INWIL/GISIKON: Autobahn verändert Reuss-Idylle

Ländliche Strukturen prägten 1950 die Landschaft an der Reuss. Zwei Jahrzehnte später kamen die Autobahn und ihre Zufahrten.

Rainer Rickenbach
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Blick von Gisikon nach Inwil: Rechts der Pappeln stehen die ehemalige Velohandlung und die Schmiede. (Bild Sammlung Heiri Hüsler)

Blick von Gisikon nach Inwil: Rechts der Pappeln stehen die ehemalige Velohandlung und die Schmiede. (Bild Sammlung Heiri Hüsler)

Die heutige Autobahnzufahrt mit dem Hotel Garni an der Reuss (vorne links). (Bild: Roger Grütter)

Die heutige Autobahnzufahrt mit dem Hotel Garni an der Reuss (vorne links). (Bild: Roger Grütter)

Im Oktober werden es 40 Jahre Jahre her sein, seit die alte Reussbrücke zwischen Gisikon (im Vordergrund) und Inwil der Autobahn-Zufahrtsbrücke wich. Unser zeitgeschichtliches Bild stammt aus der Zeit um 1950. Es zeigt die beiden Gemeinden in einer Zeit, als sie noch von der Landwirtschaft geprägt waren. Auf beiden Flussseiten sind Höfe erkennbar, die 1932 errichtete Brücke ist auf der Inwiler Seite bei der Auffahrt von zwei schmucken Pappeln gesäumt. Vor der Brücke ist die Bahnunterführung erkennbar.

Schmiede und Velohandlung

Die Verbindung über die Reuss tauchte schon im 19. Jahrhundert auf den Gemeindekarten auf. Damals war es noch eine Holzbrücke, das Gebäude daneben auf Inwiler Seite war mit der Bezeichnung «Spyrhus» versehen. «Vermutlich handelte es sich bereits um die Schmiede, die später im Jahr 1926 Daniel Bühler mit seinen drei Söhnen Hans, Fritz und Ernst übernahm», schreibt Heiri Hüsler in seinem lesenswerten Buch «Inwil – Geschichte und Geschichten»*.

In den 1970er-Jahren begann die Autobahn die Gegend nachhaltig zu verändern. Die neue, mehrspurige Brücke mündet auf der Gisikoner Seite in die Autobahnanschlüsse für beide Richtungen. Sie stellt seit ihrer Erbauung eines der alten Häuser buchstäblich in den Schatten: «Plötzlich führte nun die Strasse auf der Höhe des ersten Stockwerks am Haus der Velohandlung von Fritz Bühlmann vorbei, und wer zur Werkstatt wollte, musste einen Umweg auf sich nehmen», beschreibt Hüsler eine der einschneidensten Veränderungen, die die Zufahrt mit sich brachte. Auf dem alten Bild ist die frühere Velohandlung noch im Bau, sie ist auf der Inwiler Seite rechts von den Pappeln erkennbar. Auf dem neuen Bild steht das gleiche Haus in weisser Farbe gleich neben der Zufahrtsstrasse zur Brücke.

Stück um Stück zur Autobahn

Am 14. Oktober 1974 wurde das Autobahn-Teilstück zwischen Gisikon und Cham eröffnet. Es sollte aber noch zwölf Jahre dauern, ehe die Autobahn zumindest von Luzern bis Zug durchgehend befahrbar war. Und mehr als zwanzig weitere Jahre zogen ins Land, ehe die Autobahn A 4 bis an den Stadtrand von Zürich vollendet war.

* «Inwil – Geschichte und Geschichten, erzählt von Heiri Hüsler», 28 Fr., erhältlich bei der Gemeindekanzlei Inwil, in der Bäckerei Hüsler und bestellbar unter der Mailadresse h.huesler@bluewin.ch

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