Leserdebatte

Höhere Preise fürs Schifffahren auf dem Vierwaldstättersee – das sagt der SGV-Geschäftsführer dazu 

Die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) erhöht per 15. Dezember 2019 die Billettpreise um 5,7 Prozent. Die Erhöhung resultiere aus dem laufenden Angebotsausbau, der Teuerung aber auch aus sinkenden Durchschnittserträgen pro Fahrgast.

Zéline Odermatt
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Schifffahren wird teurer. (Bild: Dominik Wunderli, 14. Mai 2019)

Schifffahren wird teurer. (Bild: Dominik Wunderli, 14. Mai 2019)

Wer sich ab dem 15. Dezember mit dem Schiff von Luzern nach Flüelen und retour chauffieren lassen will, bezahlt in der 2. Klasse mit einem Halbtax-Abo nicht mehr 36 Franken, sondern neu 38.50 Franken. Nach fünf Jahren konstanter Preise sei dies unausweichlich, teilt die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) am Montag mit. «Wir sind überzeugt, dass die Preiserhöhung gerechtfertigt ist», sagt Stefan Schulthess, Geschäftsführer der SGV und nennt drei Hauptgründe für die Preiserhöhung. «Als die öV-Branche Ende 2016 die Tarife erhöht hat, haben wir darauf verzichtet. Nun ist auch bei uns aufgrund der allgemeinen Kostensteigerungen eine Anpassung nach oben nötig. Der Entscheid ist uns nicht leicht gefallen.»

Sinkende Einnahmen pro Passagier

2018 transportierte die SGV über drei Millionen Passagiere auf ihren Schiffen. «Das Wetter spielte vom Frühling bis im Winter wunderbar mit. Für uns war das ein absolutes Ausnahmejahr», erzählt Schulthess. Auch dieses Jahr sei man zufrieden. Ende August lagen die Frequenzen nur rund 2,5 Prozent hinter dem Vorjahr zurück. «Die Preiserhöhung hat also nichts mit den aktuellen Passagierzahlen zu tun. Der Entscheid ist schon früher gefallen», erklärt der Geschäftsführer.

Ein zweiter Grund sei demnach der sinkende Durchschnittsertrag pro Passagier. «Zurzeit liegt der Ertrag pro Passagier und Fahrt bei durchschnittlich knapp 13 Franken», erklärt Stefan Schulthess. Dies sei diversen Gründen geschuldet. «Es gibt immer weniger Gäste, die den Vollpreis zahlen. Heute ist eine Mehrheit der Passagiere mit Pauschalfahrausweisen wie dem GA, Halbtax oder auswärtige Gäste mit dem Swiss Travel Pass unterwegs.» Und natürlich habe die SGV auch eigene Aktionen. «Diese rabattierten Fahrkarten führen dazu, dass die Durchschnittserträge pro Fahrgast leicht sinken.»

Der wichtigste Punkt sei aber das in den letzten Jahren stetig ausgebaute Fahrplanangebot und umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur sowie in die Schiffsflotte. Als Beispiel nennt der Geschäftsführer die notwendig gewordene Seegrundausbaggerung, die allein drei Millionen Franken kostet und die Sanierung der «Stadt Luzern», die insgesamt 13 Millionen Franken kostet. Im Frühling 2021 soll das Dampfschiff wieder auf dem See fahren.

«Welche anderen Projekte danach anstehen, kann ich noch nicht sagen», sagt Schulthess. Klar sei, dass jedes der Dampfschiffe alle 30-40 Jahre für einen zweistelligen Millionenbetrag saniert werden muss. «Zudem müssen Schiffsstationen erneuert werden», so Schulthess weiter.  

Der Angebotsausbau unter anderem mit den neuen Schiffen «Diamant» und «Saphir» sowie dem «Bürgenstock» und dem damit grösseren Kilometerumfang sei auch der Grund, weshalb ein Vergleich mit anderen Angeboten auf Schweizer Seen schwierig sei. Schulthess führt aus:

«Wir gehören in der Schweiz sicher zu den teureren Schifffahrts-Anbietern.»

Man sei beispielsweise teurer unterwegs als auf den Nachbarseen in Zug oder Zürich. «Die grosse Nachfrage zeige aber, dass unsere Kunden bereit sind, für unser grosses Angebot und die im Betrieb teuren fünf Dampfschiffe einen höheren Preis zu bezahlen», sagt der SGV-Geschäftsführer.

2014 war die damalige Preiserhöhung zunächst auf Widerstand gestossen, weil der Preisüberwacher die Billettpreise aufgrund einer Beschwerde untersucht hatte. Damals sei man zwar zu keiner Einigung gekommen, der Preisüberwacher habe das Verfahren dann aber sistiert. Ende 2014 erhöhte die SGV die Fahrpreise dann um 3 Prozent. «Ich kann nicht ausschliessen, dass wir nun wieder Post vom Preisüberwacher erhalten. Dann erklären wir ihm wie beim letzten Mal, dass wir ein den Preisen entsprechend grosses Angebot haben und wir als Unternehmen nur einen bescheidenen Gewinn erwirtschaften», so Schulthess.

«Post vom Preisüberwacher» könnte es tatsächlich bald geben. «Wir werden sicherlich im Rahmen der andauernden Preisbeobachtung Kontakt mit der SGV aufnehmen und uns kurz über die Gründe der Erhöhung näher informieren lassen. Alles weitere ist vollständig offen», teilt Rudolf Lanz, Leiter Recht und Kommunikation der Preisüberwachung auf Anfrage mit.

Revision der «Stadt Luzern» verläuft nach Plan

Die Schiffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) AG und die Shiptec AG öffneten am vergangenen Samstag ihre Werfttore. Einer termingemässen Wasserung des Dampfschiffes «Stadt Luzern» Ende Mai 2021 stehe nichts im Weg.
Sabina South