Inventar
Frauenkloster Eschenbach und Waldkathedrale Beromünster sind neu Kulturgüter von nationalem Interesse

Der Bundesrat hat kürzlich das neue Kulturgüterschutz-Inventar genehmigt. Neu auf der Liste sind im Kanton Luzern Bauten aus Stein, lebende Bäume – aber auch das einstige Zuhause eines russischen Komponisten.

Alexander von Däniken Jetzt kommentieren
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Einen 100-prozentigen Schutz gibt es auch für bedeutende Bauten und Werke nicht. Am 2. Mai 2018 zerstörte ein Feuer Teile des Hotels Schlüssel am Franziskanerplatz in Luzern. Das denkmalgeschützte Gebäude mit Baujahr 1545 musste aufwendig saniert werden. Für immer ausgelöscht sind verschiedene Stätten in der syrischen Stadt Palmyra, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört haben – und 2015 von der Terrormiliz IS gesprengt wurden. Ungeachtet dieser Rückschläge werden in der Schweiz Kulturgüter fleissig geschützt. Das entsprechende Inventar hat der Bundesrat kürzlich aktualisiert. Es ist nach 1988, 1995 und 2009 die vierte Fassung.

Das Inventar unterscheidet zwischen Bauten, Archäologie und Sammlungen sowie zwischen Objekten von nationalem Interesse – sogenannten A-Objekten – und jenen von regionalem Interesse. Bauten von nationalem Interesse sind im Kanton Luzern zum Beispiel das Chorherrenstift Beromünster oder die Jesuitenkirche in Luzern. Neu hinzugekommen ist unter anderem das Frauenkloster Eschenbach. «Die Aufnahme ist uns eine Ehre und freut uns», sagt Paul Twerenbold. Er ist Präsident und Geschäftsführer der Stiftung Frauenkloster Eschenbach, die seit dem 1. Januar 2019 für den Betrieb und Unterhalt des Klosters verantwortlich ist.

«Die Aufnahme ins Kulturgüterschutz-Inventar ist uns eine Ehre»: Paul Twerenbold leitet die Stiftung Frauenkloster Eschenbach, die für Unterhalt und Betrieb des Klosters zuständig ist.

«Die Aufnahme ins Kulturgüterschutz-Inventar ist uns eine Ehre»: Paul Twerenbold leitet die Stiftung Frauenkloster Eschenbach, die für Unterhalt und Betrieb des Klosters zuständig ist.

Bild: Dominik Wunderli (Eschenbach, 18. Oktober 2021)

Hausschwamm verursacht Millionenschaden

Die gesamte Klosteranlage steht bereits seit 1962 unter kantonalem und seit 1973 unter eidgenössischem Schutz. Laut Twerenbold bedeutet dies unter anderem, dass Bund und Kanton Kostenbeiträge zur Erhaltung und Renovation sprechen. Das komme bei solch alten Gemäuern – gewisse Gebäudeteile stammen aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts – immer mal wieder vor und sei teuer. Aktuell sei ein Nebengebäude von Hausschwamm befallen. Die Beseitigung des Pilzes und die Sanierung würden rund 1,3 Millionen Franken kosten. «Davon übernimmt die öffentliche Hand nur einen Teil, weshalb wir auf Spenden angewiesen sind», sagt Twerenbold.

Stolz ist der Stiftungspräsident nicht nur auf Kreuzgang, Klostergarten oder Stifterkelch, sondern auch auf die detaillierte Inventarisierung der Kulturgüter, welche die Klosterfrauen 2013 in Auftrag gaben. «Es war schon lange das Ziel der Zisterzienserinnen, der Nachwelt ein aufgeräumtes Erbe zu hinterlassen.» Diese Inventur ist eine wichtige Vorarbeit für die Evakuierung einzelner Objekte bei einem Notfallereignis wie einem Brand oder Erdbeben. Feuerwehr und Zivilschutz setzen sich nämlich gerade bei A-Objekten im Kulturgüterschutz-Inventar vertieft mit Notfall- und Rettungsplänen auseinander, sagt Hans-Christian Steiner, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Gebietsdenkmalpfleger bei der kantonalen Denkmalpflege. Heisst: Falls es im Kloster einmal brennen sollte, wissen Feuerwehr und Zivilschutz, was nach den Menschen zuerst zu retten ist.

Laut Steiner sind die A-Objekte in der Regel auch im kantonalen Denkmalverzeichnis eingetragen, womit sich im Normalfall die Denkmalpflege wie bis anhin der Erhaltung der unersetzlichen Kulturgüter unterstützend annimmt. Anders sieht es noch bei vielen sogenannten B-Objekten aus, die von regionaler Bedeutung sind. Hier haben Feuerwehrinspektor und Stabschef Vinzenz Graf sowie der kantonale Zivilschutzleiter Daniel Enzler vor rund einem Jahr die Bemühungen verstärkt, wie unsere Zeitung berichtete.

Villen, die das «Neue Bauen» vertreten

Zurück zu den neuen Einträgen von nationalem Interesse. Diese hat der Bundesrat auf Vorschlag des Kantons Luzern alle übernommen: Neben dem Frauenkloster Eschenbach sind unter anderem die Waldkathedrale Beromünster,

Bild: Boris Bürgisser

der Englische Friedhof in Meggen,

Archivbild LZ

die Beinhauskapelle auf dem Friedhof Wolhusen,

Bild: Christoph Hurni / Flickr

die Villa Kreuzfluh in Horw

Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, Fotograf: unbekannt

und die Villa Senar in Weggis neu gelistet.

Bild: Pius Amrein

Letztere wurde 1934 durch das damals renommierte Architekturbüro Möri&Krebs für die Familie des bereits Weltruhm geniessenden Komponisten Sergej Rachmaninow erstellt. Gebietsdenkmalpfleger Hans-Christian Steiner sagt dazu: «Bei der Ergänzung der Liste ging es auch darum, gerade im Kanton Luzern den zeitlichen Rahmen ins 20. Jahrhundert auszuweiten, also etwa Objekte, welche das ‹Neue Bauen› vertreten, aufzunehmen.»

Dazu passe auch die Aufnahme der Villa Kreuzfluh in Horw, welche 1906 errichtet worden ist. «Geschichte und Kultur wird mit solchen Objekten in Realität fassbar, sie haben unseren Schutz verdient.» Ganz andere Voraussetzungen hat die Waldkathedrale in Beromünster: ein Waldstück, das in den 1790er-Jahren mit Kastanien und Hagebuchen zu einer Kirche geformt worden ist. «Sie ist ein so genannt lebendes Denkmal und somit ständigen Veränderungen unterworfen», sagt Steiner dazu. Die Pflegemassnahmen in und an der einzigartigen Waldkathedrale würden regelmässig zwischen dem zuständigen Förster und der Denkmalpflege besprochen und koordiniert. Das Ziel sei, mit den Wegführungen und der Baumpflege der Ursprungsidee möglichst nah zu kommen.

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