Italienischer Kulturverein spricht auch Deutschschweizer an 

Die Società Dante Alighieri Luzern ist nach 40-jährigem Bestehen aktiver denn je – und das, obwohl sie ihren Versammlungsraum in der Casa d’Italia verloren hat.

Hugo Bischof
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Präsident Leonardo Manfriani (zweiter von links), Vizepräsidentin Mirella Sangiani (vierte von links) und Vorstandsmitglied Emanuele Gariglio (sechster von links) im September 2018 mit Schauspielern nach der Aufführung «Opera Guitta» beim Pavillon am Nationalquai.. Bild pd

Präsident Leonardo Manfriani (zweiter von links), Vizepräsidentin Mirella Sangiani (vierte von links) und Vorstandsmitglied Emanuele Gariglio (sechster von links) im September 2018 mit Schauspielern nach der Aufführung «Opera Guitta» beim Pavillon am Nationalquai.. Bild pd

Der italienische Kulturverein Società Dante Alighieri Luzern feiert sein 40-jähriges Bestehen. Die Zahl der Mitglieder hat sich in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt, auf heute 250. «Gut zwei Drittel davon sind Deutschschweizer, welche die italienische Sprache und Kultur lieben und pflegen», sagt Vorstandsmitglied Emanuele Gariglio, der in Adligenswil wohnt, viele Jahre bei der IAS Tessin in Bellinzona als Informatiker tätig war und vor kurzem pensioniert wurde. «Uns liegt sehr daran, auch den Einheimischen die italienische Kultur näherzubringen – auch jenen, die vielleicht nicht so gut Italienisch können», bekräftigt Vereinspräsident Leonardo Manfriani, der in Winterthur an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW mit Forschungsschwerpunkt Aerodynamik unterrichtet. Bei Lesungen italienischer Schriftsteller, welche die Società veranstaltet, gibt es deshalb fast immer auch eine deutsche Übersetzung, bei Kinovorstellungen deutsche Untertitel, und bei den jährlichen Kulturreisen nach Italien sind deutschsprächige Reiseführer dabei.

25 Veranstaltungen pro Jahr

Rund 25 Veranstaltungen pro Jahr organisiert der Verein heute, deutlich mehr als früher. Gäste in letzter Zeit waren unter anderen die Schriftsteller Stefano Benni, Dacia Maraini, Andrea Fazioli, Andrea Vitali und Anna Felder, Schauspielerin Paola Gassman und Regisseur Alexander Seiler. Dabei pflegt die Società die Zusammenarbeit mit diversen öffentlichen und privaten Institutionen, etwa stattkino, Uni Luzern, Klubschule Migros, IG Kultur, Pro Ticino, LGL (Literaturgesellschaft Luzern), UniTre.

Ihren internationalen Hauptsitz hat die Società Dante Alighieri in Rom. Dort war sie 1889 von italienischen Intellektuellen gegründet worden. Benannt ist sie nach dem Dichter und Philosophen Dante Alighieri (1265-1321), Autor der «Göttlichen Komödie». Ihre Hauptaufgabe ist die Pflege und Verbreitung der italienischen Sprache und Kultur in der Welt. Sie will zudem «die geistigen Bindungen der Landsleute im Ausland mit dem Mutterland wieder aufleben lassen». Heute gibt es mehr als 500 Sektionen, davon mehr als 400 im Ausland (Afrika, Amerika, Europa, Asien und Ozeanien). Die Luzerner Sektion entstand 1979.

Lange Zeit in der Casa d'Italia beheimatet

Die «Dante», wie sie von ihren Mitgliedern liebevoll genannt wird, hatte ihren Versammlungsraum in Luzern früher in der Casa d’Italia an der Obergrundstrasse 92. Der italienische Staat erwarb diese Liegenschaft in den 1930er Jahren, um dort ein Konsulat einzurichten. Auch Teile der Università popolare Unitre Luzern sowie die Kindertagesstätte Asilo Italiano waren hier einquartiert. Das ist Vergangenheit, denn der italienische Staat kündigte den bisherigen Nutzern und verkaufte die Liegenschaft 2018 für an den Meistbietenden, die in Meggen domizilierte Poli Immobilien AG - für 3,75 Millionen Franken (Ausgabe vom 30. November 2018). «Die Abschaffung des Konsulats war eine Entscheidung des italienischen Aussenministeriums», sagt dazu Emanuele Gariglio. «Die Società Dante Alighieri ist keine staatliche Institution und ist zudem statutarisch apolitisch und ideologisch neutral, darum wollen und dürfen wir keine Stellung dazu beziehen.» Dennoch, für Gariglio ist klar:

«Unsererseits bedauern wir den Verlust natürlich sehr.»

Seither muss sich die Società Dante Alighieri Luzern für ihre Events an wechselnden Orten einmieten, häufig im Pfarreizentrum St. Karli oder im Maihof. Finanziert wird dies unter anderem durch die Mitgliederbeiträge (Erwachsene 50 Franken, Studenten 30 Franken, Ehepaare 70 Franken). «Es wäre toll, wenn wir wieder einen eigenen Raum hätten», sagt Manfriani. Er hat das Vereinsarchiv zurzeit im Keller seiner Wohnung in Stans eingelagert. Diese ist momentan auch die offizielle Vereinsadresse. 

Eine Rückkehr in die Casa d'Italia ist derzeit kein Thema. Die neue Besitzerin, die Poli Immobilien AG, hat gemäss ihrem Verwaltungsratspräsidenten und Mitbesitzer Franz Glanzmann das Gebäude inzwischen saniert und wieder instandgestellt:

«Unter anderem mussten wir das undichte Dach reparieren.»

 Glanzmann will das Gebäude erhalten und es neu vermieten: «Wir stehen kurz vor dem Abschluss mit einem neuen Mieter.» Geplant ist, neben der Villa einen Zusatzbau zu errichten.

Jubiläumsanlass ist öffentlich, Eintritt gratis

Am Jubiläumsanlass der Società Dante Alighieri Luzern findet am Samstag, 16. November, um 18 Uhr im Auditorium des KKL Luzern statt. Dabei wird unter anderem der 2019 entstandene dokumentarische Spielfilm «io, Leonardo» über das Leben des vor 500 Jahren verstorbenen Genies, Künstlers und Universalgelehrten Leonardo da Vinci gezeigt. Als Gast aus Italien wird die Gruppe «La Rossignol», mittelalterliche Musik in originalen Kostümen präsentieren. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt gratis. Der Anlass wird von der italienischen Botschaft und dem italienischen Konsulat unterstützt und entstand in Zusammenarbeit mit der Associazione Montarsolo.

www.dantelucerna.ch, www.ladante.ch, www.facebook.com/dantelucerna

Casa d'Italia in Luzern wurde verkauft

Der italienische Staat hat das Grundstück in Luzern, auf dem das Gebäude der Casa d'Italia steht, an eine Immobilienfirma in Meggen verkauft. Die Genossenschaft Casa d'Italia ist enttäuscht.
Hugo Bischof

100 Jahre Kultur vor dem Hammer retten

Für die italienische Genossenschaft wird es eng: Sie muss möglichst schnell über 800 000 Franken sammeln. Gelingt ihr das nicht, wird die Casa d'Italia in Luzern versteigert. Damit würde ein grosses Stück italienischer Migrationsgeschichte zerstört.
Sandra Monika Ziegler