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Kolumne

Ist Velofahren eine Sünde?

Einblicke – Sprachdozentin Maria Winter über die Verunsicherung, die Recherchen zum Klimawandel auslösen können.
Maria Winter
Maria Winter

Maria Winter

Viel wird über Kohlenstoffdioxid- und Stickstoffdioxid-Emissionen sowie Feinstaub diskutiert. Als chemisch wenig vorgebildete Atmosphären-Mitbenutzerin muss ich mir das nötige Hintergrundswissen erst einmal anlesen.

So lese ich, dass Feinstaub ein enormes Gesundheitsrisiko ist, dem man sich schon aussetzt, wenn man den Fuss vor die Türe setzt. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) lässt mich wissen, dass Feinstaub ein komplexes Gemisch aus Feinpartikeln ist. Die Partikel werden durch Verbrennungsprozesse wie von Dieselmotoren oder Holzheizungen ausgestossen und setzen sich tief in die feinsten Verästelungen der Lunge ab.

Selbst der Abrieb von Reifen, Bremsen und der Strassenbelag tragen dazu bei. Sind also sogar scheinbar unschuldige, umweltbewusste Velofahrer eigentlich Umweltsünder? Wenn man den Strassenbelag mit den Veloreifen berührt und an der roten Ampel Bremsen benutzt, müsste man dann vielleicht schon deshalb einen Velohelm tragen, um nicht erkannt zu werden.

Einen weiteren Umwelt-Sündenbock kann man im Wald ausmachen. Wenn man sich in Dankbarkeit vor Bäumen verneigt, weil sie bei der Fotosynthese Kohlenstoffdioxid aufnehmen, weiss man nur die halbe Wahrheit. Sie richten sich schnell wieder auf, wenn Sie erfahren, dass Bäume bei der Zellatmung und der Zersetzung von Totholz Kohlenstoffdioxid wieder abgeben. Da steigt die Skepsis vor dem nächsten Waldspaziergang.

Andere Atmosphären-Mitbenutzer müssen gar nicht erst in den Wald oder auf die Strasse. Sie wählen die individuelle Variante, indem sie zu Hause bleiben und sich die Lungen in selbstständiger Kleinarbeit mit Nikotin vollharzen. Zigarette für Zigarette. Im Idealfall wohnen qualmende Individualisten noch an einer Hauptverkehrstrasse mit erhöhter Feinstaub-Emission.

Jetzt kommt der wahre Killer. Stickstoffdioxid, das bei der Verbrennung fossiler Energieträger entsteht. Die NZZ informiert mich über eine Metastudie des Helmholtz-Zentrums in München, wonach die Lebenszeit sich wegen dieses Killers um fast einen ganzen Tag verkürzt. Die Lebenserwartung sinkt also, selbst wenn man sonst nicht sündigt, sich ausreichend bewegt und gesund ernährt. Naja, bei diesen Aussichten kann man eigentlich nur hoffen, dass ich das Thema mit den Emissionen nicht ganz richtig verstanden habe.

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