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INSELI-INITIATIVE: Wird «heile Määs-Welt» durch ein grünes Inseli zerstört?

Bürgerliche Politiker befürchten, dass der Lunapark einem grünen Inseli weichen muss. Stadt und Initianten beschwichtigen – ohne jedoch eine konkrete Lösung zu präsentieren.
Hugo Bischof
Farbenflash an der Määs 2016. (Bild: Leser Roland Bucheli)

Farbenflash an der Määs 2016. (Bild: Leser Roland Bucheli)

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

«Der Carparkplatz Inseli-Quai soll aufgehoben und die dortige Grünfläche erweitert werden.» Das fordert die Inseli-Initiative der Juso Stadt Luzern, über die am 24. September abgestimmt wird. Der Abstimmungskampf ist in vollem Gang. Gestern präsentierte ein Nein-Komitee, bestehend aus Vertretern von SVP, FDP, CVP sowie Wirtschaft und Tourismus, seine Argumente.

Die Aufhebung der Inseli-Carparkplätze würde vorab die (touristische) Erreichbarkeit Luzerns drastisch verschlechtern: Dies ist einer der Hauptkritikpunkte der Gegner. Ein weiterer betrifft die Luzerner Herbstmesse «Määs». Diese würde bei einer Annahme der Initiative künftig verunmöglicht, so die Gegner.

Tragfähiger Untergrund für tonnenschwere Bahnen

Vor allem der Lunapark mit seinen Fahrgeschäften und Vergnügungsständen hätte bei einer Erweiterung der Grünfläche auf dem Inseli keinen Platz mehr – so die Befürchtung der Initiative-Gegner. «Die Juso will mit ihrer Initiative unsere heile ­Määs-Welt zerstören», sagte gestern der Luzerner Metzgermeister und langjährige Määs-Teilnehmer Urs Doggwiler.

Das Problem ist, dass die zum Teil bis zu 135 Tonnen schweren Chilbi-Bahnen einen tragfähigen Untergrund brauchen, ein Grasboden reicht nicht aus. Auch eine Verlegung des Lunaparks auf den Europaplatz und den Bahnhofplatz ist wegen des darunter liegenden Parkhauses keine Option. Das Gelände dort ist nur für leichtere Bahnen geeignet. Den Lunapark an einen anderen Standort zu verlegen, etwa auf den Schotterplatz Alpenquai – auch das wäre für die Gegner der Initiative keine Lösung. SVP-Grossstadtrat Peter With: «Eine Trennung von Lunapark und Warenmarkt wäre der Todesstoss für die Määs.»

Will die Juso zum Totengräber der Määs werden? «Nein», sagt Juso-Sprecher Yannick Gauch. «Auch für uns ist klar: Die Määs muss bleiben.» Nur wie? Die Juso-Initiative sei bewusst in Form einer Anregung gehalten, betont Gauch: «Die definitive Ausgestaltung des Inseli lassen wir offen. Der Stadtrat hat bei der künftigen Ausgestaltung also viel Spielraum.»

With zitiert aus einem Bericht des Stadtrats, wonach den Ansprüchen des Lunaparks «durch eine Verdichtung bestehender Standorte» oder «durch eine (teilweise) Verschiebung auf benachbarte Standorte» Rechnung getragen werden könne. Auch von einer «entsprechenden Gestaltung des Inseli» ist dabei die Rede, etwa durch einen «tragfähigen Schotterplatz». «Es wird möglich sein, den Untergrund so zu gestalten, dass er tragfähig ist», bestätigte Christoph Bättig, Stabschef der Direktion Umwelt, Verkehr und Sicherheit, auf Anfrage. Dass eine Schotterfläche schweres Chilbi-Gerät tragen kann, beweist der Schotterplatz Allmend, wo jährlich die Luga mit ihrem Lunapark stattfindet.

Juso ist offen für Schotterplatz

«Es darf bezweifelt werden, dass ein Schotterplatz der Forderung nach einer Erweiterung der bestehenden Grünfläche entsprechen würde», sagt dazu Peter With. Vielmehr sei zu erwarten, dass nach Annahme der Initiative auf der Extremforderung «Erweiterung Grünraum» beharrt werde – ähnlich wie bei der Bahnhofstrasse. Auch dort habe man bei der «aus den gleichen Kreisen stammenden» Initiative nach anfänglicher Offenheit auf der Maximalforderung bestanden.

Bei der Juso zeigt man sich überraschend offen zum Vorschlag eines Schotterplatzes beim Inseli nach einer Annahme der Initiative. «Es gibt viele Möglichkeiten zwischen einer Wiese und einem reinen Betonplatz», sagt Yannick Gauch. Vorstellbar sei etwa eine Unterlage wie beim Helvetiaplatz in der Luzerner Neustadt. «Eine solche Platzgestaltung könnte auch beim Inseli attraktiv sein», sagt Gauch: «Man könnte dort Tische und Bänke aufstellen, die man während der Määs entfernen könnte.»

«Musterbeispiel des urbanen Miteinanders»

Für den Tourismus und die Schifffahrtsgesellschaft seien die 26 Carparkplätze beim Inseli unverzichtbar, sagte SGV-Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter. Ferdinand Zehnder, Präsident der Luzern Tourismus AG, fügte hinzu: «Eine Verschlechterung des Angebots von Anhalte- und Parkierungsmöglichkeiten in Zentrumsnähe schwächt uns unmittelbar».

Mit einem Ja zur Initiative würde «ein heute bestens funktionierendes Inseli und Musterbeispiel des urbanen Miteinanders ohne verlässliche Alternative für partielle Interessen geopfert», sagte André Bachmann, Präsident der City-Vereinigung. Auch Andrea Gmür, Nationalrätin und Präsidentin der städtischen CVP, sowie FDP-Vizepräsident Maurus Zeier sprachen sich klar gegen die Juso-Initiative aus. Gmür: «Die Befürworter wollen Veränderungen vollziehen, bevor brauchbare Lösungsansätze für die entstehenden Probleme auf dem Tisch liegen.»

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