INNENSTADT: Preis soll Vermieter belohnen

Fast nur noch Grosskonzerne können sich die Toplagen leisten. Es sei denn, der Hauseigentümer hat ein Herz für einheimisches Gewerbe. Solche Vermieter sollen nun geehrt werden.

Robert Knobel
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Die Hertensteinstrasse in der Luzerner Altstadt ist eines der teuersten Pflaster in der Stadt. (Bild Roger Grütter)

Die Hertensteinstrasse in der Luzerner Altstadt ist eines der teuersten Pflaster in der Stadt. (Bild Roger Grütter)

Robert Knobel

Das Bild ist inzwischen wohlvertraut: Im Grendel reiht sich Uhrengeschäft an Uhrengeschäft – eines edler als das andere. Die Hertensteinstrasse und die Weggisgasse sind derweil von Kleider- und Schuhgeschäften dominiert. Wer allerdings etwas anderes einkaufen will als teure Uhren oder neue Schuhe, der muss in der Luzerner Altstadt schon genauer hinschauen, um fündig zu werden. Noch gibt es zwar Apotheken, Bäckereien, einen Käseladen und Buchhandlungen. Doch die Branchenvielfalt ist in den letzten Jahren deutlich geschrumpft. Letztes Jahr mussten beispielsweise Musik Hug und der «Hirschen» schliessen. Ersetzt wurden sie durch ein Schmuckgeschäft bzw. Wohnungen. Der Hauptgrund für diese Entwicklung: Die Mieten in der Altstadt sind derart hoch, dass kleinere Familienbetriebe sie sich kaum mehr leisten können. Anstelle des Quartierladens um die Ecke zieht dann beispielsweise eine internationale Modekette ein, die Quadratmeterpreise von bis zu 6000 Franken pro Jahr problemlos berappen kann.

Im Mai steht der Preisträger fest

Für die Immobilienbesitzer ist die Luzerner Altstadt also eine wahre Goldgrube. Die Lagen an der Hertensteinstrasse, an der Weggisgasse und am Grendel sind derart begehrt, dass die Vermieter fast jeden Preis verlangen können. Sie können – aber nicht jeder tut es. Es gibt auch solche, die einem langjährigen Mieter den Vorzug geben, auch wenn sie mit einer internationalen Kette viel mehr Zins erhalten würden. Solche Hausbesitzer verdienen Respekt, findet Albert Schwarzenbach. Der CVP-Grossstadtrat und Altstadtbewohner hat deshalb die Idee eines Anerkennungspreises für vorbildliche Vermieter ins Leben gerufen (Ausgabe vom 20. Juli 2015). Nun wird das Projekt konkret: Schwarzenbach hat eine Arbeitsgruppe gegründet, der neben ihm folgende Personen angehören: Bruno Heini, Inhaber der Confiserie Heini, Susanna Hospenthal, Vizepräsidentin der City-Vereinigung, sowie Heinz Bossert, Geschäftsführer des Luzerner Detaillistenverbands. Die Arbeitsgruppe hat bereits mehrere Kandidaten im Visier, die das Prädikat «vorbildlicher Vermieter» verdienen würden. Am 17. Mai soll der Preisträger definitiv feststehen – und erst dann soll der Betreffende darüber informiert werden. Nimmt er den Preis an, wird er für ein Jahr einen Wanderpokal erhalten, der im Folgejahr an einen neuen Preisträger weitergegeben wird.

Die Kriterien für Preisträger sind klar definiert: Der Preis geht ausschliesslich an Liegenschaftsbesitzer an stark frequentierten Toplagen, die ihre Geschäftsräumlichkeiten fremdvermieten. Beim Mieter darf es sich nicht um eine nationale oder internationale Kette handeln, und er darf auch keine weitere Filiale in einem Shoppingcenter führen. Zudem soll der Mieter Artikel des täglichen Gebrauchs anbieten, oder zumindest ein Sortiment, das zu regelmässigen Besuchen führt.

Ein Pokal, aber kein Geld

Schwarzenbach hält fest, dass es sich um einen rein symbolischen Preis ohne Geldwert handle. «Es geht darum, Leute auszuzeichnen, die den Branchenmix fördern und dabei auch finanzielle Einbussen in Kauf nehmen.»

Zur Preisübergabe sollen jeweils möglichst viele Liegenschaftsbesitzer in der Innenstadt eingeladen werden – und dadurch zum Nachahmen animiert werden. «Die Identität der Innenstadt soll erhalten bleiben», so Schwarzenbach. «Vielleicht wird durch unsere Initiative der eine oder andere Vermieter wachgerüttelt.» Das Thema Branchenmix in der Altstadt ist auch bei den Stadtbehörden seit längerem auf dem Radar. So ist unter dem Namen «Forum Attraktive Innenstadt» ein Netzwerk zwischen der Stadt und verschiedenen Interessenvertretern der Innenstadt in Planung. Dieses Netzwerk soll sich für eine lebendige und vielfältige Einkaufsstadt einsetzen.

Ende 2015 fand zudem ein Treffen zwischen dem Stadtrat und den Liegenschaftsbesitzern in der Altstadt statt. Dabei hatten die Eigentümer erstmals Gelegenheit, sich zusammen mit der Stadt über ihre Bedürfnisse auszutauschen. Und was hält man bei der Stadt von Initiativen wie dem geplanten Vermieter-Preis? «Alles, was die Aufwertung der Innenstadt unterstützt, ist grundsätzlich positiv», sagt Peter Bucher, städtischer Wirtschaftsbeauftragter. Er betont aber gleichzeitig, dass der Preis ein rein privates Projekt ist, an dem sich die Stadt nicht direkt beteiligen werde.