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INTEGRATIONSVORLEHRE: Vorlehre für Flüchtlinge: Luzern hilft anderen Zentralschweizer Kantonen

Bis zu 1000 Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene sollen im kommenden Schuljahr eine Integrationsvorlehre beginnen. Für die Zentralschweizer Kantone könnte das Probleme geben. Doch Luzern eilt zu Hilfe.
Kilian Küttel
Nicht nur Deutsch steht auf dem Stundenplan, sondern auch Praktika. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Nicht nur Deutsch steht auf dem Stundenplan, sondern auch Praktika. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Die Rechnung ist einfach: Je mehr Leute eine Arbeit haben, desto weniger sind von Sozialhilfe abhängig, umso mehr sparen die Gemeinden. Um die Arbeitslosigkeit im Migrationsbereich zu bekämpfen, ruft der Bund ein neues Projekt ins Leben: Ab Sommer 2018 sollen schweizweit 800 bis 1000 vorläufig Aufgenommene und Flüchtlinge sogenannte Integrationsvorlehren beginnen. In einer einjährigen Ausbildung werden sie auf das Berufsleben in der Schweiz vorbereitet. Sie lernen Arbeitsabläufe kennen, machen praktische Übungen und verbessern ihre Deutschkenntnisse (wir berichteten).

Der Bund hat das Programm geplant, die Umsetzung ist Sache der Kantone. Bis Mitte September mussten diese ihre Projekte beim Staatssekretariat für Migration (SEM) einreichen. Pro Ausbildungsplatz und Jahr erhalten die Kantone 13'000 Franken. Dafür macht der Bund den Empfängern Vorschriften: So müssen die Teilnehmer mindestens acht Wochen praktische Arbeitseinsätze leisten. Zudem verpflichtet der Bundesrat die Stände, berufsspezifische Klassen zu führen. Heisst: Alle Migranten, die Maler werden wollen, kommen in eine Malerklasse. Will ein Flüchtling Koch werden, sitzt er mit Gleichgesinnten in einer speziellen Gastroklasse.

In kleinen Kantonen fehlen Berufsverbände

Die Initiative des Bundes kommt in der Zentralschweiz grundsätzlich gut an. Ein Punkt sorgt aber für Kritik: «Für die kleinen Kantone wird es nicht möglich sein, berufsreine Klassen zu führen», sagt Pius Felder vom Amt für Berufsbildung des Kantons Nidwalden. Er rechnet vor: Betrachte man die prozentuale Verteilung, würden die Kantone Ob- und Nidwalden etwa fünf bis sechs Personen für eine Integrationsvorlehre aufbieten können. «So kleine Klassen können wir schlicht nicht führen – vor allem, wenn sich die Berufswünsche unterscheiden», so Felder.

Doch damit nicht genug. Geht es nach dem Bund, sollen die Ausbildung an der Front Berufs- und Branchenverbände übernehmen (siehe Kasten). Diese haben das Wissen und die Möglichkeiten, eine fundierte Schulung anzubieten. Nur: «Bei uns in Nidwalden haben wir praktisch keine kantonalen Berufsverbände mehr. Diese sind meist zentralschweizerisch geregelt», erklärt Felder. Nicht nur Nidwalden ist unzufrieden. Oscar Seger, der Leiter des Schwyzer Berufsbildungsamtes, sagt dazu: «Wir könnten die Vorgaben des SEM nicht einhalten.» Eine Nachfrage bei den anderen Zentralschweizer Ämtern zeigt: Alle kleinen Kantone haben Mühe mit dem Ruf nach branchenspezifischen Klassen.

Aber es zeichnet sich eine Lösung ab: Der Kanton Luzern hat Ende September ein Projekt eingereicht, von dem auch die anderen Zentralschweizer Kantone profitieren können. Die Idee: Migranten aus den umliegenden Kantonen können einen Teil der Ausbildung in Luzern absolvieren. So nutzt man Synergien und bündelt Energien. Die detaillierte Umsetzung des Projekts steht noch aus. Der Ball liegt beim SEM. Sobald dieses grünes Licht gibt, starten Kantone und Berufsverbände mit der Koordination der Umsetzung. Auf Anfrage sagt Bettina ­Beglinger vom Beratungs- und Informationszentrum für Beruf und Bildung: «Wir waren in den letzten Wochen in intensivem Kontakt mit den Vertretern sechs verschiedener Branchen. Wir konnten gemeinsam die Kompetenzenprofile bestimmen und festlegen, welche Inhalte vermittelt werden.»

Schwyz und Zug beantragen selber Gelder

Wie viele Personen an der Inte­grationsvorlehre teilnehmen, wird sich zeigen. Klar ist, wo unterrichtet wird: in den Berufsschulen oder an jenen Standorten, in denen die Kurse für Lehrlinge durchgeführt werden.

Das landesweite Projekt läuft über vier Jahre, der Bund finanziert es mit 54 Millionen Franken. Ab 2018 fliessen die ersten Mittel. Insgesamt haben 19 Kantone beim SEM einen Vorschlag deponiert. Interessant: Vier Kantone stellten den Antrag auf Finanzierung für Projekte, welche ­bereits angelaufen sind. Welche Kantone das sind, will das SEM nicht sagen. Recherchen unserer Zeitung zeigen aber: Zug und Schwyz gehören dazu. Ersterer will sich zu seinem Gesuch nicht konkret äussern. «Wir wollen zuerst den Entscheid des Bundes abwarten, bevor wir weiteres mitteilen. Dies dürfte Ende November passieren», sagt Cornelia Bänninger, Kommunikationsverantwortliche des Zuger Bildungsamtes.

Offener kommuniziert der Kanton Schwyz. Sein Antrag geht um das Integrationsbrückenangebot. Seit 2012 versucht Schwyz mit diesem Programm, Personen mit Migrationshintergrund den Weg ins Berufsleben zu ermöglichen. Stellt sich die Frage, ob der Bund Mittel überweisen wird, obwohl Schwyz auch Personen dem Luzerner Projekt zuweisen könnte. Oscar Seger beantwortet diese Frage zurückhaltend: «Ich glaube, die Chancen auf eine Zahlung sind nicht wirklich hoch. Aber wir bieten dieses Programm schon seit Jahren an – und hoffen deshalb, dass sich der Bund beteiligt.»

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