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INTERVIEW: Leserreporterin: «Ich suche nicht – die Motive springen mich an»

Margrith Imhof-Röthlin (66) ist Hobbyfotografin und schickt regelmässig Bilder an unsere Redaktion. Wir haben die talentierte Meggerin besucht, als sie gerade mal kurz zu Hause war.
Roger Rüegger
Für einmal selber im Fokus: Die Meggerin Margrith Imhof-Röthlin intensivierte vor fünf Jahren ihr Hobby – und hat seither ihre Kamera fast immer dabei. (Bild: Nadia Schärli (Meggen, 15. November 2017))

Für einmal selber im Fokus: Die Meggerin Margrith Imhof-Röthlin intensivierte vor fünf Jahren ihr Hobby – und hat seither ihre Kamera fast immer dabei. (Bild: Nadia Schärli (Meggen, 15. November 2017))

Margrith Imhof-Röthlin, Ihre Bilder sind – wie die von einigen anderen Leserinnen und Lesern auch – für unsere Redak­tion ein sicherer Wert. Fotografieren Sie jeden Tag?

Fast. Ich bewege mich gerne und bin daher täglich auf den Beinen. Ich habe immer eine Kamera im Rucksack dabei, und die benutze ich natürlich auch.

Benutzen Sie eine Topaus­rüstung mit Blitzgerät und verschiedenen Objektiven?

Nein, nichts Spezielles. Ich besitze eine Nikon mit einem 235er- Zoom und eine mit einem 55er. Ohne zusätzliches Blitzgerät.

Wie suchen Sie die Sujets aus?

Das werde ich oft gefragt. Meine Antwort ist immer dieselbe: Die Motive springen mich an. Wenn das Licht dann noch stimmt, nehme ich sofort meine Kamera hervor.

Was heisst: Die Motive springen Sie an?

Ich habe diese spezielle Gabe, dass ich, ohne zu suchen, oft vierblättrige Kleeblätter finde. Neun waren es allein in diesem Jahr. Wenn ich sie suchen würde, fände ich bestimmt keine. Vermutlich habe ich diesen Blick auch bei den Sujets für meine Bilder.

Ist es so einfach? Ihre Bilder ergänzen Sie immer mit einigen Gedanken. Es scheint, als gingen Sie gezielt mit einer Vorstellung und einer Geschichte an Ihre Sujets heran.

Während ich ein Foto mache, bin ich tatsächlich schon beim Texten. Ich überlege mir immer genau, was ich zu einem Bild schreiben soll. Einmal erwachte ich mitten in der Nacht, weil ich ein Foto, das ich als Leserbild auf luzernerzeitung.ch hochgeladen hatte, falsch beschriftet hatte. Ich schrieb von einer blauen Bucht in Malta. Diese heisst jedoch blaue Grotte. Mich als Perfektionistin ärgert es immer sehr, wenn mir solche Fehler passieren. Ich habe deshalb auch schon bei der Zeitung angerufen und darum gebeten, eine Korrektur bei einer Bildbeschriftung vorzunehmen.

Wieso legen Sie darauf so grossen Wert?

Ich finde es wichtig, dass man den Bildern etwas Gedankliches mitgibt. Wenn ich einen Vogel oder eine Blume fotografiere, will ich doch wissen, was für ein Exemplar ich da festgehalten habe. Ich recherchiere viel im Internet und lerne gleichzeitig auch etwas dabei. Oft benutze ich aber auch Zitate und Lebensweisheiten von Dichtern und Lyrikern, etwa von Monika Minder.

Das ist eine professionelle Einstellung. Apropos, mit welcher Einstellung am Apparat fotografieren Sie?

Meistens mit dem Automatikprogramm. Wobei ich bei meinen Kameras auch die manuelle Einstellung beherrsche.

Unsere eigenen Fotografen nehmen sich für ihre Arbeit Zeit, versuchen etwa, das Sujet immer aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Wie oft drücken Sie ab, bis Sie mit dem Resultat zufrieden sind?

Es braucht für ein schönes Bild etwas Geduld. Und auch dann ist es noch nicht garantiert, dass die Momentaufnahme, die mir in der Natur so speziell erschien, auch auf dem Bildschirm toll aussieht.

Wann haben Sie mit der Fotografie begonnen?

Schon als Teenager. Mit 16 kaufte ich meine erste Kamera. Intensiv mit der Fotografie begann ich aber erst, nachdem mein Mann vor fünf Jahren gestorben war.

Haben Sie sich das Bearbeiten und das Übermitteln der Bilder selber beigebracht?

Ja. Ich dachte aber schon daran, einen Fotokurs zu besuchen.

Was machen Sie mit Ihren Fotos? Alben sind im Internet leicht selber herzustellen.

Die Bilder sind auf dem Computer gespeichert. Alben lege ich keine an.

Viele Ihrer Bilder stammen aus dem Mittelmeerraum. Offenbar sind Sie oft unterwegs.

Mir ist es am wohlsten, wenn ich unterwegs sein kann. Ich war eigentlich nie gerne daheim. Da mein Ehemann und ich keine Kinder hatten, konnten wir oft verreisen. Wir liebten Kreuzfahrten. Erst Anfang November war ich wieder auf dem Mittelmeer.

Da häufig Bilder von Ihnen publiziert werden, bekommen Sie bestimmt auch Rückmeldungen?

Das stimmt. Eine wahnsinnig schöne Reaktion erhielt ich auf ein Bild von einem Bauernbetrieb in Ennetmoos, den ich vom Stanserhorn aus aufgenommen hatte. Eine Frauenstimme am Telefon fragte, ob ich diejenige sei, die ein Foto von ihrem Hof gemacht habe. Als ich dies bestätigte, sagte die Frau, ich solle doch einmal zu Besuch kommen, ich wüsste ja jetzt, wo ihre Familie wohne.

Haben Sie die Einladung angenommen?

Ja, sicher. Ich druckte das Bild aus und brachte es der Bauernfamilie in Ennetmoos als Geschenk mit. Es war ein schönes Treffen, und sie hatten riesig Freude. Einer der beiden Söhne sagte spasseshalber, dass er von jetzt an nicht mehr im Freien pinkeln werde, wenn man neuerdings vom Stanserhorn aus beobachtet werde.

Gibt es bevorzugte Sujets, die Sie fotografieren? Oder anders gefragt: Gibt es Dinge, die Sie nicht interessieren?

Für mich gibt es nichts, was ich nicht gerne aufnehme. Aber wenn ich Personen fotografiere, die man erkennen könnte, frage ich diese um Erlaubnis. Ich lasse sie wissen, dass ich die Bilder an die Zeitung schicke. Es gibt Leute, die das nicht wollen. Dann lösche ich die Fotos.

Ihr schönstes Erlebnis?

Als mich ein Kunstmaler gefragt hat, ob ich ihm eines meiner Bilder zur Verfügung stellen würde, damit er es mit Acryltechnik malen könne.

Was war auf dem Bild?

Ein Berg, den ich von meinem Garten aus aufgenommen hatte. Der Maler beschriftete dieses besondere Unikat als «Lauter­aarhorn bis Eiger».



Interview: Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

HINWEIS

Frühere Beiträge dieser Serie finden Sie unter:www.luzernerzeitung.ch/dossier

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