INITIATIVE: Er möchte Inländer-Jobs sichern

Richard Koller (56) ist der Mann hinter der eidgenössischen Initiative «Zuerst Arbeit für Inländer». Der Neudorfer erklärt, wieso diese nicht gegen Ausländer zielt und nichts mit seiner Partei, der SVP, zu tun hat.

Niels Jost
Drucken
Teilen
Richard Koller, fotografiert auf einer Landungsbrücke beim KKL. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 3. März 2017))

Richard Koller, fotografiert auf einer Landungsbrücke beim KKL. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 3. März 2017))

 

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Die Nachricht wäre fast untergegangen: Ein überparteiliches Komitee möchte die Zuwanderung in die Schweiz stark einschränken und hat dazu eine eidgenössische Volksinitiative lanciert (Ausgabe vom 1. März). Überraschend ist: Weder die SVP noch ein grosser Verband stehen dahinter, sondern ein kleiner Verein namens «Visionswiss – für unsere Kinder». Und federführend ist ein Luzerner: Richard Koller aus Neudorf.

Zwar ist der 56-Jährige seit gut einem halben Jahr Parteisekretär der kantonalen SVP und Vizepräsident der Ortspartei Beromünster, doch die Volkspartei habe mit seiner Initiative nichts zu tun, so Koller, der in der Politszene noch ein unbeschriebenes Blatt ist. Er habe sich letztes Jahr nach der «undemokratischen» Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative (MEI) zu diesem Schritt entschlossen, sagt er. «Die Politiker in Bern haben versagt. Also wollte ich eine Lösung finden, die den Schweizer Arbeitnehmern nützt», so Koller, der als Informatiker und Unternehmensberater arbeitet. Als er mit Politikern Anfang Jahr über seine Idee zur Initiative gesprochen hatte, merkte er, dass niemand zu einer konkreten Reaktion bereit war, obwohl niemand glücklich mit der Umsetzung der MEI war.

Mit seiner Initiative «Zafi – Zuerst Arbeit für Inländer» möchte er die Zuwanderung dann einschränken, wenn die Erwerbslosenquote in der Schweiz gemäss der Internationalen Arbeitsorganisation auf über 3,5 Prozent steigt. 2016 lag diese durchschnittlich bei 4,6 Prozent. Sein Ziel: verhindern, dass billige Arbeitskräfte hiesigen Arbeitnehmern den Job wegnehmen, vor allem jenen der U25- und Ü50-Generation. «Die Menschen und ihre Schicksale stehen bei mir im Vordergrund», so Koller. «Aber ich bin auch ein absoluter Schweiz-Fan. Unsere Mentalität und unsere Werte sind einzigartig und gilt es zu wahren.»

Personenfreizügigkeit definitiv künden

Die Zafi habe zur MEI einen gewichtigen Unterschied, betont Richard Koller. Denn die Personenfreizügigkeit sei in der nun lancierten Initiative nicht verhandelbar. Das entsprechende Abkommen mit der EU müsste drei Monate nach einer allfälligen Zustimmung der Stimmbürger gekündigt werden, sofern es bis dahin nicht angepasst worden wäre – ohne Wenn und Aber. Somit laufe man nicht Gefahr, dass bei der Umsetzung der Zafi erneut ein «fauler Kompromiss» herauskomme, so Koller.

Diese Stossrichtung der Initiative erinnert stark an jene der Volkspartei. Ist es also taktisches Kalkül, dass Koller die Initiative nicht im Namen der SVP, sondern via Visionswiss und dessen Leitspruch «Für unsere Kinder» lanciert – quasi der Wolf im Schafspelz? «Nein», beteuert Koller: «Es geht mir nicht primär darum, die Zuwanderung zu beschränken, sondern, mich für die Arbeitsplätze unserer Bevölkerung einzusetzen. Jeder, der in der Schweiz gearbeitet hat oder zur Schule gegangen ist, soll bessere Chancen auf einen Job haben, bis zur Pension – auch hier lebende Gastarbeiter oder Secondos.»

Dass er eigenhändig eine Initiative lanciert hat, sei in den eigenen Reihen nicht nur auf positive Rückmeldungen gestossen, sagt der passionierte Kegler, der unter anderem ein Vollzeitstudium in Traditioneller Chinesischer Medizin abgeschlossen hat. «Ich habe den Orts- und Kantonspräsidenten der SVP am Vorabend, bevor ich mit der Initiative an die Öffentlichkeit ging, über mein Vorhaben informiert.» SVP-Ortspräsident Peter Walther sagt dazu: «Es überrascht mich nicht, dass Richard Koller eine Initiative lanciert hat. Er hatte schon immer grosse Visionen – und die nötige Power, sie durchzusetzen.»

Eine direkte Unterstützung der grössten Schweizer Partei oder anderer Parteien ist für das achtköpfige Initiativkomitee nicht von zentraler Bedeutung, so Richard Koller. Vielmehr sei man nun drauf und dran, auch über Parteien hinaus Unterstützung zu finden – von Verbänden, Vereinen oder Privatpersonen. «Ich möchte Kämpfer für unser Anliegen finden, die mit Herzblut und Überzeugung an die Sache gehen.» An welche Persönlichkeiten er dabei denkt, das möchte Koller nicht verraten. Ziel sei es aber, für jeden Kanton ein weiteres Komiteemitglied zu finden. Einen «Kämpfer» halt. Kollers Begriffswahl überrascht nicht, hatte sich der gebürtige Zürcher doch selber zu Jugendzeiten beim Grasshopper Club Zürich als Fussballer durchgeackert.

Budget soll eine halbe Million Franken betragen

Dass er sich seither ambitionierte Ziele setzt, erstaunt deshalb wenig. Etwa, für die Initiative ein Budget von rund einer halben Million Franken zusammenzubringen. Und auch das Vorhaben, innert 18 Monaten die notwendigen 100000 Unterschriften für die Volksinitiative zu sammeln, ist ambitioniert. Für die Unterstützung und Sammlung habe er sich nun für die kommenden Monate zum Ziel gesetzt, zwei bis drei Abende pro Woche in der ganzen Schweiz für «unsere Herzensangelegenheit» zu weibeln. Koller locker: «Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir es schaffen.»

Somit rückt sich Koller automatisch ins Rampenlicht – was ihm nichts ausmacht. Im Gegenteil, wie der Verheiratete und Stiefvater einer erwachsenen Tochter unverhohlen zugibt: «Ich möchte mich künftig stärker in der Politik engagieren, auf kommunaler oder kantonaler Ebene.»