INTEGRATION: Arbeit für Flüchtlinge: Zu viele Anlaufstellen?

Wenn Firmen Flüchtlinge beschäftigen, gibt es für die Chefs einige Hürden. Die Regierung klärt auf, welche Anlaufstelle wann zuständig ist. SVP-Fraktionschef Guido Müller plädiert für eine einfachere Lösung.

Alexander von Däniken
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Asylbewerber sollen vereinfacht an Jobs kommen. Symbolbild: Diese Shell Tankstelle in Cham beschäftigt Asylbewerber. (Bild: Werner Schelbert (Cham, 16. Dezember 2016))

Asylbewerber sollen vereinfacht an Jobs kommen. Symbolbild: Diese Shell Tankstelle in Cham beschäftigt Asylbewerber. (Bild: Werner Schelbert (Cham, 16. Dezember 2016))

Die Forderung der Politik ist klar: Möglichst viele vorläufig Aufgenommene und Flüchtlinge sollen arbeiten. Das fördert die Integration und entlastet die Sozialversicherungen. Doch bei der Umsetzung harzt es. Ende März gingen im Kanton Luzern gerade einmal 29,8 Prozent der erwerbsfähigen anerkannten Flüchtlinge einer Arbeit nach, bei den vorläufig Aufgenommenen waren es 33,8 Prozent, wie die aktuellsten Zahlen des Bundes zeigen.

Ein Problem ist, dass nicht alle erwerbsfähigen Migranten die von der Wirtschaft geforderten Fähigkeiten mitbringen, zum Beispiel genügende Deutschkenntnisse. Ein anderes Problem: Wollen Firmen einen Flüchtling beschäftigen, müssen sie dafür einen Behördenmarathon absolvieren. So wie im Fall des Autospritzwerks von Daniel Amrein in Adligenswil und dem syrischen Flüchtling Noor Deeb (Ausgabe vom 19. November 2016).

Hürden nur etwas tiefer

Schon im Mai 2016 hat FDP-Kantonsrat Jim Wolanin (Neuenkirch) mit einem Postulat den Regierungsrat aufgefordert, Massnahmen zu prüfen, welche Arbeitgebern die Anstellung von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen erleichtern. Dem kam die Regierung teilweise nach. Aber noch immer sind die Hürden zu zahlreich und zu hoch. Das veranlasste SVP-Fraktionschef Guido Müller (Ebikon) zu einer Anfrage (Ausgabe vom 19. Dezember). Er wollte unter anderem wissen, welche Behörde wann zuständig ist. Der Regierungsrat klärt nun in einer umfangreichen Antwort auf:

18- bis 21-jährige Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene werden in der Regel über Integrationsbrückenangebote (IBA) und Brückenangebote an die berufliche Grundbildung herangeführt. Die Triage stellt die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung des Kantons sicher. Bei den IBA gibt es derzeit 105 Lernende, auf das Schuljahr 2018/19 werden 260 Lernende erwartet. Wer die Sprache noch ungenügend beherrscht (Niveau A2), besucht zuvor das Angebot Sprachförderung & Jobtraining der Caritas Luzern. Dieses Angebot wird von der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen abgegolten.

Über 21-Jährige werden an das Schweizer Arbeiterhilfswerk (SAH) Zentralschweiz vermittelt, mit dem der Kanton einen Leistungsauftrag abgeschlossen hat. Das SAH führt gemäss dem Regierungsrat derzeit 1000 Dossiers. Die Flüchtlinge werden vom SAH in Praktika und Lehrgängen wie «Perspektive Bau» untergebracht. Die Leistungen im Rahmen des SAH-Vertrags kosten den Kanton zwischen 1,2 und 1,7 Millionen Franken pro Jahr.

Für die Arbeitsbewilligung von Asylsuchenden (noch kein Asylentscheid), vorläufig Aufgenommenen und Flüchtlingen ist das Amt für Migration des Kantons zuständig. Es prüft die Arbeits- und Lohnbedingungen. Schliesslich hat der Regierungsrat die «Steuergruppe Einbezug Wirtschaft» installiert. Kanton, Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ, Gewerbeverband und Gewerkschaften sollen Arbeits- und Praktikumsplätze für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene suchen und Unternehmen sensibilisieren.

Anlaufstelle beim Gewerbeverband gefordert

Das Fazit von Guido Müller fällt ernüchternd aus: «Die Antwort des Regierungsrats zeigt gut auf, wie ein Problem eine grosse Armada an Staatsstellen beschäftigt, aber das Anliegen nicht gelöst wird. Viele Köche verderben den Brei.» Der Ertrag sei bisher sehr bescheiden, wie die Zahlen des Bundes zeigen würden. Das habe auch damit zu tun, dass das Gewerbe zu wenig involviert worden sei. «Dabei wäre es für die Firmen – worunter auch viele kleine Betriebe sind – am besten, wenn sie sich an eine Anlaufstelle wenden können. Am besten beim Gewerbeverband, der ja auch über Mitglieder verfügt, die ihren Beitrag leisten möchten.»

Exemplarisch für das Zuständigkeitsproblem schreibt die Regierung auch, dass es keine systematische Bewirtschaftung von Datenbanken mit Firmenkontakten gibt. Darum gelangen die Behörden und Institutionen über folgende Wege zu den Firmen: etwa mit einem Flyer, den die IHZ und der Gewerbeverband verteilen, durch das SAH und dessen Kontakte, durch die Gemeinden und diverse weitere Kanäle.

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@ luzernerzeitung.ch