich mehrere Private ein Wasserstoffauto anschafften. Käch: «Auch in Rothenburg gibt es mehrere Privatpersonen, die ein Wasserstoffauto gekauft haben, als sie von unserer Tankstelle erfuhren.»

Wasserstoffautos stehen Benzin- und Dieselfahrzeugen in Sachen Reichweite und Tankdauer nicht nach: Eine Tankladung reicht für 600 bis 700 Kilometer, das Tanken dauert wenige Minuten. Allerdings sind Wasserstoffautos derzeit noch relativ teuer, werden von Hyundai und Toyota aber bereits seriell hergestellt.

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