JAGD: Jeder dritte Hirsch wird erlegt

In den letzten vier Jahren ist die Zahl der Hirsche um 80 Prozent gestiegen. Weil sie anderen Tieren den Platz streitig machen, wird der Bestand stark reguliert.

Merken
Drucken
Teilen
Erfolgreiche Hirschjagd: ein Jäger und sein erlegtes Tier im Unterengadin. Keystone/Arno Balzarini (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Erfolgreiche Hirschjagd: ein Jäger und sein erlegtes Tier im Unterengadin. Keystone/Arno Balzarini (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

Niels Jost

Sie werden bis zu 120 Kilo schwer, und das Geweih der männlichen Tiere ist ihr grösstes Merkmal: die Rothirsche. Deren Bestand wächst im Kanton Luzern rasant. Waren es im Jahr 2010 noch 136 Tiere, zählte man vergangenes Jahr bereits 245 – eine Zunahme von 80 Prozent. Entsprechend stark muss in deren Bestand eingegriffen werden. In der Jagdsaison 2014 wurden 85 Hirsche erlegt – das ist gut ein Drittel aller Hirsche. Auch Ende November – nach der aktuellen, noch laufenden Hirschjagd – werden die Zahlen ähnlich ausfallen. «Bis dato wurden bereits 80 Rothirsche erlegt. Der Bestand darf noch wachsen, soll aber nicht explodieren», sagt Thomas Stirnimann, Abteilungsleiter Natur, Jagd und Fischerei bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern (Lawa), auf Anfrage.

Hirsche aus den Nachbarkantonen

Die Regulierung des Hirschbestandes beginnt bereits bei den Jungtieren. «Der verstärkte Eingriff in die Jugendklasse soll verhindern, dass in zwei bis drei Jahren zu viele Rotwildkälber gross geworden sind und sich vermehren», erklärt Thomas Stirnimann. Die Jagd auf die Kälber begann heuer einen Monat früher als im letzten Jahr, am 1. Oktober.

Mehr Hirsche sind auch in den Luzerner Nachbarkantonen Obwalden und Bern auszumachen. Dadurch stiegen in den vergangenen Jahren die Bestände im Entlebuch und am Pilatus an – und machen anderen Tieren, etwa den Gämsen, den Lebensraum streitig. Auswirkungen auf deren Bestand hat das den jüngsten Zahlen zufolge allerdings kaum. Von 1621 Gämsen wurden letztes Jahr 236 geschossen, das sind 15 Prozent. In der aktuellen Jagdsaison wurden bereits gut 160 erlegt.

Bereits drei Wildschweine erlegt

In der letztjährigen Jagdstatistik auffällig ist auch die Abschusszahl der Wildschweine: Sechs Tiere wurden erlegt, so viele wie in den vorhergehenden sieben Jahren zusammen nicht mehr. Wie die Hirsche sind wohl auch die Wildschweine zugewandert, aus dem Raum Aargau/Solothurn.

Da sich die Allesfresser sehr schnell vermehren können, ist deren Bestand unter besonderer Beobachtung. «Dieses Jahr wurden bereits drei Wildschweine erlegt, zwei weitere verunfallten auf der Strasse», sagt Thomas Stirnimann. Wildschweine dürfen im Kanton Luzern bereits seit Juli geschossen werden. Ihre Jagdzeit dauert noch den ganzen Winter bis Ende Februar.

Hirsche im Scheinwerferlicht zählen

Die Bestände der einzelnen Tierarten werden jeden Frühling neu gezählt. Bei den Rehen übernehmen diese Arbeit die 123 Jagdgesellschaften in ihren Revieren. Die Jäger registrieren die Rehe etwa vom Hochsitz aus an einem Morgen und Abend. «Um Doppelzählungen zu vermeiden, tauschen die Jäger ihre Informationen aus», sagt Thomas Stir­ni­mann. «Da aber nie alle Rehe beobachtet und erfasst werden können, gibt es immer auch eine Dunkelziffer.» Letztes Jahr wurden im Kanton Luzern rund 7757 Rehe gezählt. Rehe sind die am stärksten verbreiteten Wildtiere im Kanton.

Die Zählung bei den Gämsen gestaltet sich einfacher, da sie sich meist über der Waldgrenze in Rudeln bewegen. Und bei den Hirschen? «Nachts werden bestimmte Wegstrecken mit dem Auto abgefahren und die Hirsche im Scheinwerferlicht gezählt», erklärt Stirnimann. Diese Zahlen werden auch mit den Beobachtungen der Jäger abgeglichen.

Verbiss ist Indiz für Tierbestand

Anhand dieser Bestandszahlen definieren die Experten des Kantons in enger Absprache mit den Förstern die Regulierung. Die Förster orientieren sich am Verbiss der Vegetation und an der Funktion des Waldes: «Je grösster der Verbiss, desto stärker muss in den Bestand eingegriffen werden. Insbesondere dann, wenn der Wald eine Schutzwaldfunktion hat. Ist kein Verbiss feststellbar, dürfte der Bestand sogar erhöht werden», sagt Thomas Stirnimann vom Lawa. Werde das berücksichtigt, werde eine nachhaltige Jagd ermöglicht, mit angestrebten Tierbeständen, die gesund seien und ihren Lebensraum nicht beeinträchtigten.

Die Jagdsaison im Kanton Luzern dauert je nach Tierart unterschiedlich lang. Gämse und Rehe dürfen noch bis Mitte Dezember gejagt werden. Spätestens im Frühling darf die Flinte nicht mehr auf ein Tier gerichtet werden, dann ist Schonzeit.

Bild: Grafik: Janina Noser

Bild: Grafik: Janina Noser