INDUSTRIE: Auch Perlen setzt jetzt auf China

Die Chemie- und Papier-Holding investiert in China in ein neues Werk für die Verpackungssparte. Die Gruppe will die Abhängigkeit vom Papier und vom europäischen Markt verringern.

Hans-Peter Hoeren
Drucken
Teilen
Die Perlen Packaging AG stellt Folien für hochwertige Medikamentenverpackungen her. Das Bild zeigt Mitarbeiter Radisav Bogicevic an einer Produktionsmaschine in Perlen. (Bild: Nadia Schärli)

Die Perlen Packaging AG stellt Folien für hochwertige Medikamentenverpackungen her. Das Bild zeigt Mitarbeiter Radisav Bogicevic an einer Produktionsmaschine in Perlen. (Bild: Nadia Schärli)

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 64 Prozent des Umsatzes der Chemie- und Papier-Holding AG (CPH) entfallen auf die Herstellung von Zeitungsdruck- und Magazinpapier in der Papierfabrik Perlen mit ihren rund 360 Mitarbeitern, den Rest tragen die Sparten Verpackung und Chemie bei (siehe Grafik). 84 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen in Europa, 70 Prozent der Kosten fallen hingegen in der Schweiz an. «Mit dieser Ausrichtung sind wir stark von der Entwicklung des Euro abhängig», sagt CPH-CEO Peter Schildknecht. Der starke Franken hat dem Unternehmen in der Eurokrise denn auch zugesetzt. Diese starke Abhängigkeit von einer Sparte und einer Exportregion will die Gruppe reduzieren.

Die Risiken besser verteilen

«Wir wollen die drei Sparten besser ausbalancieren», kündigt Peter Schildknecht an. Mittelfristig soll etwa die Hälfte des Umsatzes in der Papiersparte erwirtschaftet werden, die übrigen 50 Prozent in den anderen beiden Bereichen. Auch die Erschliessung neuer Geschäftsfelder sei denkbar. «Wir wollen durch Akquisitionen und den Aufbau neuer Kapazitäten wachsen, und zwar in den Bereichen, in denen wir durch Innovationen einen Zusatznutzen bieten und so höhere Margen erzielen können», sagt Schildknecht. Dies ist in den Bereichen Chemie und Verpackung der Fall.

Im Hauptfokus der neuen Strategie steht insbesondere die Sparte Perlen Packaging. In der Verpackungssparte arbeiten allein in Perlen rund 150 Mitarbeiter, weitere 140 sind in Deutschland tätig. Die Sparte produziert Kunststoff-Folien für so genannte Blisterverpackungen. Diese werden in der Pharmaindustrie verwendet. Diese Durchdrückpackungen schützen Medikamente wie Tabletten, Kapseln oder Zäpfchen vor Schmutz oder Luftfeuchtigkeit. Dadurch wird ihre Wirksamkeit gewährleistet. Hergestellt werden diese Folien bei Perlen Packaging in Deutschland, veredelt werden sie in Perlen.

Schutz für Medikamente

«Je nach Klimazone müssen die Folien unterschiedliche Schutz- beziehungsweise Barrierewirkungen bieten. Ein Medikament, das nach Südamerika in eine tropische Zone geliefert wird, braucht beispielsweise wesentlich höhere Barriere-Eigenschaften», sagt Wolfgang Grimm, Vorsitzender der Geschäftsleitung des Bereichs Verpackung. Es handelt sich also um ein Produkt, mit dem sich die Perlen Packaging durch die Bereitstellung höherwertiger Qualitäten von der Konkurrenz abheben und höhere Margen erzielen kann. Abnehmer sind multinationale Pharmafirmen wie Roche, Novartis, Bayer oder Boehringer-Ingelheim. Perlen Packaging zählt zu den drei führenden Herstellern bei den Verpackungen mit hoher Schutzwirkung. Die Nachfrage nach Blister-Verpackungen nimmt zu, der Markt wächst. Entsprechend hat die CPH-Sparte in den vergangenen Jahren ihren Umsatz stetig steigern können.

Starkes Wachstum in Asien

In Asien und Lateinamerika wächst der Markt für Blister-Folien zweistellig, in Europa um 3 Prozent. «Starke Treiber in den Schwellenländern sind die Urbanisierung, die steigenden Einkommen, aber auch die zunehmende Überalterung», verdeutlicht Grimm. An diesem Wachstum will die Sparte noch stärker teilhaben. Da die Produktionskapazitäten in Perlen an ihre Grenze stossen, will Perlen Packaging bis 2016 in der Nähe von Schanghai einen neuen Produktionsstandort aufbauen. Im Fokus steht die Beschichtung und Veredelung der Folien. Die Kosten des Standortes: 15 bis 17 Millionen Franken. Bis zu 150 Beschäftigte sollen dort künftig arbeiten.

Rund ein Fünftel des Umsatzes der Verpackungssparte entfällt aktuell auf die Schwellenländer. «Viele dieser Geschäfte laufen aber primär über unsere global aufgestellten Kunden», erklärt Grimm. Wenn das Werk in China 2016 den Betrieb aufnimmt, dann werden 20 Prozent des bisherigen Umsatzes der Sparte Verpackung von Perlen nach China verlagert. «Dieser Schritt sichert aber auch die Arbeitsplätze in Perlen», sagt Grimm. Damit meint er, dass auch die Produktionswerke in Perlen von der Erschliessung neuer Wachstumsmöglichkeiten und einer breiteren Aufstellung der Gruppe profitieren. Zudem werde in Perlen Kapazität frei, die für ein weiteres Wachstum im europäischen Markt benötigt werde, sagt Grimm.

Pharmafirmen reagieren positiv

Perlen Packaging ist der erste grosse internationale Hersteller, der in China einen Produktionsstandort zur Veredelung der Blisterfolien aufbaut. Mit dem neuen Standort steigt die Lieferflexibilität des Unternehmens. «Wir können schneller und flexibler reagieren. Die multinationalen Pharmaunternehmen wollen von unterschiedlichen Standorten beliefert werden», erklärt Grimm.

Alle multinationalen Pharmahersteller verfügten über Produktionsstandorte in China. «Die Ankündigung der CPH, in China ein neues Werk aufzubauen, hat sehr positive Reaktionen bei den Pharmafirmen ausgelöst», sagt Grimm. Aktuell sei das Unternehmen oftmals noch als Zweitlieferant für grosse Pharmafirmen tätig. «Mit dem neuen Standort steigen die Chancen, an neue Volumen heranzukommen und bei weiteren Firmen zum Erstlieferanten zu werden.»