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JAHRESKONZERT: Feldmusik Rain ergründet die russische Seele

Musik kann ein Tor zu fremden Welten sein. So führte die Feldmusik Rain unter neuer Leitung am Wochenende nach Russland.
Die neue Dirigentin Hagia Pastor im Einsatz am Jahreskonzert der Feldmusik Rain. (Bild: Nadia Schärli (Rain, 26. Januar 2018))

Die neue Dirigentin Hagia Pastor im Einsatz am Jahreskonzert der Feldmusik Rain. (Bild: Nadia Schärli (Rain, 26. Januar 2018))

Russe zu sein, bedeute, eine besondere Lust am Leiden zu empfinden: eine doch eher nachdenkliche Einschätzung seiner Landsleute, die Fjodor Dostojewski im vorletzten Jahrhundert zu Papier brachte – und nicht gerade die erbauenden Worte, die man in einer Mehrzweckhalle zu Beginn eines Jahreskonzerts erwartet. Doch das Publikum musste sich keineswegs auf einen traurigen Abend einstellen. In den viel zitierten Tiefen der russischen Seele finden sich durchaus andere Gefühlsregungen. Diese spürten die Rainer Musikanten auf und brachten sie an die Oberfläche.

So begann der Abend gleich mit einem Weckruf; dem rasanten «Säbeltanz» von Aram Khachaturian. Leiden mussten hier allenfalls die Klappen und Ventile der Instrumente.

Russische Pianistin als neue Dirigentin

Besinnlicher erklangen zwei Sätze aus den «Polowetzer Tänzen» von Alexander Borodin. Das Konzerterlebnis war umso bemerkenswerter, wenn man bedachte, dass Borodin eigentlich Chemiker war und der Musik bloss als Hobby frönte. Ein talentierter Freizeitkomponist also, der von talentierten Freizeitmusikern gefühlvoll interpretiert wurde. Keineswegs ein Freizeitkomponist, sondern einer, der im Westen bekannteren Schöpfer russischer Musik, steuerte das Hauptwerk zum Abend bei. Mit vier Teilen aus Modest Mussorgskys «Bildern einer Ausstellung» demonstrierte das Blasorchester die emotionale Vielfalt der Musik.

Dass die Feldmusik Rain sich für russische Musik entschieden hatte, war kein Zufall. Es war das erste Jahreskonzert unter der Leitung von Hagia Pastor. Die russische Pianistin hat hierzulande ihre zweite Karriere als Dirigentin gestartet. Anfänglich noch im sinfonischen Bereich tätig, trat sie mit Engagements bei den Musikgesellschaften Niederbipp und Eich in die lokale Blasmusikszene ein. Was hat sie bewogen, vom Klavier zum Taktstock zu wechseln? «Es reizt mich, neue Klänge und neue musikalische Sprachmöglichkeiten zu suchen.»

Die von Hagia Pastor gesuchte Vielfalt kam im zweiten Konzertteil vermehrt zum Tragen. Tschaikowskys «Nussknacker» erklang in einer modernen Boogie-Woogie-Interpretation, der 70er-Disco-Schlager «Moskau» verbreitete Festzeltatmosphäre, und Hans Hartwigs Potpourri «Russisches Tagebuch» stellte den westlichen Blick auf Russland dar.

Und wie erlebten die Rainer Musikanten die erste Saison mit ihrer russischen Dirigentin? Wurde viel gelitten? Präsident Roland Schacher: «Es ist eine Herausforderung. Man muss sich zuerst kennen lernen, lernen, miteinander zu kommunizieren.» Hagia Pastor pflichtete dem bei: «Es ist wie eine Beziehung. Man braucht Zeit, um zusammenzuwachsen.»

Das Publikum machte jedenfalls keinen gequälten Eindruck. Die junge Beziehung zwischen Dirigentin und Orchester hat ihre Feuertaufe bestanden.

Manuel Burkhard

kanton@luzernerzeitung.ch

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