Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

INTERVIEW: Konrad Graber: «Ich fühle mich unabhängig»

Neben seinem Amt als Ständerat führt Konrad Graber (57) viele weitere Mandate. Wie seriös und eigenständig kann er in Bern politisieren? Jetzt nimmt der CVP-Mann Stellung.
Interview Flurina Valsecchi
CVP-Ständerat Konrad Graber in seinem Büro in Luzern – als OL-Läufer mit Karte und Kompass in der Hand. (Bild Roger Grütter)

CVP-Ständerat Konrad Graber in seinem Büro in Luzern – als OL-Läufer mit Karte und Kompass in der Hand. (Bild Roger Grütter)

Interview von Flurina Valsecchi

Konrad Graber, Sie haben es gut! Sie sitzen als einziger bisheriger Kandidat im sichersten Sattel.

Konrad Graber: Das ist Ihre Beurteilung. Ich bin bestimmt zuversichtlich, in den letzten acht Jahren habe ich in Bern etwas erreicht. Trotzdem kann ich mich jetzt im Wahlkampf nicht zurücklehnen. Ich habe meinen Sitz nicht auf sicher.

Wenn Sie es nicht gleich im ersten Wahlgang schaffen, wären Sie bestimmt enttäuscht.

Graber: Nein, ich rechne auch für mich mit einem zweiten Wahlgang. Die Stimmen werden im ersten Wahlgang auf viele Kandidaten aufgeteilt, und das absolute Mehr ist in Luzern sehr hoch.

Falls Sie wiedergewählt werden: Wie lange machen Sie noch weiter?

Graber: An einer Wahlveranstaltung sagte ich kürzlich: «Wenn ich 65-jährig bin, dann feiere ich Halbzeit.» (lacht)

Das tönt fast wie ein Sesselkleber ...

Graber: ... nein, nein, Spass beiseite, ich will damit nur sagen, es gefällt mir so gut, dass ich jetzt nicht ans Aufhören denke. Ich möchte vier weitere Jahre nach Bern, und dann schauen wir weiter.

Was haben Sie in Bern erreicht?

Graber: Es gibt keinen einzelnen grossen Erfolg. In Bern muss man auch über ganz kleine Dinge, die man bewegen kann, glücklich sein. Im Projekt zur zukünftigen Finanzierung des öffentlichen Verkehrs (Fabi) etwa ist es nur schon ein Erfolg, dass Georges Theiler und ich eine gute Ausgangslage für den Durchgangsbahnhof Luzern schaffen konnten. Trotzdem sind wir von der Realisierung noch weit entfernt. Als das Bundesgericht den Standort Luzern aufgeben wollte, haben wir erfolgreich interveniert. Aber auch da ist die Sache noch nicht definitiv. In der Politik ist es eben wie im Orientierungslauf.

Sie sprechen Ihr grosses Hobby an. Welche Parallelen gibt es?

Graber: Nicht immer ist der direkteste Weg der schnellste. Wenn man etwa einen Bach überqueren muss, dann überlegt man sich, ob man direkt durchs kalte Wasser geht und nachher nasse Füsse hat oder ob man sich irgendwo eine kleine Brücke sucht.

Sie sind Ständerat, Verwaltungsratspräsident der Emmi, und bei der CSS sitzen Sie im Verwaltungsrat. Die Liste Ihrer Ämter ist noch viel länger. Wie viele Stunden hat Ihr Tag?

Graber: Mein Tag hat gleich viele Stunden wie Ihrer. Mein Pensum für den Ständerat sieht so aus: die Hälfte der Arbeitstage, die Hälfte der Wochenenden und die Hälfte der Abende. Anfangs Legislatur erhalte ich eine Terminliste für die Kommissionssitzungen und Sessionen. Es kommt mir manchmal vor, als würden wir auf einem Fliessband sitzen. Man wird eingeteilt, alles ist perfekt organisiert, selbst die Akten bekomme ich ungefragt zum Studium zugeschickt.

Fliessband? Das erinnert mich eher an «ausgeliefert sein».

Graber: Ein Stück weit ist das richtig, aber der Parlamentsbetrieb würde im Chaos enden, würde jeder nach Lust und Laune arbeiten. Diese Organisation hat den Vorteil, dass ich meine anderen Mandate vorausplanen und deshalb auch gut miteinander vereinbaren kann.

Können Sie all Ihre Ämter überhaupt seriös ausführen?

Graber: Ja. Wenn dem nicht so wäre, dürfte ich es nicht machen. In Spitzenphasen kann ich andere weniger dringende Arbeiten etwas zurückzustellen. Zudem habe ich die operative Führung in der Treuhandgesellschaft BDO und auch das Mandat als Verwaltungsratspräsident der VBL abgegeben. Aber es ist so: Die Spontaneität leidet. Wenn jemand mit mir zu Mittag essen will, dann ist das nicht einfach so sofort möglich. Diese Freiheit vermisse ich.

Der Milchverarbeiter Emmi und die Krankenkasse CSS haben klare politische Interessen. Da können Sie kaum mehr unabhängig politisieren?

Graber: Alle Parlamentarier müssen einen Eid ablegen, dass wir fürs Land schauen. Und wenn man zu einem Thema spricht, wo eigene Interessen dahinterstecken, muss man das deklarieren. In Bern wird aber das Know-how, das man aus dem Berufsleben mitbringt, sehr geschätzt. Nicht goutiert wird, wenn man Eigeninteressen verfolgen würde.

Sie haben so viele Kontakte in Bern, da können Sie ja indirekt lobbyieren.

Graber: Ich fühle mich sehr unabhängig. Die erwähnten Mandate hatte ich schon vor meiner Wahl in den Ständerat. Man hat mich als Wirtschaftsprüfer engagiert und nicht wegen meiner späteren Berner Kontakte. Zudem wird oft vergessen, dass es in der Politik selten Schwarz oder Weiss gibt. Am Schluss muss jeder und jede Kompromisse eingehen.

Als Ständerat verdienen Sie rund 100 000 Franken, bei Emmi erhalten Sie gut 200 000 Franken. Stichwort Transparenz: Wie viel Honorar bringen Ihnen Ihre Mandate ein?

Graber: Sämtliche Honorare gehen seit jeher an meinen Arbeitgeber BDO, von dem ich ein Gehalt in der Höhe eines Geschäftsleitungsmitgliedes erhalte. Im Gegenzug werden mir die Infrastruktur und die für die Ausübung dieser Mandate erforderliche Zeit zur Verfügung gestellt.

Zur 2. Gotthardröhre: Sie kämpfen an vorderster Front gegen das Bauprojekt und somit gegen die eigene Bundesrätin, Doris Leuthard, und gegen die eigene Partei. Das hat mächtig Ärger gegeben.

Graber: Hinter den Kulissen tönt die Kritik meistens weniger dramatisch. Mit Doris Leuthard habe ich ein gutes Einvernehmen, auch wenn wir uns in diesem Punkt nicht einig sind. Die Parolenfassung der CVP erfolgt erst noch Ende November. Ich suche die Konfrontation nicht, aber ich traue, zu meiner Meinung zu stehen. Das wird in unserer Partei akzeptiert.

Sie machen sich als möglicher CVP-Bundesrat unmöglich.

Graber: Wer nur mit Ambitionen für ein anderes Amt politisiert, ist unglaubwürdig. Ich halte es wie Alphons Egli, der ehemalige Luzerner CVP-Bundesrat sass viele Jahre im Ständerat. Als er mir zu meiner Wahl gratulierte, schrieb er: «Der Ständerat ist das schönste Amt, das die Schweizerische Eidgenossenschaft vergeben kann.» Das sehe ich genauso.

Zum Schluss: Wie gefällt Ihnen eigentlich die neue Nationalhymne?

Graber: (lacht) Es ist ja schön, wenn solche Projekte lanciert werden. Aber wir haben doch auch noch andere Sorgen in unserem Land! Ich finde den vielleicht etwas veralteten Text gar nicht so schlecht, das Stichwort «Alpenglühn» zumindest kann ich mit einem gewissen Heimatgefühl und Bergerlebnissen verbinden. Ist die neue Formulierung «Weisses Kreuz auf rotem Grund» denn wirklich so viel besser?

Viel Lob von links und rechts

David Roth, SP-Präsident: «Konrad Graber ist ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, erfahrene und gut vernetzte Ständeräte nach Bern zu schicken. Ich schätze seine ruhige Art und das Engagement gegen eine zweite Gotthardröhre. Er ist in der Lage, zwischen politischen Lagern Brücken zu bauen. Trotzdem konnte er wenig für den Kanton Luzern herausholen, weil ihm bislang ein Pendant auf der linken Seite fehlt.»

Franz Grüter, SVP-Präsident: «Konrad Graber ist ein schlauer Fuchs und ein stiller Schaffer. Er kann sich aber auch sehr gut darstellen, wenn hinter den Kulissen Kompromisse ausgehandelt werden müssen. Sach-und Dossier-Kenntnisse sind die schärfsten Waffen dieses umgänglichen und stets freundlichen Mannes. Unverständlich bleibt seine ablehnende Haltung zur zweiten Röhre am Gotthard.»

Von Emmi bis CSS

Zur Person

Seit 8 Jahren ist Konrad Graber (57) CVP-Ständerat. Zuvor sass der eidgenössische Wirtschaftsprüfer 20 Jahre im Luzerner Kantonsrat. Er ist Verwaltungsratspräsident der Emmi, Mitglied im Verwaltungsrat der Krankenkasse CSS und der Treuhandgesellschaft BDO AG in Luzern. Weitere Mandate: Forum Gesundheit Schweiz, Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz, Informationsdienst für den öffentlichen Verkehr (Litra). Er ist verheiratet und wohnt in Kriens.

Wahlen: Vergleichen Sie Ihr Profil mit demjenigen von Konrad Graber auf www.luzernerzeitung.ch/wahlhilfe

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.