JAGD: «Tiere müssen Chance haben»

Die hiesige Treibjagd läuft seit einer Woche. Ein Besuch bei der Jagdgesellschaft Ermensee-Erlosen zeigt: Respekt gegenüber Tieren und Kameradschaft werden grossgeschrieben.

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Die Jäger der Jagdgesellschaft Ermensee-Erlosen erweisen den erlegten Tieren – zwei Rehen und einem Fuchs – die letzte Ehre. (Bild: Dominik Wunderli)

Die Jäger der Jagdgesellschaft Ermensee-Erlosen erweisen den erlegten Tieren – zwei Rehen und einem Fuchs – die letzte Ehre. (Bild: Dominik Wunderli)

Ein Rascheln im Gebüsch. Der Puls steigt, alle Sinne sind geschärft. Ein Jagdhund beginnt wild zu bellen, und schon flitzt das Reh hinter uns vorbei. Vorbei ist auch die Chance, das Reh zu erlegen – vorerst. Denn es sollte nicht die letzte Begegnung an diesem Tag sein.

Unsere Zeitung begleitete gestern Freitag die Jagdgesellschaft Ermensee-Erlosen bei der Jagd. Wir treffen uns morgens bei der Jagdhütte nahe Herlisberg, die Aussicht auf den Baldegger- und Hallwilersee ist prächtig – trotz neblig-kühlem Wetter. «Mal schauen», sagt David Estermann, Präsident der Jagdsektion Seetal, auf die Frage, ob denn heute ein Tier erlegt wird. «Das viele Laub erschwert uns die Sicht. Und der Boden ist relativ trocken, das macht es schwieriger für die Hunde, eine Fährte zu wittern.»

Keine Zeit zum Schwatzen

Zeit zum Schwatzen bleibt keine. Obmann Bruno Albisser begrüsst mit einem herzhaften «Weidmannsgruss» bereits alle 27 Anwesenden zur Gesellschaftsjagd. Mitpächter des Jagdreviers und Gäste werden speziell erwähnt. Anschliessend kommt Jagdleiter Hubert Kleeb zu Wort: Aufgaben werden auf Treiber und Jäger aufgeteilt, Gäste nach ihrem Jagdpass befragt. Füchse, Dachse, Marder und Rehe dürfen erlegt werden.

Wir helfen zuerst beim Treiben. Orange Weste an und ab gehts in den Wald. Die Jagdhunde jaulen bereits heftig und zerren an ihren Leinen. Noch während Treiberchef Richard Joos uns Jagdneulingen die wichtigsten Regeln erklärt, geht das Jaulen der Hunde in wildes Bellen über. «Sie haben eine Fährte», sagt Richard Joos. Und schon hüpft das Reh in vollem Tempo hinter uns ab ins Dickicht, noch bevor wir überhaupt mit dem Treiben begonnen haben. «Halb so schlimm», meint Joos. «Die Tiere müssen auch eine Chance haben, zu entkommen.» Dadurch würden vor allem schwächere Tiere erlegt.

78 Rehe in einem Jahr

Die Jagdgesellschaft Ermensee-Erlosen will heuer 78 Rehe erlegen, die Zahl beinhaltet auch Fallwild, also Tiere, die durch Unfälle ums Leben kommen. An zehn Tagen gehen sie dafür auf die Jagd. Die Zahlen werden jedes Jahr gemeinsam mit dem Förster und der Dienststelle Landwirtschaft und Wald anhand des Bestandes festgelegt. «Bei der Jagd geht es um Bestandsregulierung, Kameradschaft und um die Unterstützung bei der Landschaftspflege», erzählt David Estermann. Eingriffe seien nötig, da es keine natürlichen Feinde mehr gibt wie den Luchs oder Wolf. «Mit sinnlosem Töten hat das nichts zu tun.» Letztes Jahr wurden im ganzen Kanton Luzern 3615 Rehe erlegt, 649 waren Fallwild.

Die Tiere werden weggebracht. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
31 Bilder
Ein aufgescheuchtes Jung-Reh rennt vor einem Jagdhund davon. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Jagd im Wald bei Römerswil. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Bei der Lagenbesprechung. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Jagd im Wald bei Römerswil. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Die Jäger besprechen sich. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ
Robert Stocker ist Standtreiber. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Jagd in Römerswil. Ein Standtreiber treibt das Wild auf die Jäger zu. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Jagd im Wald bei Römerswil. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Ein aufgescheuchtes Jung-Reh rennt vor einem Jagdhund davon. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ
Blick auf die Beute. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Albin Bründler hat ein Reh erlegt. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Jagd in Römerswil. Albin Bründler hat ein Reh erlegt (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Der Jäger und seine Beute. Albin Bründler hat ein Reh erlegt und steht davor. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Albin Bründler hat ein Reh erlegt. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Robert Stocker ist Standtreiber. Er treibt das Wild auf die Jäger zu. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Robert Stocker ist Standtreiber. Er treibt das Wild auf die Jäger zu. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Albin Bründler hat ein Reh erlegt. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ
Die Jäger besprechen sich. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Die Jäger besprechen sich. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Hier kommt ein geschossener Fuchs dazu. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Erbeutetes Wild. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Jagd im Wald bei Römerswil. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Die Tiere werden weggebracht. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Es wird berichtet und erzählt. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Es wird berichtet und erzählt. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Jagd im Wald bei Römerswil. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Die Tiere werden weggebracht. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Die Tiere werden weggebracht. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

£Im 1380 Hektaren grossen Jagdrevier der Jagdgesellschaft Ermensee-Erlosen werden vor allem Rehe und Füchse erlegt. Deren Treibjagd ist im Kanton Luzern seit Anfang Oktober erlaubt, Rehböcke sind bereits seit dem 1. Mai jagdbar. Noch bis Mitte Dezember dauert deren Jagdzeit, jene der Füchse bis Ende Februar.
Ein Schuss werde nur dann abgefeuert, wenn sich der Jäger «absolut sicher» sei, zu treffen, erklärt Jäger Armin Geissmann. Tierart, Geschlecht und Alter müssen blitzschnell erkannt werden. Geissmann dürfen wir nach dem Treiben durch dickstes Dickicht bei der zweiten Treibjagd des Morgens begleiten.

Wir nehmen unsere Position für die nächste halbe Stunde ein, sollen uns möglichst wenig bewegen. Plötzlich wird die Stille des Waldes durch einen entfernten Schuss gestört. Drei Töne aus dem Jagdhorn folgen. «Jemand hat ein Reh erlegt», klärt Armin Geissmann auf. Sicherheitshalber wird noch am Jägerstand die Waffe entladen. Den Tieren werden noch im Wald die Innereien entnommen, und es wird ihnen die letzte Ehre erwiesen. Ein Tannenzweig wird dafür ins Maul gelegt.

«Ethik ist uns wichtig»

Respekt gegenüber den Tieren und der Natur wird in der Jagdgesellschaft grossgeschrieben. Am Ende des Tages und zurück bei der Jagdhütte bei Herlisberg wird die Beute auf Tannenzweige gelegt und für jede erlegte Tierart das Todsignal geblasen. «Die Ethik ist uns sehr wichtig», betont Obmann Bruno Albisser. Kurz darauf bereitet Jagdleiter und Metzger Hubert Kleeb die Tiere noch vor Ort für die Weiterverarbeitung in der Metzgerei vor. Das Rehfleisch kauft der Metzger der Jagdgesellschaft ab. Und das Fell des Fuchses soll am Markt verkauft werden.

An diesen Daten ist Jagen erlaubt

Zentralschweizjon. In Zugdauert die Niederwildjagd vom 1. Oktober bis zum 30. November (montags, mittwochs und samstags). In Nidwaldenbeginnt die Niederwildjagd am 15. Oktober und dauert bis zum 4. November. Die Reh-, Niederwild- und Wasserwildjagden in Obwaldenhaben am 5. Oktober begonnen und dauern bis am 24. Oktober respektive 30. November und 27. Februar. In Schwyzläuft derzeit die Niederwildjagd (1. Oktober bis 30. November) und die Haarraubwildjagd: (1. Oktober bis 13. Februar). In Uribeginnt die Niederwildjagd am Montag und dauert bis am 30. November.

Niels Jost