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Jagdgesellschaft lässt Vater und Sohn vor Willisauer Bezirksgericht antraben

Wegen falsch parkierter Autos von Jägern soll ein Landwirt einer Luzerner Landgemeinde handgreiflich geworden sein.
Evelyne Fischer
(Symbolbild: Nadia Schärli, Kriens, 20. Oktober 2017)

(Symbolbild: Nadia Schärli, Kriens, 20. Oktober 2017)

Nur Fuchs und Hase wissen vermutlich, was sich an jenem Herbsttag konkret in einer Luzerner Landgemeinde abgespielt hat: Die Treibjagd vom 4. November 2017 ist der Grund dafür, dass am Mittwoch Vater und Sohn im Geländewagen zum Bezirksgericht Willisau fuhren. Die Landwirte, die auf dem gleichen Hof wohnen, hatten Einsprache gegen ihre Strafbefehle erhoben.

Dem heute 56-jährigen Vater wird vorgeworfen, er habe sich der versuchten Nötigung, der Tätlichkeiten, der Störung des Jagdbetriebs und der unerlaubten Selbsthilfe schuldig gemacht. Die letzten beiden Punkte werden auch dem Sohn angelastet. Der 23-Jährige sieht sich mit einer Busse und Verfahrenskosten von 550 Franken konfrontiert; sein Vater hat rund 1300 Franken zu berappen, zusätzlich zu einer bedingten Geldstrafe von 300 Franken.

Laut Strafbefehl waren an jenem Tag unter anderem ein Jagdleiter, ein Jagdgast sowie vier Jagdpächter im Wald unterwegs. Sie hatten vier Autos auf der Liegenschaft der Bauern parkiert. Das kam diesen ungelegen: Sie mussten Platz schaffen für Gerüstmaterial und wollten wegen des angekündigten Schneefalls Siloballen in die Scheune bringen. «Ich entschloss mich, zusammen mit meinem Sohn jeden Jäger aufzusuchen», erklärte der ältere Beschuldigte dem Einzelrichter. Er habe also unter anderem dem Jagdgast gesagt, «er solle so gut sein und sein Auto wegstellen».

Polizist war als Gast an der Jagd mit dabei

Was danach geschah, ist umstritten: Der Jagdgast, ein Polizist, behauptet, ihm sei gesagt worden, er solle sich vom Grundstück entfernen. Der ältere Bauer soll laut Strafbefehl gar seine Waffe ergriffen und gedroht haben, diese gegen einen Baum zu schlagen. Dazu meinte der Beschuldigte:

«Ich habe so etwas nie gesagt und die Waffe nie berührt.»

Sein Sohn, der nicht aktiv ins Geschehen eingegriffen hatte, stützte dies.

Aussage gegen Aussage steht es auch bei einem weiteren Vorfall: Oberhalb einer Waldstrasse, in steilem Gelände, stand ein Jagdpächter. «Damit ich nicht so laut reden musste, stieg ich zu ihm hoch», sagte der ältere Beschuldigte. Auch diesen Jäger habe er gebeten, umzuparkieren. Dieser soll dem Bauern darauf aufgebracht entgegnet haben: «Verschwinde, du hast hier nichts zu melden.» Laut Strafbefehl packte der Bauer den Jagdpächter am Kragen und stiess gegen dessen Knie.

Das stimme «absolut nicht», sagte der Beschuldigte vor Gericht. Der Jagdpächter, mit dem Gewehr in der rechten Hand, habe sich zu ihm gedreht und ihn mit der linken Faust schlagen wollen. Da habe er abwehrend an die Jacke gegriffen und mit dem Bein einen Tritt ans Knie abgewehrt. Den Mann selber zu treten, wäre aufgrund seiner Gehbehinderung gar nicht möglich gewesen – das ist ärztlich attestiert. Geht es nach dem Beschuldigten, so haben ihn der Jagdpächter und der Polizist mit Falschaussagen «in die Pfanne hauen wollen». Warum, wisse er nicht.

Verteidiger verweist auf Ungereimtheiten

Der Verteidiger des Vaters – derselbe, der letzte Woche den Ex-Kripo-Chef im Fall Malters vertrat – beantragte, das Verfahren einzustellen und den Vater freizusprechen. Der Sohn, ohne Rechtsvertreter, verwies auf das Plädoyer des Verteidigers.

Der Anwalt zeigte Ungereimtheiten auf: Eingereicht habe die Strafanzeige eine Person im Namen der Jagdgesellschaft, ohne an der Jagd teilgenommen zu haben.

«Er hat die Strafanzeige vom Hörensagen verfasst.»

Punkto Nötigung schildere die Anklage gemäss Strafbefehl den Sachverhalt «nicht ausreichend präzise». Als Zeuge sei einzig der Polizist befragt worden, «der sich aufspielte» und «Aussagen zu Nebensächlichkeiten machte, die sich als falsch herausstellten». So behauptete dieser, er habe keine Ortskenntnisse, sagte aber zugleich, er sei «seit 20 Jahren als Gast dort hinten auf der Jagd». Sein Gewehr habe er an eine Buche gelehnt. «Doch dort gibt es keine Buchen.» Der Verteidiger liess durchblicken: Offenbar haben die Involvierten eine Vorgeschichte. Diese wollte er aber nicht ausführen. Das Urteil wird schriftlich eröffnet.

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