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Investorensuche übers Internet boomt

Die Anzahl der Projekte, welche mittels Crowdfunding realisiert werden, zeigt schweizweit steil nach oben. Die Vielfalt ist auch im Kanton Luzern immens – bei den Erfolgen zeigen sich allerdings grosse Unterschiede.
Roseline Troxler
Neues Probehaus sorgt für Sammel-Rekord

Das Luzerner Sinfonieorchester LSO will neben dem Kulturzentrum Südpol in Kriens ein neues Probelokal und ein Zen­trum für Kinder- und Jugendprojekte bauen. Mit seiner Crowdfunding-Kampagne hat das LSO total 578392 Franken gesammelt. Dies liegt deutlich über dem Ziel von einer Viertelmillion Franken. «Im Kulturbereich dürfte es der grösste Betrag sein, der bisher in der Schweiz in einer Crowdfunding-Aktion gesammelt werden konnte», teilte das LSO nach Abschluss der Sammel-Aktion mit. Der gesamte Bau wird 10 Millionen Franken kosten. Zum Start der Kampagne wurde mächtig die Werbetrommel gerührt. Mitglieder des Orchesters probten in einer Wohnung im Kinderzimmer, der Küche oder dem Badezimmer. Daraus entstanden ist ein Werbefilm. (Visualisierung: pd)
Wassersportanlage schafft Hürde

In Ettiswil soll ein künstlicher See inklusive Liftanlage und Campingplatz für Wakeboarder entstehen. Die Initianten des Wake and Camp Ettiswil wollten auf Funders.ch 50 000 Franken sammeln. Lange sah es danach aus, dass die Hürde nicht erreicht wird. Dank eines Endspurts kamen dann just vor Ablauf der Frist doch noch rund 56000 Franken zusammen. Es gab insgesamt 248 Unterstützer. Geldgeber konnten die Idee mit oder ohne Gegenleistung unterstützen. Ab 50 Franken gibt es etwa eine Stunde Wakeboardspass. Das Geld wurde eingesetzt, um Vorstudien anzufertigen. Dabei handelt es sich um den nächsten Schritt zur Bewilligung des Campingplatzes und der Wakeboard-Anlage. Die Studien liegen derzeit beim Kanton Luzern zur Vorprüfung. (Symbolbild: Keystone/Peter Gercke)
Badi Reiden braucht Geld für Spielplatz

Noch auf der Suche nach Unterstützung ist die Badi Reiden. Auf dem Gelände soll ein Erlebnisspielplatz gebaut werden. Die Fundingschwelle liegt bei 100 000 Franken, das Fundingziel beträgt 200 000 Franken. Das Problem: Das Projekt ist mit gut 8700 Franken erst zu 9 Prozent finanziert. Bisher konnten sich 24 Geldgeber finden. Für 20 Franken gibt es einen Badi-Eintritt, ab 100 Franken Unterstützung winkt den Investoren ein Badi Reiden-Badetuch. Die Sammlung dauert noch bis am 1. September. Zum noch tiefen Spendenstand sagen die Initianten auf Anfrage, dass das Projekt nicht nur an die Schwelle gekoppelt, sondern auch von der Abstimmung über die Zukunft der Badi abhängig ist. Der Abstimmungstermin ist für den 23. September 2018 vorgesehen. (Bild: Manuela Jans-Koch (16. Juli 2015))
Neues Restaurant und soziales Projekt

Die Caritas Luzern will Anfang Herbst an der Industriestrasse in Luzern eine Quartierbeiz eröffnen. Das Restaurant Brünig ist ein soziales Projekt. Jugendliche mit wenig Aussichten auf eine Lehrstelle erhalten hier eine Ausbildung. Jährlich werden in Küche und im Service vier Lehrlinge ausgebildet. Zudem arbeiten bis zu 20 Stellensuchende aus den Arbeitsintegrationsprogrammen der Caritas Luzern im Restaurant Brünig. Das Crowdfunding auf der Plattform «wemakeit.com» wurde Ende Mai erfolgreich abgeschlossen. 118 Personen haben gespendet. Gut 48 000 Franken kamen zusammen. Die Hürde lag bei 45 000 Franken. Gegenleistungen für die Spenden waren etwa ein Mittagessen, ein Apéro zu zweit oder Bier-Tasting mit Freunden. (Bild: pd)
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Crowdfunding im Kanton Luzern: Vier Beispiele

Crowdfunding, also die Finanzierung von Projekten über das Internet, ist aktuell in aller Munde. Auch ein Blick ins Zeitungsarchiv zeigt: Die Entwicklung dieser Finanzierungsart ist enorm. Der erste Bericht über Crowdfunding wurde in unserer Zeitung im März 2011 publiziert. Ein ETH-Student brauchte für die Entwicklung von Prototypen eines speziellen Kamera-Stativs Spender. Dabei sammele er «auf ungewöhnliche Weise Geld», hiess es damals.

Tempi passati: 2017 wurden rund 374,5 Millionen Franken über Schweizer Crowdfunding-Plattformen vermittelt – eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr (Ausgabe vom 29. Mai 2018). Die Entwicklung zeigt ein Monitoring der Hochschule Luzern auf. Die Geldsucher haben die Qual der Wahl. So gibt es mehr als 40 Crowdfunding-Plattformen mit einer Niederlassung in der Schweiz, so zum Beispiel funders.ch, wemakeit.com oder 100days.ch.

Am meisten Geld für Start-ups und Technologie gesprochen

Auch die Vielfalt der Projekte ist gross (siehe unten). Das Monitoring der Hochschule Luzern zeigt: Am meisten Crowd- funding-Projekte gab es im letzten Jahr im Bereich Sport und Gesundheit, gefolgt von Musik, Konzerten und Festivals sowie Gesellschaft und soziale Projekte. Wird allerdings das finanzielle Volumen betrachtet, schwingt der Bereich Technologie, Business und Start-up mit knapp 6,9 Millionen Franken oben auf. Es folgt Sport und Gesundheit sowie der Bereich Medien, Buch und Literatur.

Die Plattform Funders.ch, welche die Luzerner Kantonalbank (LUKB) 2016 lanciert hat, veranschaulicht: Auch Luzerner nutzen Crowdfunding immer mehr als Finanzierungsart. Laut Daniel von Arx, Leiter Kommunikation der LUKB, wurden seit der Lancierung der Plattform knapp 3 Millionen Franken gesammelt. «Nach der Anlaufphase kommen vermehrt auch grössere Projekte zur Umsetzung. So haben wir bisher zwei Schweizer Rekorde verzeichnen können.» Von Arx verweist auf das grösste Schweizer Sport-Crowdfunding, den Stadionbau des SC Kriens, in der Höhe von knapp 282 000 Franken. Ebenfalls ein Rekord sei im Kulturbereich zu verzeichnen. Für das Probenhaus des Luzerner Sinfonieorchesters wurden auf der Plattform gut 578 000 Franken gesammelt. Laut Daniel von Arx werden im Herbst 2018 weitere Grossprojekte mit einem Funding-Ziel von mehr als 100 000 Franken auf die Plattform kommen.

Andreas Dietrich ist Autor des Monitoring der Hochschule Luzern. Laut dem Professor werden derzeit die meisten Projekte im Bereich Crowdsupporting (siehe Box) lanciert. Dabei geht es vor allem um kreative und kulturelle Projekte sowie solche im Sport. «Es werden oftmals eher tiefe Beträge von zahlreichen Einzelpersonen gesprochen», so Dietrich. Der durchschnittliche Betrag liege bei 140 Franken. In Bezug auf das Volumen seien die Bereiche Crowdinvesting oder -lending bedeutender.

Bei funders.ch liegt der durchschnittliche Betrag, den die rund 10 000 Investoren bisher sprachen, etwas höher – bei zirka 300 Franken. «Es gibt allerdings massive Unterschiede zwischen den Projekten.» Der Minimalbetrag beträgt fünf Franken.

«Für eine etablierte Organisation ist es herausfordernd, sich auf den neuen Plattformen durchzusetzen, weil dort Start-ups in der Gunst der Mitfinanzierer höher im Kurs sind.»

Wer auf einer Plattform ein Projekt lanciert, gibt einen fixen Betrag an, der in einer gewissen Zeit erreicht werden muss. Wird weniger gesammelt, geht alles Geld zurück an die Unterstützer. Laut Daniel von Arx liegt die Erfolgsquote der abgeschlossenen Projekte bei 78,2 Prozent – 104 Projekte waren erfolgreich, 29 erreichten die Hürde nicht, 10 sind noch am Laufen. Dazu zählen allerdings auch Projekte aus dem Einzugsgebiet der Kooperationspartner, also der Obwaldner, Nidwaldner, Thurgaur und Berner Kantonalbank. Dass ein Projekt erfolgreich ist, hängt laut Daniel von Arx «entscheidend von der Story, der Gegenleistung und den Marketing- und Kommunikationsanstrengungen der Initianten» ab.

Von Spenden sind auch Non-Profit-Organisationen abhängig. «Im Kulturbereich wird Crowdfunding häufig als zusätzliche Finanzierungsquelle genutzt», erklärt Andreas Dietrich. Bei Nichtregierungsorganisationen stelle sich aber die Frage, welche Effekte Crowd- funding auf das Fundraising habe. «Hier erwarteten wir in den vergangenen Jahren jeweils ein Wachstum von Crowdfunding, was aber bislang noch immer nicht passiert ist», so Dietrich.

Fünf verschiedene Formen des Crowdfunding

Das Monitoring zum Crowdfunding der Hochschule Luzern zeigt verschiedene Formen des Schwarmfinanzierens auf. So unterscheiden die Autoren fünf Arten:
- Crowdsupporting: Dabei handelt es sich meist um kreative und kulturelle Projekte und Kampagnen aus dem Sportbereich. Der Investor erhält für seinen Beitrag ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein künstlerisches Werk.
- Crowddonating: Damit werden mehrheitlich Spenden für soziale, karitative und kulturelle Projekte gesammelt. Die Unterstützung ist nicht an eine Gegenleistung geknüpft.
- Crowdinvesting: Bei dieser Form geht es um Investitionen von Eigen- oder Fremdkapital in Unternehmen (oft Start-ups) oder in Immobilien. Als Gegenleistung erhalten die Investoren eine Gewinnbeteiligung.
- Crowdlending: Dabei werden Kredite an Unternehmen oder Private vermittelt. Die Geldgeber erhalten als Gegenleistung Zinszahlungen. Die Höhe ist vom Risiko abhängig.
- Invoice Trading: Investoren kaufen offene Rechnungen von Unternehmen und erhalten im Gegenzug eine Rendite. Damit können Unternehmen Zahlungsfristen überbrücken oder liquide Mittel freisetzen. (red)

Roger Tinner ist Geschäftsführer von Swissfundraising, dem Verband der Fundraiser für nicht gewinnorientierte Organisationen. Er sieht Crowdfunding als ergänzenden Kanal, welcher den klassischen Weg zu den Spendern aber nicht ersetze. «Tendenziell ist das Publikum jünger als bei klassischen Kommunikationsmitteln», führt er aus. Daher sei es eine Chance, an jüngere Generationen heranzukommen. Er sagt aber: «Für eine etablierte Organisation ist es herausfordernd, sich auf den neuen Plattformen durchzusetzen, weil dort Start-ups in der Gunst der Mitfinanzierer höher im Kurs sind.» Es gebe aber auch länger bestehende Nichtregierungsorganisationen, welche mit Crowdfunding Erfolg hatten. Tinner verweist auf Helvetats und die Stiftung Sozialwerke Pfarrer Sieber.

Gegenleistung hängt stark von der Art des Projekts ab

Bei vielen Crowdfunding-Projekten wird bei einer Unterstützung eine Gegenleistung angeboten. Dies reicht von Tickets bei der Albumtaufe über ein Probierpaket bis zu einem Leckerbissen bei der Eröffnung. Laut Andreas Dietrich hängt die Bedeutung der Gegenleistung stark vom Bereich ab. Bei Crowdinvesting (also Investitionen von Eigen- und Fremdkapital in Start-ups oder Immobilien) und Crowdlending (Vermittlung von Krediten) «sind Gegenleistungen entscheidend». Beim Crowdsupporting und -funding komme es stark auf das Produkt an. Anders sehe es bei einem sozialen und nachhaltigen Projekt aus. «Da ist die Unterstützung eher altruistischer Natur - die Gegenleistung steht dann weniger im Zentrum.»

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