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Ins Pflegeheim und schnell wieder weg: Kurzzeitgäste fordern Luzerner Alterszentren

Kurzzeitgäste überrumpeln die Alterssiedlung Root – und sind Mitgrund für eine negative Bilanz. Auch anderswo wird die Aufenthaltsdauer immer kürzer. Das macht die Planung höchst anspruchsvoll.
Simon Mathis
Zurück nach Hause: Das Pflegeheim ist nicht mehr zwingend die letzte Station für Senioren. (Bild: Chris Iseli/AZ)

Zurück nach Hause: Das Pflegeheim ist nicht mehr zwingend die letzte Station für Senioren. (Bild: Chris Iseli/AZ)

Die Alterssiedlung Root hatte kein einfaches Jahr; ein Defizit von rund 800'000 musste die Institution verbuchen, die Pflegebetten für das untere Rontal zur Verfügung stellt. Budgetiert war ein Minus von 350'000 Franken. Im Auftrag der Rontaler Stiftergemeinden wurde 2018 die Zahl Pflegebetten von 50 auf 72 erhöht. «Als wir vor sieben Jahren mit der Planung begannen, hatten wir eine Warteliste von 20 bis 30 Personen», erinnert sich Margrit Künzler (CVP), die zuständige Rooter Gemeinderätin. Mittlerweile sei diese Warteliste auf null Personen geschrumpft. Die Folge: Viele Betten bleiben leer. Dies auch wegen des Grundsatzes «ambulant vor stationär».

Erschwerend hinzu kommt ein unerwartet starker Anstieg von Kurzzeitaufenthalten. 2017 verzeichnete die Alterssiedlung 9 Eintritte und 8 Austritte, 2018 waren es plötzlich 37 Eintritte und 35 Austritte. «Das ist eine Entwicklung, die gesellschaftlich und politisch zu begrüssen ist», sagt Künzler. Denn sie zeige, dass den Pflegebedürftigen mehr Möglichkeiten als auch schon zur Verfügung stünden: «Früher hatte die Bevölkerung Angst, keinen Platz im Heim zu finden – deshalb bevorzugte man Langzeitaufenthalte. Heute ist diese Angst nicht mehr da. Denn Betten gibt es genug.» Für Heime hingegen sei die Situation eine grosse Herausforderung.

«Konstante Gratwanderung»

«Die Personalplanung ist anspruchsvoll bis unmöglich geworden», sagt Margrit Künzler. Manchmal müsse die Alterssiedlung innerhalb von wenigen Stunden ein Bett zur Verfügung stellen. Manchmal blieben die Betten aber auch länger leer. Um schnell reagieren zu können, muss man das Personal bereit haben. Aber das kostet. «Wir befinden uns konstant auf einer anspruchsvollen Gratwanderung», erläutert Künzler. Zudem sei der Initialaufwand bei einem Heimeintritt hoch: Man müsse die Bewohner mit ihren Bedürfnissen kennenlernen. Und der administrative Aufwand sei der gleiche wie bei einer Person, die für lange Zeit eintritt.

Um die Finanzierung künftig sicher zu stellen, wurden bereits operative Massnahmen ergriffen. Zurzeit lote man noch weitere Strategien aus. Künzler betont:

«Wir haben die neuen Betten nicht ins Blaue hinaus geplant.»

Sie ist überzeugt, dass die Zahl der Langzeitaufenthalte wieder zunehmen wird. Die demografische Entwicklung bis 2025 spreche dafür.

Der Trend hat gerade erst begonnen

Von einem Kurzaufenthalt spricht man dann, wenn jemand bereits vor dem Eintritt mitteilt, dass sie oder er sobald wie möglich wieder aus dem Heim will. Das kann zwei Gründe haben: Entweder will die Person nach einer Krankheit schnell wieder nach Hause oder sie sucht noch nach ihrem Wunschheim. Ein Kurzaufenthalt dauert höchstens drei Monate. Während dieser Zeit kann innert weniger Tage ein Austritt beantragt werden. Den finanziellen Mehraufwand decken Luzerner Institutionen mit Zuschlägen von durchschnittlich 25 bis 30 Franken pro Tag.

Was Kurzzeitaufenthalte für den Alltag eines Pflegeheims bedeuten, weiss kaum einer so gut wie Roger Wicki, Präsident des Pflegeheimverbandes Curaviva Luzern. Er ist Co-Geschäftsleiter des Seeblicks in Sursee. «Wahrscheinlich kennt kein Haus im Kanton so viele Kurzzeitaufenthalte wie wir», meint Wicki. «Jedenfalls gerechnet auf die Zahl unserer Betten.» In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Kurzzeitaufenthalte verdreifacht. Der Seeblick verzeichnete 2018 total 150 Austritte. 100 von ihnen erfolgten, weil die Bewohner wieder nach Hause gingen. 40 Austritte waren Todesfälle, wogegen 10 Personen in ein anderes Heim wechselten. Von diesen 150 waren 125 Kurzzeitgäste.

Eine enorme Fluktuation – der Seeblick hat nur 76 Betten. «Kantonal gesehen sind wir eine Ausnahmeerscheinung», erläutert Wicki. Dies deswegen, weil das Heim Tür an Tür zum Kantonsspital in Sursee steht; denn viele Kurzzeitgäste kommen direkt aus dem Spital. Wicki: «Und doch repräsentieren wir einen Trend, der den ganzen Kanton erfasst. Dabei stehen wir nicht am Ende des Prozesses, sondern erst am Anfang.»

Eigene Abteilung gegründet

Seit einigen Jahren gibt es im Seeblick eigens eine Abteilung für Kurzzeitaufenthalte. «Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht», sagt Wicki. «Denn ständige Wechsel im ganzen Heim bringen Unruhe ins Haus.» Man müsse bedenken, dass Kurzzeitgäste auch den Alltag von Langzeitgästen verändern:

«Mit einem Kurzzeitgast kann man logischerweise keinen langfristigen Draht aufbauen.»

Vom Personal fordert die Kurzzeit-Abteilung zudem andere Kompetenzen, sagt Wicki. Man sei mit einer Vielzahl von Krankheitsbildern konfrontiert und müsse flexibel reagieren können.

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