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INTERWIEV: Gebäude sanieren – und Geld sparen?

«Energiewende zu Hause – ganz komfortabel!» So heisst eine Sonderschau an der Bau- und Wohnmesse Luzern, die heute in der Messe Luzern startet. Wir sprachen mit Jules Pikali von der OekoWatt GmbH in Rotkreuz. Er organisiert diese Sonderschau im Namen der kantonalen Energiefachstellen der Zentralschweiz
Jules Pikali ist Berater für Energiefragen. (Bild: pd)

Jules Pikali ist Berater für Energiefragen. (Bild: pd)

Inerview Hugo Bischof

Jules Pikali, wie «komfortabel» kann die Energiewende zu Hause sein?

Energiesparen heisst nicht verzichten und auch nicht mit Pullover in einer kalten Wohnung frieren müssen. In energiesparenden Häusern wohnt es sich bequem und komfortabel. Moderne Technik leistet hier einen grossen Beitrag.

Was bedeutet eine «energetisch gute Sanierung»?

Jedes Haus altert, jedes Haus braucht irgendwann eine Erneuerung. Die Gebäudehülle muss saniert werden, Fenster und Heizung sind zu ersetzen. Wer richtig vorgeht, die Sanierungsmassnahmen aufeinander abstimmt und nicht am falschen Ort spart, kann den Wert seiner Liegenschaft nachhaltig erhalten. Nach der Sanierung kann der Energieverbrauch auf einen Viertel oder noch mehr reduziert werden.

Welche Massnahmen schenken bei der Sanierung eines älteren Gebäudes am stärksten ein?

Um in einem Haus mit Baujahr 1990 ein angenehmes Wohnklima zu erhalten ist, ein jährlicher Energiebedarf von zirka 20 Litern Heizöl pro Quadratmeter erforderlich. Diese Unmenge an Energie verschwindet durch die Fenster, Wände, Dach und Kellerdecke. Um eine substanzielle Reduktion zu erreichen, kommt man um eine Gesamtsanierung nicht herum. Alles andere ist Flickwerk und rächt sich mit Feuchte- und Bauschäden.

Sanierungen und Erneuerungen sind mit Kosten verbunden. Bei einem älteren Haus eine Fassade abdichten, damit weniger Energie nach aussen dringt – lohnt sich das?

Jedes Haus, jedes Bauteil hat eine beschränkte Lebensdauer. Nach 25 bis 30 Jahren steht die Erneuerung der Fenster an. Nach 50 bis 60 Jahren muss die Gebäudehülle saniert werden. Wer diese Sanierungsarbeiten nicht vornimmt, muss damit rechnen, dass die Bausubstanz Schaden nimmt. Für solche Sanierungsarbeiten sollte der Gebäudeeigentümer jährlich mindestens 1 Prozent der Gebäudeversicherungssumme zurückstellen. So hat er – wenn Sanierungsbedarf ansteht – genug Geld in der Kasse. Die Mehrkosten für eine verbesserte Wärmedämmung (Isolation) oder bessere Fenster fallen dann kaum mehr ins Gewicht und sind durch Förderbeiträge der öffentlichen Hand abgedeckt.

Wie viel bringt der Einbau neuerer, energieeffizienterer Fenster?

Ein modernes Fenster (Dreifach-Wärmeschutzverglasung) reduziert den Energiefluss gegenüber einem älteren Fenster (Zweifach-Isolierverglasung) um den Faktor 5 bis 6. Weitere Einsparungen entstehen, weil die neuen Fenster dicht schliessen und keine Wärmeverluste durch Undichtigkeiten entstehen. Damit lässt sich der Gesamtverbrauch im Haus um gut 10 bis 20 Prozent vermindern. Leider wirken sich aber diese grossen Einsparungen nur zu einem Teil auf den Gesamtverbrauch aus. Grund dafür ist, dass der Einbau zu wenig sorgfältig vorgenommen wird: Eine ungenügende Dämmung der Fensterleibung und ungenügende Dämmung des Rollladenkastens sind hier typische Beispiele.

Unterstützt die öffentliche Hand Baumassnahmen für eine bessere Energieeffizienz?

Der Kanton Luzern leistet auf verschiedene Weise Unterstützung für einen bessere Energieeffizienz: Im Rahmen der Energieberatung werden etwa grosszügige Beiträge an einen Gebäudeenergieausweis (GEAK) geleistet. Der GEAK gibt dem Hauseigentümer einen guten Überblick über den Energieverbrauch, zeigt allfällige Schwachstellen auf und wie diese behoben werden können. Es lohnt sich, vor jeder Sanierung einen solchen GEAK zu erstellen. Für die Umsetzung der Massnahmen gibt es zusätzliche Beiträge: Im besonderen ist das Gebäudeprogramm der Kantone zu erwähnen, das Beiträge an eine verbesserte Wärmeisolation gewährt. Beiträge gibt es aber auch für Solaranlagen oder den Anschluss an die Fernwärme.
Photovoltaik ist eines der grossen Themen der letzten Zeit. Zu teuer, zu wenig rentabel, hiess es früher immer.

Wie sieht dies heute aus? Lohnt sich der Einbau von Photovoltaik-Anlagen jetzt?

Man kann zu Recht feststellen, dass es der Solarstrom geschafft hat. Der Strom aus der eigenen Anlage kostet weniger als Strom aus der Steckdose. So gesehen, ist jeder selber schuld, wer sein Dach nicht als Kraftwerk nutzt. Man kann davon ausgehen, dass in baldiger Zukunft alle Neubauten mit einer Solaranlage ausgerüstet sein werden. Leider fällt die produzierte Energie nicht immer dann an, wenn der Strom benötigt wird. Der nicht gebrauchte Strom muss dem Elektrizitätswerk abgegeben werden. Die entsprechende Entschädigung ist in den meisten Fällen sehr gering. Wichtig ist darum, dass der Strom möglichst im Haus verbraucht wird. Dies wird erreicht, indem (Wärmepumpen-)Heizung und Solaranlage abgestimmt werden oder eine Batterie eingebaut wird. Besonders elegant ist das Elektroauto: Mit der Batterie des Autos kann überschüssiger Strom gespeichert werden und steht dann für einen sauberen Fahrspass zur Verfügung.

Was heisst Minergie-Sanierung? Kann man damit Geld sparen?

Minergie ist insbesondere ein Planungsinstrument: Wenn der Kunde eine Minergie-Sanierung bestellt, sind energetische Mindestvorgaben einzuhalten. Dies vereinfacht die Rolle des Hausbesitzers, der sich nicht mehr mit Dämmstärken und Wärmeerzeugungsanlagen auseinander setzen muss. Diese bessere Qualität äussert sich in einer klaren Wertvermehrung des Hauses. Diese wird durch die Banken mit günstigeren Hypotheken belohnt (soweit das heute überhaupt noch möglich ist).

Wie teuer ist es, fossile Energie durch erneuerbare Energieträger zu ersetzen? Wie viel Energie kann man damit einsparen? Nach wie vielen Jahren ist die getätigte Investitition amortisiert? Ab wann kann man damit sogar Geld sparen?

Wie bei der Gebäudehülle ist es auch bei der Heizungsanlage. Diese ist nicht für die Ewigkeit gebaut: Nach etwa 20 bis 30 Jahren steht der Ersatz der Heizungsanlage an. Der Ersatz fossiler Brennstoffe wie Heizöl ist bei diesem Ersatz angezeigt. Wichtig ist es auch, die Anlage richtig zu dimensionieren; leider sind viele Anlagen überdimensioniert. Basierend auf dem Ölverbrauch, kann die korrekte Heizleistung bestimmt werden; in den meisten Fällen ist diese deutlich kleiner als bei der bestehenden Anlage. Der Ersatz eine Ölheizung durch eine Wärmepumpe rechnet sich bereits mit heutigen Energiepreisen. Wie sich aber die Energiepreise entwickeln, wäre Kaffeesatz lesen. Was wir aber sicher wissen: Wir werden auf fossilen Brennstoffen immer höhere CO2-Abgaben entrichten müssen.

Hat ein Haus mit einem besseren Energiewert automatisch auch einen höheren Marktwert?

Neben dem Energieverbrauch sind es ganz viele Eigenschaften, die den Marktwert einer Liegenschaft bestimmen. Ein Haus an ausgezeichneter Lage erzielt auch dann einen guten Preis, wenn es sich in einem erbärmlichen Zustand befindet. Wenn aber eine Schätzung des Objektes vorgenommen wird, wird ein mutmasslicher Sanierungsbedarf (zum Beispiel altes Heizsystem) berücksichtigt, was sich empfindlich auf den Verkaufspreis auswirken kann. Eine bessere Energieeffizienz wirkt sich hingegen bei Investitionsobjekten (Mehrfamilienhäuser) sehr direkt aus, weil weniger Nebenkosten anfallen. Weniger hohe Nebenkosten erlauben den Mietpreis höher anzusetzen und ergeben eine bessere Bruttorendite für den Vermieter.

Was kann man als Wohnungsmieter in Sachen Energieeffizienz tun? Welche Massnahmen lohnen sich am meisten?

In der Mietwohnung sind es zwei Anwendungen, die sich auf den Energieverbrauch besonders auswirken: Warmwasser und Beleuchtung. Insbesondere, wenn das Warmwasser im «eigenen» Etagenboiler erwärmt wird, fallen die Kosten direkt auf der eigenen Stromrechnung an und machen dann gut die Hälfte der Stromkosten aus! Duschen statt baden und der Einbau von Spardüsen kosten (fast) nichts und lohnen sich unmittelbar. Sehr lohnend ist es auch, Glühlampen oder Halogenlampen durch LED-Lampen zu ersetzen.

Welche Raumtemperatur empfehlen Sie? Wie viel Heizöl kann man sparen, wenn man die Raumtemperatur um 1 Grad senkt?

Wenn man die Raumtemperatur um 1 Grad senkt, lassen sich gut 7 bis 10 Prozent der Energie (Heizöl, Erdgas oder Strom für die Wärmepumpe) einsparen. Wer im eigenen Haus wohnt, sollte seinen Heizungsregler im Keller richtig einstellen. Zusammen mit den Heizungsinstallateuren wird im Kanton Luzern der Heizungs-Check angeboten. Zu einem reduzierten Preis von 150 Franken kann der Hausbesitzer diese Einstellungen von einem Fachmann vornehmen lassen. Nur um Energie zu sparen, sollte niemand frieren müssen. Wichtig ist es, je nach Benutzung die Raumtemperatur am Heizkörperthermostat (Radiatorventil) einzustellen: In normalen Wohnräumen ist die Stellung 2-3 richtig, wenn viel im Sitzen gearbeitet wird ist eine Einstellung von 3-4 besser. In unbenützten Räumen ist unbedingt die Stellung «*» zu wählen. Auch wer gerne bei offenem Fenster schläft sollte den Heizkörperthermostat auf «*» stellen!

Was ist eine Komfortlüftungsanlage? Wie viel kostet sie? Was bringt sie?

Ein gut isoliertes Haus zeichnet sich durch eine hohe Luftdichtigkeit aus, was einen sehr grossen Einfluss auf den Wärmeverbrach hat. Die Luftdichtigkeit hat aber einen grossen Nachteil: Die Luft wird schnell „schlecht“ oder es können sich durch eine zu hohe Luftfeuchtigkeit Feuchteschäden einstellen. Richtig lüften ist darum wichtig. Am einfachsten geht dies mit einer Komfortlüftung, welche für einen kontinuierlichen Luftaustausch sorgt. Auch wenn man mal nicht zu Hause ist, hat man – wenn man nach Haus kommt – ein gut gelüftetes Haus oder eine gut gelüftete Wohnung, in welcher es nicht „mieft“. Dadurch, dass die Zuluft durch die Fortluft vorgewärmt wird, entsteht auch keine Zugluft und keine Energieverluste beim lüften.
Eine Komfortlüftungsanlage sollte in jedem Neubau eingebaut werden: Hier sind die Mehrkosten gering und die Lüftungsrohre lassen sich gut in der Konstruktion versorgen. Auf diese Weise liegen die Mehrkosten in der Grössenordnung von 10’000 Fr. Eine spätere Nachrüstung ist meist viel aufwändiger.

Hinweis:Jules Pikali (56) ist Geschäftsführer der OekoWatt GmbH in Rotkreuz. Die Firma berät Private, Firmen und die öffentliche Hand in Energiefragen.

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