Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

IRAN: Opposition aus dem Luzerner Exil

Mahdi Rezaei-Tazik ist vor 12 Jahren aus der Islamischen Republik geflüchtet. Heute lebt er in Luzern und will von hier aus dazu beitragen, den Iran zu reformieren.
Simon Bordier
Mahdi Rezaei-Tazik (33) ist Agnostiker, Islam-Experte und Polit-Aktivist. (Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 23. März 2017))

Mahdi Rezaei-Tazik (33) ist Agnostiker, Islam-Experte und Polit-Aktivist. (Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 23. März 2017))

Simon Bordier

stadt@luzernerzeitung.ch

Die Zentral- und Hochschulbibliothek (ZHB) in Luzern sei sein Zuhause, meint Mahdi Rezaei-Tazik (33). «Ich fühle mich wohl hier, und es ist doch schön, oder?» Er zeigt auf das Bibliotheksgebäude beim Vögeligärtli, die grossen Bäume, die bunten Gärten, den Spielplatz.

Die Öffentlichkeit bietet dem iranischen Regimekritiker einen gewissen Schutz. In seiner Wohnung in Luzern fühle er sich hingegen nicht wohl. «Manchmal frage ich mich: Gibt es hier irgendwo eine Kamera?» Man dürfe die Brutalität des Regimes nicht unterschätzen. Konkrete Hinweise auf Überwachung gebe es in seinem Fall nicht. Es herrsche unter Oppositionellen aber ein diffuses Gefühl der Unsicherheit. Denn seit Jahren versuche der iranische Geheimdienst, Exilorganisationen zu unterwandern, Gegner mundtot zu machen.

«Mittelalterliche Mentalität»

Rezaei-Tazik hat mit 21 Jahren den Iran verlassen, weil er, wie er sagt, die «mittelalterliche Mentalität» in dem selbsterklärten Gottesstaat nicht mehr aushielt. Schon gar nicht wollte er Militärdienst leisten für ein Regime, das ihm «die Luft zum Atmen nimmt». Der studierte Buchhalter verliess den Iran illegal über die Türkei. «Das ist eine längere Geschichte», meint er. In der Schweiz sei er zufällig gelandet, weil ihm irgendwann das Geld für die Weiterreise ausgegangen sei. Er wurde dem Kanton Luzern zugewiesen und erhielt fünf Jahre nach seiner Einreise eine vorläufige Aufnahmebewilligung.

Wer Rezaei-Tazik heute begegnet, ahnt von all dem nichts: Er spricht ausgezeichnet deutsch, liebt die Sprache und zitiert Wittgenstein: «Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.» Dank seines Lerneifers hat er es an die Uni Luzern geschafft. Dort studierte er Politikwissenschaft; später machte er an der Uni Bern den Master in Islamwissenschaft. Seine Doktorarbeit will er nun ebenfalls in dem Bereich schreiben.

Er selbst bezeichnet sich als «Atheist oder Agnostiker». Er wolle die islamisch geprägte Geschichte Irans besser verstehen, meint er zu seiner Studienwahl. «Mein Ziel ist, zu erfassen, warum die Religionskritik in Iran nie richtig angekommen ist, nie zu einem Diskurs geworden ist.» Es sei der Säkularismus, welcher zum einen Religionsfreiheit garantiere und zum anderen die Demokratie vor Islamismus bewahre. Mit diesem Anliegen engagiert er sich auch in der Iranian Secular Democratic Party, einer internationalen Bewegung, die vor gut einem Jahr gegründet wurde und den säkularen Diskurs pflegt. Die rund 30 aktiven, weltweit zerstreuten Mitglieder arbeiten vor allem übers Internet und halten so auch den Kontakt zu den Menschen im Iran aufrecht. «Oft wissen wir im Ausland über Ereignisse im Iran früher Bescheid als die Leute im Inland.» Es sei sicher kein Zufall, dass der Iran eine der weltweit höchsten Bloggerdichten aufweise.

Andererseits: Wird das Internet nicht durch die Behörden gefiltert, ist das nicht gefährlich? Klar, es bestehe ein Restrisiko. «Es gibt aber Hunderte Möglichkeiten, Sperren und Kontrollen zu umgehen.» Zudem setze man auf den Massenversand: «Wie will man ein SMS verfolgen, das hundertfach weitergeleitet wird?»

Hoffen auf eine friedliche Revolution

Mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen am 19. Mai bleibt er skeptisch, auch wenn seit der Wahl des gemässigteren Rohani und der möglichen Aufhebung der Wirtschaftssanktionen ein neuer Wind zwischen dem Iran und dem Westen weht. Die Arbeitslosigkeit, fehlende Menschenrechte und die Korruption seien nach wie vor haarsträubend. Einzelne Köpfe könnten daran wenig ändern: «Ich glaube nicht an Waffengewalt, aber ich bin mir darüber im Klaren, dass im Rahmen des heutigen Regimes ein demokratischer Übergang nicht möglich ist. Ich hoffe, dass es mit einer friedlichen Revolution aufgelöst wird.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.