INFEKTIONEN: Wenn Mausi oder Luna zubeissen

Ob im Spiel oder aufgrund von Erschrecken: Immer wieder beissen (Haus-)Tiere zu. Doch selbst harmlos wirkende Bisse können Folgen haben. Der Infektiologe rät, bei Schmerzen einen Arzt aufzusuchen.

Susanne Balli
Drucken
Teilen
Klein und putzig: Aber auch ein Hamster kann kräftig zubeissen, wenn er sich in Not wähnt.Bild: Manuela Jans-Koch (Root, 23. Juli 2009)

Klein und putzig: Aber auch ein Hamster kann kräftig zubeissen, wenn er sich in Not wähnt.Bild: Manuela Jans-Koch (Root, 23. Juli 2009)

Tierschutzorganisationen raten davon ab: Trotzdem landen auch dieses Jahr wieder Tiere unter dem Christbaum. Sei es ein süsses Kätzchen, ein putziges Meerschweinchen oder ein gewitzter Degu (Strauchratte). Doch ein solches Geschenk ist in mehrfacher Hinsicht problematisch. Ein Tier kann man nicht so einfach wie ein Kleidungsstück oder ein Spielzeug umtauschen. Es braucht regelmässige Pflege und eine artgerechte Haltung. Hinzu kommt etwas, was sich viele Tierhalter nicht bewusst sind. Auch scheinbar harmlose Haustiere können im Spiel oder aufgrund von Erschrecken zubeissen. Das kann böse Folgen haben.

«Wir führen keine Statistik, unser Notfallzentrum wird aber pro Woche knapp 1-mal aufgrund von Tier- oder Menschenbissen aufgesucht. Pro Jahr sind es schätzungsweise rund 30 bis 40 Personen, die wegen Bisswunden in die Notaufnahme kommen», sagt Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Kantonsspital Luzern. Dies sei nur die Spitze des Eisbergs, da viele Patienten nach einem Tierbiss gar nicht in ärztliche Behandlung oder aber zum Hausarzt gehen. «Ich bekomme nur jene Patienten zu Gesicht, bei denen sich aufgrund eines Bisses eine Infektion entwickelt. Das kommt einige Male im Jahr vor. Darunter befinden sich auch ganz schwer verlaufende Infektionen», so Rossi.

Breites Spektrum an Bakterien

Das Tückische an Tierbissen seien die von aussen oft harmlos aussehenden, aber tiefen Bisswunden, zum Beispiel von Katzen oder Nagetieren, die über sehr spitze und dünne Zähne verfügen. «Jedes Tier hat in seiner Mundflora ein breites Spektrum an Bakterien. Einige davon sind gefährlich, da sie zu einer sich rasch ausbreitenden Infektion mit Gewebezerstörung in der Tiefe führen können. Als Folge kann es auch zu einer Blutvergiftung kommen», sagt der Infektiologe.

Tiefere oder infizierte Wunden werden mit einer Operation behandelt. Dabei öffnet der Chirurg den betroffenen Bereich, um die Wunde zu reinigen und infiziertes oder abgestorbenes Gewebe zu entfernen. Im schlimmsten Fall kann sogar eine Amputation, zum Beispiel eines Fingers, notwendig sein. Dies kommt laut Rossi zum Glück aber sehr selten vor. «Bissverletzungen an den Händen, Füssen oder im Gesicht sind besonders gefährlich, da der Chirurg an diesen Stellen kaum Gewebe entfernen kann und durch einen Biss häufig Sehnen oder Knochenhaut tangiert werden. Therapiert werden Bisswunden zudem mit Antibiotika.»

Nicht selten sind auch Kinder von Tierbissen betroffen, mit Verletzungen im Gesicht und an den Händen. Generell sind Bisse durch Hunde und Katzen am häufigsten, und die meisten Bissverletzungen erfolgen durch ein eigenes oder bekanntes Tier. Rossi sagt: «Katzenbisse werden eher unterschätzt, weil man in der Regel nicht viel sieht, die Bisse aber rasch tief bis zu Gelenken, Sehnen oder Knochen reichen.» Der Speichel von Katzen könne dort hoch infektiös sein. «Solche auf den ersten Blick harmlosen Bisse sollten von Anfang an gut im Auge behalten werden. Deshalb sollte nach einem Tierbiss, der mehr als nur einen Kratzer hinterlässt, ein Arzt aufgesucht werden.» Das Auftreten von Schmerzen in der Folge eines Bisses sei ein Alarmzeichen. Dies gelte im Übrigen auch für alle anderen Tier- sowie Menschenbisse (siehe Kasten). Menschenbisse sind laut Rossi zwar deutlich seltener, aber noch gefährlicher als Tierbisse. «Gefährdet sind zum Beispiel Polizisten; Menschen beissen besonders in psychischen Ausnahmesituationen oder unter Drogeneinfluss», sagt er. Bisse durch Kinder hingegen sind meist harmlos, da sie in der Regel nicht mit voller Kraft geschehen. Rossi sagt: «Ich kann mich an keinen Fall einer Infektion aufgrund eines Bisses durch ein Kleinkind erinnern.»

Wann zum Arzt?

Wer vom eigenen Haustier gebissen wird, rennt in der Regel nicht sogleich zum Arzt. Dennoch sollte man die Sache ernst nehmen. Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Luzerner Kantonsspital, sagt: «Bisswunden sollten möglichst früh behandelt werden, um eine Infektion zu verhindern.» Folgendes sollte beachtet werden:

  • Bisswunden desinfizieren und beobachten. 
  • Bei tiefen Wunden direkt zum Arzt gehen.
  • Impfschutz (Tetanus) überprüfen lassen.
  • Bei Schmerzen, Rötungen und Fieber in der Folge eines Tierbisses sofort einen Arzt aufsuchen.
  • Besondere Vorsicht und Beobachtung bei Bissen in Hände, Füsse und Gesicht. Im Zweifelsfall den Arzt aufsuchen.

Susanne Balli

susanne.balli@luzernerzeitung.ch