INWIL: Güselhelden knöpfen sich Firmen vor

Um die Natur von Abfall zu befreien, hat Roman Peter vor drei Jahren eine mittlerweile internationale Bewegung gestartet. Von ihrem Erfolg sollen sich nun auch Unternehmen anstecken lassen.

Matthias Stadler
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Im Reich der Güselsammler: Roman Peter (33), Gründer der Trash-Hero-Bewegung. (Bild: Corinne Glanzmann (Emmenbrücke, 22. Dezember 2016))

Im Reich der Güselsammler: Roman Peter (33), Gründer der Trash-Hero-Bewegung. (Bild: Corinne Glanzmann (Emmenbrücke, 22. Dezember 2016))

Matthias Stadler

matthias.stadler@luzernerzeitung.ch

Eigentlich wollte Roman Peter 2012 eine Weltreise machen. Das Geld dazu hatte er sich von seiner Arbeit in der IT-Branche zusammengespart. Allzu viel bekam er dann von der Welt doch nicht zu sehen. Gleich an seinem ersten Ziel blieb er hängen: Kho Lipe, eine Insel in Thailand. Dort begann er als Musiker und Tauchlehrer zu arbeiten. Bis er Ende 2013 mit einer Gruppe von Einheimischen und Auswanderern die Idee hatte, angeschwemmten Güsel an den Stränden wöchentlich einzusammeln, um auf das globale Abfallproblem aufmerksam zu machen.

Die Idee schlug ein. Mehr als 204 Tonnen Abfall wurden bis heute an 1027 Aufräumtagen in mehreren Ländern gesammelt, über 21 000 Personen halfen mit. Es entstand eine Bewegung, die heute unter dem Namen Trash Hero World – Abfallheld – agiert. Sie ist als steuerbefreite Nonprofit-Organisation in Inwil registriert. Insgesamt 30 Projekte wurden in Thailand, Indonesien, Malaysia, Burma, China und New York bis dato gestartet. Seit zwei Jahren werden auch rostfreie Stahlflaschen an Resorts und Restaurants in Thailand verkauft, 25 000 Flaschen wurden bislang abgesetzt und so rund 9 Millionen Plastikflaschen gespart.

«Ich investiere jede freie Minute»

Roman Peter ist mittlerweile wieder zurück in der Schweiz, zurück in Inwil. «Seit drei Jahren investiere ich jede freie Minute in die Organisation», sagt der 33-Jährige. Nun steht der nächste Schritt an. Peter möchte Firmen dazu animieren, den eigenen Abfall auf ein Minimum zu reduzieren. «Es ist das erste Projekt in der Schweiz. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass die Abfallmenge verkleinert wird.» Vom Güsel, der in der Schweiz verbrennt wird, bleibt laut Peter rund ein Fünftel zurück und muss teils für immer deponiert werden. «Das wissen viele Leute nicht. Wir wollen sie darauf sensibilisieren.» Zudem sei die Recyclingquote in der Schweiz nicht so hoch wie gemeinhin angenommen. So unternähmen andere Länder – etwa Slowenien – viel mehr.

Für das Projekt, das sich «Trash Hero @Work» nennt, liess sich bereits eine erste Firma einspannen: das Luzerner Architekturbüro GKS Architekten + Partner AG. Dort sollen ab 2017 Abfälle vermieden und strikt getrennt werden. Zudem wird auf rezyklierbare Materialien gesetzt. So wurde jedem Mitarbeiter eine Edelstahlflasche geschenkt, um Getränkeflaschen zu eliminieren. Das Ziel lautet «Zero Waste», also keinen Güsel mehr zu produzieren.

«Dies ist ein erster Schritt in der Schweiz», sagt Roman Peter. Mit weiteren Firmen bestehen Ideen, die aber noch nicht spruchreif sind. Künftig soll auch die Politik auf die Probleme mit Abfall aufmerksam gemacht werden. So soll etwa das Mikroplastik, welches in Shampoos und Seife vorkommt, thematisiert werden. «In Ländern wie Holland und Grossbritannien ist ein Verbot bereits beschlossene Sache», sagt Peter. In der Schweiz werde es wohl noch etwas ­dauern. Auch der Verschleiss von Einwegplastik und Plastiksäcken sollte laut Peter in der Schweiz noch stark reduziert und mittelfristig eliminiert werden. Der Inwiler will auch in seiner Wohn­gemeinde den Hebel ansetzen. So stehe die Idee im Raum, einen «Zero-Waste-Anlass» zu orga­nisieren. Alles, was dort konsumiert wird, soll in wiederver­wertbaren oder rezyklierbaren ­Materialien – etwa Geschirr und Besteck – herausgegeben werden.

Nächstes Ziel: Zwei Vollzeitstellen

Bis anhin war sämtliche Arbeit der Gruppe freiwillig. «Wir haben ein riesiges Team von Leuten, die alle einen oder zwei Tage pro Woche gratis investieren», sagt Roman Peter. Projektaufwände konnten durch Spenden gedeckt werden, Peter selber lebte bis anhin vom Ersparten, das er eigentlich für die Weltreise nutzen wollte. Der Inwiler betont aber, dass dies bald geändert werden soll. Er plant zwei Vollzeitstellen, die durch ein Fundraising und Stiftungen finanziert werden sollen. Auch eine Zusammenarbeit mit grösseren Firmen sei nicht auszuschliessen.