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INSELI: Bahnhof ohne Fahrplan

Wer ab Luzern mit dem Fernbus ins Ausland fährt, muss Geduld und starke Nerven mitbringen. Dafür locken tiefe Preise.
Simon Bordier
Beim Luzerner Inseli stehen Cars aus Osteuropa bereit. Viele Reisende besuchen dort ihre Familien. (Bild Nadia Schärli)

Beim Luzerner Inseli stehen Cars aus Osteuropa bereit. Viele Reisende besuchen dort ihre Familien. (Bild Nadia Schärli)

Simon Bordier

Im Sommer herrscht auf dem Carparkplatz beim Inseli in Luzern Hochbetrieb: Auf 32 Parkplätzen reihen sich die Cars aus Italien, Tschechien, Kroatien und anderen osteuropäischen Ländern, andere warten brummend auf der Durchfahrtsstrasse, bis ein Platz frei wird. Dazwischen bewegen sich Menschen mit schweren Koffern, offensichtlich auf der Suche nach dem richtigen Bus. Die Suche gestaltet sich nicht immer einfach, denn das Parkregime auf dem Inseli folgt keinem Fahrplan, sondern ähnelt vielmehr dem eines herkömmlichen Parkplatzes: Gegen eine Parkgebühr von 5 Franken (1 Stunde) bis 24 Franken (12 Stunden) können Cars jederzeit einen der 32 Plätze ansteuern. Nachts von 19 bis 7 Uhr ist das Parkieren gebührenfrei.

Die meisten Plätze werden durch Touristencars besetzt, die auf ihre amerikanischen, japanischen oder chinesischen Reisegruppen warten. Daneben gibt es Busse, die regelmässig zwischen Schweizer Städten und ausländischen Destinationen verkehren. Sie dürfen dies nur mit einer Bewilligung des Bundesamts für Verkehr tun. Die Bewilligung wird gewährt, sofern die Busverbindung nicht den Schienenverkehr und bereits bestehende Angebote wesentlich gefährdet. Wenn auf einer Linie erst ein einziges Busangebot besteht, wird die Konkurrenz zugelassen. So fahren bei einem Augenschein am Dienstagabend denn auch mindestens drei Carunternehmen vom Luzerner Inseli nach Kroatien.

Mehr Gepäck als mit Zug und Flieger

Andrist Božica (46) aus Rotkreuz lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. «Ich fahre seit 25 Jahren mit dem Car nach Kroatien», sagt sie, während ihr Lebenspartner Greco Franco (64) nach dem Bus Ausschau hält. Sie lebe und arbeite in der Schweiz, besuche aber regelmässig ihre Verwandten und Freunde in ihrer alten Heimat Osijek, der viertgrössten Stadt im Osten Kroatiens. «Der Car ist günstig, und man kann mehr Gepäck mitnehmen als im Zug oder im Flugzeug», meint sie zu den Vorteilen. Die lange, fast sechzehnstündige Reise mache ihre nichts aus. «Daran habe ich mich gewöhnt.» Sie fährt mit einem grossen kroatischen Busunternehmen. «Die Preise sind in den letzten Jahren stark gefallen», meint sie. Früher habe sie für ein Retour-Ticket gegen 200 Franken bezahlt, dieses Jahr koste ein Ticket noch 80 Franken. Sie buche direkt via Internet, so Božica.

Weniger begeistert von Carfahrten zeigt sich ihr Lebenspartner Greco Franco, der vor drei Jahren seine italienischen Verwandten in Salerno im Süden des Landes per Car besucht hat – notgedrungen. «Nach einer Hüftoperation konnte ich nicht Auto fahren», erklärt er. 20 Stunden habe die Fahrt gedauert. «Der Car hat etwa 30 Zwischenstopps eingelegt, wodurch sich die Fahrt extrem in die Länge zog.» Die Strapazen werde er kein zweites Mal auf sich nehmen, betont er.

Unschlagbar günstig

Auch Ramona Sikiric (19) aus Oftringen AG nimmt nur dann den Fernbus, wenn es nicht anders geht. «Normalerweise fährt die ganze Familie im Auto nach Kroatien, nun ist aber unser Vater bereits vorausgefahren», erklärt Sikiric, die auf die Koffer auf dem Trottoir der Inseli­strasse aufpasst, während ihre Schwester und deren Freund nach dem Car schauen. Auch sie findet: «Der Car ist unschlagbar günstig, und man kann viel Gepäck mitnehmen.» 80 Franken habe sie für das Retour-Ticket nach Požega, eine Stadt im Osten Kroations, bezahlt, wo sie ihre Verwandten besuche. «Die Carfahrt dauert lange, aber man steht sie durch», meint sie gut gelaunt.

Stefan Romic (34) aus Luzern fährt rund zehnmal im Jahr an die kroatische Küste nach Rieka. «Ich habe dort ein eigenes Haus», sagt er. Den Car nehme er nur in Ausnahmefällen, das heisst, wenn er alleine reise: «Ab zwei Personen und mehr lohnt es sich, das eigene Auto zu nehmen.» Je nach Saison und Buchungszeitpunkt zahle man in einem Schweizer Reisebüro auch mal bis zu 250 Franken für ein Retour-Ticket. Das Auto sei günstiger und zudem viel angenehmer, betont Romic: «Im Sommer ist der Car praktisch immer voll besetzt; entsprechend sind die Platzverhältnisse eng.» Unter den Passagieren gebe es auch Touristen, doch viele besuchten wie er ihre Verwandten und Freunde. Für ihn bedeute die Fahrt an die kroatische Küste beides: Aufbruch in die Ferien und Rückkehr in die alte Heimat.

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