Hilfsbereitschaft, eine historische Enthüllung und Hochwasser: Ein Blick zurück auf das Jahr 2020
Zentralschweizer Jahresrückblick

Hilfsbereitschaft, eine historische Enthüllung und Hochwasser: Ein Blick zurück auf das Jahr 2020

Bild: Matthias Jurt (Urdorf, 30. März 2020)

Eine aufgedeckte Affäre – bei einem Verkehrsbetrieb. Ein letzter Abflug – eines riesigen Transportflugzeugs. Ein unerwarteter Abschied – eines Team-Captains. Das Jahr 2020 hielt neben der Pandemie viele Überraschungen bereit.

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Gemeinsam durch die Krise: Zentralschweizer helfen

Die Pandemie hat uns gelehrt, wie wichtig der Zusammenhalt ist. Auch in unserer Region war, gerade während der ersten Welle, eine grosse Solidarität zu spüren.

Nachdem der Bundesrat Mitte März die ausserordentliche Lage ausgerufen hatte, wurden innert kürzester Zeit überall in den Zentralschweizer Kantonen Hilfsangebote, wie für Risikopatientinnen und Risikopatienten den Einkauf zu erledigen oder Medikamente zu besorgen, aus dem Boden gestampft. Um diese zu koordinieren, haben Privatpersonen zudem Internetseiten wie www.obwalden-hilft.ch sowie Facebook-Gruppen mit Namen wie «Nidwaldner helfen Nidwaldnern» oder «Wir helfen! Kanton Uri» gegründet. Und bei der Dargebotenen Hand Zentralschweiz gingen täglich mehrere Anrufe von Freiwilligen ein, die ein offenes Ohr für andere haben und beim Sorgentelefon aushelfen wollten.

Ganz nach dem Motto «Not macht erfinderisch» entstanden zudem laufend neue Ideen, um die Situation erträglicher zu machen. So stellten diverse Sportanbieter, die während mehrerer Wochen ihre Türen schliessen mussten, auf Onlinekurse um. Der Baarer Sami Ben Mahmoud war einer davon. Und weil «alle zu Hause sitzen und sich nicht gross bewegen können», machte er seine Trainingseinheiten für die ganze Bevölkerung gratis zugänglich. An einem Abend versammelten sich gar über 100 Personen vor ihren Bildschirmen und boxten zusammen. Der Beweis, dass auch digital ein Gemeinschaftsgefühl entstehen kann.

Sami Ben Mahmoud bietet Kampfkunstkurse im Internet an. Sein Sohn Malik hilft mit.

Sami Ben Mahmoud bietet Kampfkunstkurse im Internet an. Sein Sohn Malik hilft mit.

Bild: Matthias Jurt (Urdorf, 30. März 2020)

Wegen des guten Zusammenhalts wurde die Luzerner Gemeinde Ruswil im September schliesslich zum «Schweizer Dorf des Jahres 2020» gekürt. Denn anders als in den Vorjahren wurde heuer nicht nach dem schönsten, sondern nach dem hilfsbereitesten Dorf gesucht.

In Ruswil wurden nicht nur etwa Einkaufshilfen und Telefonketten für ältere Menschen sowie digitale Schnitzeljagden und Tanzvideos für die ganze Familie organisiert, auch Dutzende Flaggen mit aufmunternden Sprüchen schmückten das Dorf. Und: Eine Ruswilerin fing damit an, als Dank an alle Helferinnen und Helfer im Gesundheitsbereich Sonnenblumen zu pflanzen – später machten Bauernbetriebe aus der ganzen Schweiz mit. (Livia Fischer)

Zuger Crypto AG: Eine wahre Verschwörung

Es war die Enthüllung des Jahres: Über die Chiffriergeräte der Zuger Crypto AG spionierten zwei fremde Geheimdienste über Jahre hinweg andere Staaten aus.

Jahrzehntelang wurde in der Schweiz gemunkelt, eine kleine Zuger Firma namens Crypto AG mache gemeinsame Sache mit dem US-amerikanischen Geheimdienst. Wirklich daran glauben mochten allerdings nur die wenigsten. Zu weit hergeholt schien die Geschichte, zu sehr klang sie nach einer romanesken Verschwörung aus der Zeit des Kalten Kriegs. Im Februar dieses Jahres zeigte sich dann aber: Die Gerüchte waren wahr – und noch mehr als das.

Gestützt auf anfängliche Recherchen der SRF-«Rundschau», des ZDF und der «Washington Post», konnten Schweizer Medien erstmals aufzeigen, dass die Crypto AG, eine bis heute aktive Herstellerin von Chiffriergeräten mit Sitz in Steinhausen, lange Zeit im Besitz des US-amerikanischen und deutschen Geheimdienstes gewesen war. Diese hatten die Firma 1970 verschleiert über eine Stiftung in Liechtenstein gekauft.

In der Folge wurde in die Geräte heimlich eine Hintertür eingebaut, sodass die involvierten Geheimdienste – wohl auch jener der Schweiz – die Nachrichten aller Kunden mitlesen konnten, denen die Geräte verkauft wurden.

Über die Zuger Firma Crypto lief eine weltweite Spionageaktion.

Über die Zuger Firma Crypto lief eine weltweite Spionageaktion.

Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 11. Februar 2020)

Zum Kundenkreis der Crypto AG gehörten damals Regierungen aus über 100 Ländern. Und so wurden über die Jahre Hunderttausende geheime Nachrichten zwischen Regierungsstellen, Behörden, Botschaften und militärischen Stellen systematisch abgefangen. Mithilfe der daraus gewonnenen Informationen soll gar die Weltpolitik beeinflusst worden sein, etwa die Camp-David-Verhandlungen im Jahr 1979.

Nach der Enthüllung der Geschehnisse rund um die Crypto AG, die fortan als «Crypto-Leaks» bekannt werden sollten, eröffnete der Bund eine Untersuchung gegen die Firma und beschlagnahmte knapp 400 Chiffriergeräte. Vergangene Woche wurde das Verfahren schliesslich eingestellt. Es gebe keine Hinweise auf Widerhandlungen gegen das Exportkontrollrecht, so die Begründung. Nicht restlos geklärt bleibt derweil die Frage, wer wann was genau wusste. (Gregory Remez)

Überschwemmungen in Luzern und Uri: Plötzlich war Land unter

Strassen wurden geflutet, Keller überschwemmt. 620 Notrufe gingen ein und 27 Feuerwehren standen im Einsatz: Am Abend des 2. Julis versetzten heftige Niederschläge den Kanton Luzern in einen Ausnahmezustand. Die Gebiete Entlebuch, Malters, Hochdorf sowie die Stadt Luzern waren besonders stark betroffen.

Ein Selfie muss sein! Solch ein Bild bietet sich nicht alle Tage an der Haldenstrasse in Luzern.
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Hochwasser und Überschwemmung auf der Haldenstrasse beim Verkehrshaus: Die Feuerwehr war im Grosseinsatz.
Hochwasser und Überschwemmung nach einem starken Unwetter auf der Haldenstrasse beim Verkehrshaus am Donnerstag, 2. Juli 2020.
In diesem Audi auf der Haldenstrasse steht das Wasser im Fussbereich.
Die Haldenstrasse glich am Donnerstagabend einem kleinen Fluss mitten in der Stadt.
Ein surreales Bild: Dieser Feuerwehrmann bahnt sich den Weg durch die Fluten zu Fuss.
Hochwasser auf dem Littauerberg.
Wo ist denn bitte die Strasse? Auf der Haldenstrasse ist es schlammig und die eigentliche Strasse ist kaum mehr zu erkennen.
Hochwasser und Überschwemmung nach einem starken Unwetter auf der Haldenstrasse beim Verkehrshaus.
Die Feuerwehr hatte viel zu tun am Donnerstagabend. Knöcheltief steht dieser Feuerwehrmann im Wasser.
Land unter vor dem Verkehrshaus in der Stadt Luzern.
Dieser Biker nimmt's mit Humor.
Diese Beiden haben das Unwetter für ein Bad auf der Haldenstrasse genutzt.
Das Unwetter hat eine riesige Überschwemmung auf der Haldenstrasse beim Verkehrshaus verursacht. Autos glichen Amphibienfahrzeugen.
Es hat so heftig geregnet, dass man sogar auf der Haldenstrasse schwimmen gehen konnte.
Die Strasse beim Verkehrshaus war am Donnerstagabend komplett überflutet. Autos gleichen Amphibienfahrzeugen.
Ein einsames Velo bei der überschwemmten Haldenstrasse.
Land unter auf der Haldenstrasse.
Das Auto bei Sempach Station ist im Wasser stecken geblieben.
Wenn man mit dem Zug bei Sempach Station vorbei fährt, bietet sich dieses eindrückliche Bild des stecken gebliebenen Autos.
Die Haldenstrasse wurde vom Unwetter stark getroffen.
Kein Durchkommen mehr auf der Hellbühlstrasse in Malters.
So sah es in Neuenkirch aus.
Gefährlich: Auf der Autobahn A2 bei Rothenburg hatte es ebenfalls viel Wasser auf der Strasse.
So präsentiert sich die Schiffstation Seeburg am Donnerstagabend während dem starken Regen.
In Neuenkirch bildete sich ein See in einem Quartier.
Eindrückliche Bilder aus Neuenkirch.
Die Ron ist auf Höhe Schindler in Ebikon über die Ufer getreten.
Das Unwetter hat diverse Keller und Garagen überflutet: Gaby Blätter mit ihrem Schwiegersohn am Wasser schöpfen im Neuhof Quartier in Emmenbrücke.
Das Unwetter hat diverse Keller und Garagen überflutet: Gaby Blätter mit ihrem Schwiegersohn am Wasser schöpfen im Neuhof Quartier in Emmenbrücke.
Überschwemmung auch auf der Autostrasse Malters-Schachen.
Überschwemmung in Malters.
Überschwemmung in Malters.
Und so sah es an gleicher Stelle am Freitagmorgen aus: Starke Verwüstungen in der Sporthalle Oberei in Malters. Der Bach nebenan konnte die Wassermassen nicht mehr bewältigen. Die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren. Das Wasser wird jetzt abgepumpt.
Starke Verwüstungen nach intensiven Regenfällen in der Sportanlage Oberei. Der Fussballplatz steht unter Wasser. Der Bach nebenan konnte die Wassermassen nicht mehr bewältigen.
Das Unwetter vom Donnerstagabend hinterliess bei der Sporthalle Oberei in Malters starke Verwüstungen. Der Fussballplatz steht unter Wasser. Der Bach nebenan konnte die Wassermassen nicht mehr bewältigen.
Heftiger Niederschlag ging auch über Schachen nieder. Bäche treten über die Ufer und über die Felder bilden sich grosse Seen.
Auf diesem Bild ist gut zu erkennen, woher der See auf dem Feld in Schachen stammt.
Eine Tiefgarage stand in Inwil unter Wasser.
Nach dem Unwetter ist Entsorgen angesagt.
Beschädigtes Treppenhaus, nachdem ein Mehrfamilienhaus vom 5. Stock her abwärts überflutet wurde.

Ein Selfie muss sein! Solch ein Bild bietet sich nicht alle Tage an der Haldenstrasse in Luzern.

Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 2. Juli 2020

Dabei entstand ein ganz besonderes Foto, das die Region ins Staunen brachte: Ein junger Mann stürzte sich beim Verkehrshaus ins Wasser und ging auf der überflutenden Haldenstrasse spontan baden.

Das Kind in ihm wollte schwimmen gehen: Der Luzerner Omantekaya überraschte mit dieser Aktion.

Das Kind in ihm wollte schwimmen gehen: Der Luzerner Omantekaya überraschte mit dieser Aktion.

Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 2. Juli 2020)

Später sagte er: «Mir ging es um den persönlich Umgang mit schwierigen oder aussergewöhnlichen Situationen. Ich bin der Meinung, dass die Menschen wieder mehr auf die kindliche Stimmen in sich hören und nicht immer alles so todernst nehmen sollten. Ich stehe für mehr Sorglosigkeit ein und will die Leute daran erinnern, dass das Leben schön ist.»

Exakt drei Monate später wurde dann im Kanton Uri, in Seedorf, der Hochwasseralarm der Reuss ausgelöst. An mehreren Orten trat der Fluss über die Ufer, Schäden an Gebäuden konnten jedoch weitgehend verhindert werden. Damit die Reuss nicht in die Dörfer fliesst, wurde sie nämlich über die Autobahn A2 geleitet – ein Hochwasserkonzept, das wie geplant funktionierte. (Livia Fischer)

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Die Reuss tritt über die Ufer und überschwemmt die Autobahn A2.
Kurz vor der Mündung in den Urner See ist die Reuss über die Ufer getreten.
Die Reuss bei Seedorf
Die Reuss bei der Mündung in den Urnersee
Viele Leute wollten sich die überschwemmte Autobahn und die Reuss ansehen. Die Reussbrücke in Seedorf wurde zum Treffpunkt der Bevölkerung.
Unterhalb der Autobahnauffahrt in Seedorf lief das Wasser über die Reuss in Richtung Naturschutzgebiet.
Die Reuss lief kontrolliert über. Ein Bild von der Autobahnauffahrt in Flüelen Richtung Seelisberg.
Kleinere Strassen sind wegen Hochwassergefahr nicht begehbar.
Das Geländer auf der Reussbrücke wurde entfernt, damit Baumstämme ungehindert die Reuss hinabfliessen können.
Die Autobahn A2 wurde in der Nacht auf Samstag vorsorglich gesperrt.
Die Autobahn A2 ist überflutet mit Wasser. Dies gehört zum Hochwasserschutzkonzept von Uri.
In Seedorf tritt die Reuss nach heftigen Regenfällen über die Ufer.
Die Reuss bringt am Samstagnachmittag viel Wasser.
Die Reuss führt sehr viel Wasser.
Ein Feuerwehrmann im Gespräch mit einer Spaziergängerin.
Die starken Regenfälle liessen den Pegel der Reuss ansteigen.
Diverse Feuerwehren des Kantons Uri standen in der Nacht auf Freitag im Einsatz.
Die Feuerwehr bereitet die kontrollierte Überflutung vor.
Die Feuerwehr ist damit beschäftigt, Sturm- und Wasserschäden zu beheben und Sperren in Betrieb zu nehmen.
Die Feuerwehr bereitet beim Interventionspunkt im Eyschachen in Altdorf die Barrikaden für die Kontrollierte Überflutung vor.
Kein Verkehr am Samstagmorgen: Die Autobahn A2 ist zwischen Erstfeld und Beckenried gesperrt.

Bild: Urs Flüeler / Keystone (Seedorf, 3. Oktober 2020)

Das Jubiläum: 50 Jahre Frauenstimmrecht in Luzern

Ein halbes Jahrhundert ist es her, seit am 25. Oktober 1970 die Mehrheit der Luzerner Männer ein Ja zur Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Frauen in die Urne legte. Damit gehörte Luzern zu jenen neun Kantonen, welche das kantonale Frauenstimmrecht schon vor dessen Einführung auf Bundesebene im Februar 1971 kannten – die restlichen Zentralschweizer Kantone folgten bis September 1972.

Der Weg bis dahin war jedoch steinig. 1959 schmetterten die Luzerner Männer das Stimm- und Wahlrecht für Frauen noch mit fast 67 Prozent ab; eineinhalb Jahre später verwarfen sie eine kantonale Abstimmung, die vorsah, den Gemeinden das Recht zu geben, das Frauenstimmrecht auf kommunaler Ebene zuzustehen.

Im strömenden Regen schreiten die Frauen am 6. Juni 1929 stolz über den Bundesplatz. Ihre Schilder verkünden die Rekordzahl an Unterschriften für eine Petition (249 237 Unterschriften).
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Teppichklopfer, 1946. Gestaltung: anonym. Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, ZHdK, 10-0994.
Die ersten Frauen im Grossrat Luzern im Jahr 1971. Die neu gewählten Grossrätinnen Johanna Hodel und Sonja Wäfler nehmen im Kantonsratssaal Platz.
Am 8. Januar 1971 blickt ein weibliches Publikum im alten Kunsthaus Luzern dem Stadtrats-Podium entgegen, das den neuen Stimmberechtigten die Politik erklärt. Die Frauenzentrale organisiert den Anlass.
Ausriss aus der Luzerner Neusten Nachrichten, 27. Oktober 1970.
Ausriss aus dem Luzerner Tagblatt, 27. Mai 1967
Plakat «Ziit isch da», 1970, Werbeagentur BSR, Hans und Urs Hilfiker, Luzern
1991, Frauenstreik in Luzern.
Marsch nach Bern, 1. März 1969
Frauenstimmrecht Nein, Donald Brun, 1946.
Impressionen aus der Ausstellung 50 Jahre Frauenstimmrecht Luzern im Historischen Museum Luzern.
Impressionen aus der Ausstellung 50 Jahre Frauenstimmrecht Luzern im Historischen Museum Luzern.
Impressionen aus der Ausstellung 50 Jahre Frauenstimmrecht Luzern im Historischen Museum Luzern.
Impressionen aus der Ausstellung 50 Jahre Frauenstimmrecht Luzern im Historischen Museum Luzern.

Im strömenden Regen schreiten die Frauen am 6. Juni 1929 stolz über den Bundesplatz. Ihre Schilder verkünden die Rekordzahl an Unterschriften für eine Petition (249 237 Unterschriften).

Fotograf unbekannt Gosteli-Stiftung, AGoF n.k. Frauenstimmrechtspetition 1929

Argumente der Gegner lauteten: «Die Frau gehört ins Haus», «Politik ist Männersache», «Frauen wollen das Stimmrecht gar nicht», «Der harte Politikbetrieb schadet Frauenseelen». Sachvorlagen wurden Frauen nicht zugemutet.

Dass sie sehr wohl imstande sind, erfolgreich in der Politik mitzumischen, zeigten nach dem historischen Abstimmungssonntag gleich mehrere Luzerner Frauen. Josi Meier und Judith Stamm zum Beispiel. Sie gehörten zu den ersten Frauen, die in den Nationalrat respektive in den Luzerner Grossrat (heute Kantonsrat) gewählt wurden. (Livia Fischer)

Die Affäre: Nidwaldner Pfarrer verschickt Penis-Bild

Eine folgenschwere Nacktbild-Affäre wurde am 17. September bekannt: Der Obbürger Pfarrer hatte der Sekretärin ein Penis-Bild geschickt. Versehentlich, wie er beteuerte. Er habe das Bild löschen wollen. Zu sehen sei nicht sein Glied, hielt er zudem fest. Dennoch griff der Kirchenrat durch: Der Pfarrer musste seine Demission unterschreiben und wurde von der Sekretärin angezeigt. Er reagierte mit Komplottvorwürfen und einer Gegenanzeige, die Staatsanwaltschaft ermittelte.

Die Kirche in Obbürgen.

Die Kirche in Obbürgen.

Bild: Nadia Schärli (22. September 2020)

Der Fall wirbelte viel Staub auf, führte auch kirchenintern zu Diskussionen. War es korrekt, den Pfarrer wegen eines angeblichen Versehens anzuzeigen und seine Demission öffentlich bekannt zu machen? Die Meinungen in der Kirche gingen auseinander.

Einen kühlen Kopf bewahrte in dieser heissen Affäre der zuständige Staatsanwalt Alexandre Vonwil. Er lud die Streitparteien zu einer Vergleichsverhandlung ein – mit Erfolg: Der Pfarrer entschuldigte sich, die Anzeigen wurden zurückgezogen. «Das Gespräch schien den Parteien gutzutun», sagte Vonwil gegenüber unserer Zeitung. (Christian Glaus)

Die Konstante: Mitte verteidigt Exekutivsitze im Kanton Luzern

Die kommunalen Wahlen vom 29. März und 28. Juni zeigten im Kanton Luzern zwei unterschiedliche Resultate. Der Angriff von SP, Grünen und GLP auf die 392 zu vergebenden Sitze in den Gemeinde- und Stadträten verpuffte. SP und GLP konnten sich um nur je ein Mandat auf 13 beziehungsweise drei Sitze steigern. Die Grünen besetzen nach wie vor zwei Exekutivstühle: jene in Luzern und Kriens, wo bei der Ausmarchung um das Stadtpräsidium CVP-Frau Christine Kaufmann den Grünen Maurus Frey bezwang.

CVP und FDP büssten zwar leicht ein, halten zusammen aber immer noch 296 Sitze. Das entspricht einem Anteil von drei Viertel. Leicht steigern konnte sich die SVP, die in der seit September laufenden Legislatur 31 Vertreter in den Exekutiven stellt. Das sind drei mehr als in der alten.

Die zweite Erkenntnis der Wahlen war: In den vier Parlamenten konnte sich Links-Grün steigern. In Luzern halten SP und Grüne 24 der 48 Sitze, mit der GLP 28. Die Einwohnerräte in Kriens, Emmen und Horw bleiben klar in bürgerlicher Hand. Grund zur Freude gab es bei den Parlamentswahlen für die Frauen: In Luzern und Emmen stieg ihr Anteil auf 33 respektive 38 Prozent, in Emmen besteht die SP-Fraktion ausschliesslich aus Frauen. In Kriens und Horw stagnierte der Frauenanteil. (Lukas Nussbaumer)

Die Enttäuschung: Das WEF kommt und geht wieder

Die Organisatoren des World Economic Forum gaben am 7. Oktober 2020 bekannt, dass der Treffpunkt der Mächtigen im Mai auf dem Bürgenstock und in der Stadt Luzern stattfinden soll. Aus dem linken Lager wurde Kritik laut, doch Politiker und Wirtschaftsvertreter aus der Region fanden’s gut.

«Wir sind erfreut über den Entscheid des WEF, diesen für die Gesellschaft wichtigen Anlass in unserer Region durchzuführen», sagte etwa der Nidwaldner Landammann und Volkswirtschaftsdirektor Othmar Filliger. Anfang November schien die Veranstaltung Formen anzunehmen; es wurde über Kostenaufteilung und über mögliche Demonstrationen debattiert.

Das Hotel-Resort Bürgenstock.

Das Hotel-Resort Bürgenstock.

Bild: Pius Amrein (9. Oktober 2020)

Doch die ganze Aufregung war umsonst: Weil die Corona-Fallzahlen in der Schweiz zu hoch sind, entschieden sich die WEF-Organisatoren Anfang Dezember für eine Verlegung nach Singapur. Der Ortswechsel soll die Priorität des Forums widerspiegeln, «die Gesundheit und die Sicherheit der Teilnehmer und der Gastgebergemeinschaft zu schützen». Der Spuk hat genau zwei Monate lang gedauert. (Maurizio Minetti)

Das Debakel: VBL verstricken sich in Subventionsaffäre

Am 28. Februar wurde bekannt, dass der Verkehrsverbund Luzern rund 16,1 Millionen Franken von den Verkehrsbetrieben Luzern (VBL) zurückfordert. Diese Subventionsgelder, so der Vorwurf, habe das Transportunternehmen unrechtmässig eingenommen. Die VBL-Gruppe habe sich intern sogenannte kalkulatorische Zinsen ausgezahlt, diese aber nicht ausgewiesen und so zu viel verdient. Das Bundesamt für Verkehr, das den VBL ebenfalls einen kleinen Anteil an Subventionen auszahlt, bezeichnete dieses Vorgehen als gesetzeswidrig.

Während die Verkehrsbetriebe betonten, stets nach Treu und Glauben gehandelt zu haben, leitete die Stadt Luzern als VBL-Alleinaktionärin eine unabhängige Untersuchung ein. Vor Veröffentlichung des Untersuchungsberichtes trat der VBL-Verwaltungsrat per sofort zurück.

Das VBL-Gebäude in Luzern.

Das VBL-Gebäude in Luzern.

Bild: Manuela Jans-Koch (26. November 2020)

Der Stadtrat wählte kurzfristig einen neuen Verwaltungsrat. Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern eine Strafuntersuchung eingeleitet. Im Raum steht unter anderem der Verdacht auf Betrug und Urkundenfälschung. (Simon Mathis)

Das Finale: Letzter Abflug der Antonov in Emmen

Es war ein ergreifender Moment für die zahllosen Flugzeugspotter und auch für die Ruag-Leute, als am 30. September um 12.47 Uhr die russische Antonov An-124 auf dem Flugfeld in Emmen abhob und am Horizont verschwand. Das grösste serienmässig hergestellte Transportflugzeug der Welt startete zum letzten Mal vom hiesigen Militärflugplatz aus.

«Eine Ära ging mit dem heutigen Abflug zu Ende», sagte ein Beobachter. Die Antonov hatte Raketenteile der Ruag Space an Bord, die für den Weltraumbahnhof in Florida bestimmt sind. Diese werden nun von Ruag in den USA produziert. (Roger Rüeger)

Die Überraschung: EVZ-Captain wechselt zu Fribourg-Gottéron

Überrascht, enttäuscht, verärgert: So lassen sich die Reaktionen der Zuger Fans auf den Ende November bekannt gewordenen Abgang von Raphael Diaz (34) zusammenfassen. Neuer Arbeitgeber des Zuger Nationalspielers soll Fribourg-Gottéron sein. «Soll», weil sich seit dem Bekanntwerden des Wechsels weder Diaz noch Fribourg zum Thema geäussert haben.

Raphael Diaz wird seine Karriere nicht beim EV Zug beenden.

Raphael Diaz wird seine Karriere nicht beim EV Zug beenden.

Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Bern, 4. Dezember 2020)

Mit Diaz verlässt ein Urgestein den EV Zug. Der Verteidiger, der abgesehen von seinen drei Jahren in Nordamerika nur für den EVZ aufgelaufen ist, debütierte mit 18 in der ersten Mannschaft und absolvierte bislang über 670 Spiele für die Zuger. (Cyril Aregger)

Die Einweihung: Einzigartiger «Kampus Südpol»

In der Klassik trotzte nicht nur Lucerne Festival mit der starbesetzten «Life-is-Live»-Ausgabe (14. bis 23. August) der Corona-Krise. Gestaffelt konnten ab dem 11. September auch der Neubau der Musikhochschule und das Orchesterhaus des Luzerner Sinfonieorchesters eröffnet werden.

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Bilder: HSLU / Priska Ketterer (12. September 2020)

Beide komplettieren den «Kampus Südpol», in dem bereits das Luzerner Theater und die Musikschule einquartiert sind. Der «einzigartige Kultur- und Musikcluster» (Valentin Gloor, Direktor der Musikhochschule) soll nicht nur Institutionen, sondern auch Profis und Laien zusammenbringen. (Urs Mattenberger)

Die Legende: Paul Wolfisberg stirbt im Alter von 87 Jahren

Der «Wolf» ist nicht mehr. Diese Nachricht sorgte am 24. August bei den Sportfans im Allgemeinen und den FCL-Anhängern im Besonderen für Bestürzung. Paul Wolfisberg, FCL-Legende und Nationaltrainer, verstarb in einem Restaurant in seiner Heimatgemeinde Horw.

1960: FCL-Legende Paul Wolfisberg stemmt nach dem Cupsieg den Pokal in die Höhe.
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1981: Paul Wolfisberg feiert als Nationaltrainer mit Spieler Gianpietro Zappa den 2:1-Sieg in der WM-Qualifikation gegen England.
1993: Paul Wolfisberg ist für kurze Zeit Trainer des FC Luzern.
2001: Aufnahme im Restaurant Barbatti.
2004: Am Eidgenössischen Schwingfest in Luzern mit Schwingerkönig Ruedi Hunsperger (links).
2009: Stadionrundgang im alten Allmend-Stadion. Rechts im Bild: Kudi Müller.
2012: Paul Wolfisberg blättert in seiner Biographie «Der Wolf». Links im Bild: Friedl Rausch, rechts Ruedi Gutendorf.
2015: Paul Wolfisberg mit dem ebenfalls verstorbenen Köbi Kuhn und Martin Andermatt.
2016: Paul Wolfisberg (links) zusammen mit Karl Odermatt.
2019: Drei FCL-Legenden (von links): Walter Stierli, Paul Wolfisberg und Romano Simioni.
2020: Paul Wolfisberg wurde im Juni 87-jährig.
2020: Paul Wolfisberg bei sich zu Hause auf dem Hometrainer.

1960: FCL-Legende Paul Wolfisberg stemmt nach dem Cupsieg den Pokal in die Höhe.

Archiv

Legendenstatus erreichte Wolfisberg unter anderem dank des Cupsiegs 1960, als er den FCL als Captain aufs Feld führte, und 1979 als Coach, der «seine» Luzerner zurück in die Nationalliga A dirigierte. Als Nationaltrainer stand er von 1981–85 und interimistisch 1989 während insgesamt 51 Spielen an der Seitenlinie. (Cyril Aregger)

Die Kontroverse: Luzerner Bauland beschäftigt Juristen und Volk

Hunderte Luzerner Grundstückbesitzer mussten sich im Frühjahr damit abfinden, dass ihr Bauland neu der Landwirtschafts- oder Grünzone angehört. Die Folgen sind massiv: Der Wertverlust beträgt bis zu 95 Prozent, die Chancen auf eine Entschädigung für die aufgrund übergeordneter Gesetze erfolgte Rückzonung sind gering. Im ganzen Kanton werden rund 67 Hektaren – das entspricht der Fläche von 94 Fussballfeldern – in 21 Gemeinden zurückgezont.

Ebenso intensiv und kontrovers diskutiert wurden zwei Initiativen, mit denen das Kulturland im Kanton Luzern besser geschützt werden sollte. Sie wurden vom Volk am 29. November zwar abgelehnt, sorgten im Vorfeld jedoch für Zündstoff – ebenfalls wegen der Einteilung von Land in Zonen.

Regierung und Gegner der Volksbegehren argumentierten, bei einem Ja könnten künftig 1140 Hektaren Landwirtschaftsland nicht mehr überbaut werden. Die Initianten und Juristen bezeichneten dies als Falschinformation und verlangten die Verschiebung der Abstimmung. Allerdings erfolglos – die Regierung lehnte die Beschwerde ab. (Lukas Nussbaumer)

Die Spaltung: Generalvikar Martin Kopps abrupter Abgang

Am 18. März entliess das Bistum Chur seinen Generalvikar für die Urschweiz, Martin Kopp. Weil er sich entgegen geltender Weisungen öffentlich zur bevorstehenden Bischofswahl geäussert habe, sei das Vertrauen für eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr vorhanden, begründete der Übergangsbischof Peter Bürcher seinen Entscheid. Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass sich Kopp so verhalten habe.

Bereits am Tag darauf lancierte eine Zürcher Theologin eine Online-Petition zur Unterstützung Kopps. Am 18. Juni wurde diese mit über 3800 Unterschriften in Chur überreicht – mit dem Ziel, Kopps Absetzung rückgängig zu machen. Die Bistumsleitung liess sich davon allerdings nicht umstimmen. Bürcher erachtete die Unterschriftensammlung gar als «etwas Ungehöriges, das spaltet und verletzt».

Die Petitionäre hätten sich zudem gerne mit Bürcher zu einem Gespräch getroffen. Er sei dazu nur bereit, wenn die kirchenrechtlichen Bestimmungen die Basis des Dialogs bilden würden, liess Bürcher verlauten.

Zu einer Aussprache scheint es bislang nicht gekommen zu sein. Seit der Freistellung Kopps sei das Bistum Chur noch mehr gespalten, sagen gewisse Kirchenvertreter. Sie hoffen auf einen neuen Bischof, welcher etwas Ruhe ins Bistum bringt. (Lucien Rahm)

Die Abstimmung: Harter Kampf in Cham

Mit einem Anteil von je fast 70 Prozent sagten die Chamerinnen und Chamer Ende November deutlich Ja zur Änderung des Bebauungsplans Allmend Hagendorn sowie zur entsprechenden Zonenplanänderung. Damit sprach die Bevölkerung ihre Unterstützung für das Erweiterungsprojekt der Fensterfabrik G. Baumgartner AG aus. Dass die Vorlage angenommen wird, war im Vorfeld zwar anzunehmen, dass es so deutlich wird, aber nicht.

Die Produktionshalle (rechts) soll künftig bis zur Frauentalstrasse reichen.

Die Produktionshalle (rechts) soll künftig bis zur Frauentalstrasse reichen.

Bild: Patrick Hürlimann (Hagendorn, 27. Oktober 2020)

Die Abstimmung bewegte: Die Gegner monierten, dass das Projekt zu gross sei, Grünfläche in der Schutzzone zerstöre, zu viel Verkehr und damit Sicherheitsprobleme und Lärm nach sich ziehe und die Bauzeit zu lang dauere. Ausserdem wiesen sie darauf hin, dass es bei der Abstimmung zum letzten Ausbau im Jahr 2003 geheissen hätte, es würde danach keine Erweiterung mehr geben. In verschiedenen Lesereinsendungen wurde dem Chamer Gemeinderat deshalb vorgeworfen, wortbrüchig geworden zu sein.

Trotzdem behielten die Befürworter die Oberhand. Das Bauprojekt, für dessen Kosten mit einem dreistelligen Millionenbetrag gerechnet wird, punktete mit der Bedeutung der Arbeitsplätze für die Gemeinde, der Eingliederung des Bauvorhabens in die Natur sowie dessen grosse Innovationskraft. (Carmen Rogenmoser)

Der Aufsteiger: Nidwalden wird zum Steuerparadies

Bei den Firmengewinnsteuern nimmt Nidwalden weltweit einen Spitzenplatz ein: Am 27. September stimmten die Nidwaldner der Teilrevision des Steuergesetzes zu – mit einem Ja-Anteil von 59,4 Prozent. Damit sank der Gewinnsteuersatz auf 5,1 Prozent.

Der Gegenvorschlag eines Referendumskomitees, den Steuersatz bei 6 Prozent zu belassen, wurde ebenso deutlich abgelehnt. Somit verdrängte Nidwalden Hongkong auf der Rangliste der Standorte mit der tiefsten Steuerbelastung für Firmen von Platz eins. Dahinter folgen mit wenig Abstand weitere Zentralschweizer Kantone wie Luzern, Obwalden und Uri.

Auf den Spitzenplatz war der Kanton Nidwalden offenbar derart stolz, dass die Wirtschaftsförderung die tiefen Steuern in einem Schreiben an über 2000 Treuhänder und Vermögensverwalter angepriesen hat. Sie bot darin Hilfe «bei der Planung einer Wohnsitzverlegung» an. Der Brief, der selbst in die Nachbarkantone verschickt wurde, stiess dort sauer auf. Landammann Othmar Filliger musste sich rechtfertigen: «Bei dieser Aktion ist uns leider ein Missgeschick unterlaufen.» (Christian Glaus)

Der Ablöscher: Obwaldner Spital will Geburtshilfe aufgeben

Vorschläge für die strategische Ausrichtung des Spitals – hinter diesem sperrigen Satz des Obwaldner Spitalrats verbirgt sich Zündstoff. Am 12. September machte das Gremium seine Vorschläge publik. Ein Teil davon: Es soll nur noch zwischen 7 und 22 Uhr im Zweischicht-Betrieb operiert werden.

Das hätte zur Folge, dass das Kantonsspital die Geburtshilfe aufgeben müsste. Denn die Geburtshilfe hat komplexe Vorgaben. So muss ein Facharzt etwa innert zehn Minuten im Gebärsaal zur Verfügung stehen. Und wenn ein Kaiserschnitt nötig ist, müssen unter anderem Ärzte der Geburtshilfe oder der Anästhesie ebenfalls innert zehn Minuten bereit sein. «Das ist ein riesiger Apparat, den wir Tag und Nacht bereithalten müssen, für insgesamt 300 Geburten pro Jahr», erklärte Spitaldirektor Andreas Gattiker.

Das Kantonsspital Obwalden.

Das Kantonsspital Obwalden.

Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 09. Januar 2019)

Entscheiden muss schliesslich die Bevölkerung. Bei Betroffenen kamen die Vorschläge des Spitalrats jedoch nicht gut an. Zwei Ärzte des Kantonsspitals und eine Beleghebamme wehrten sich öffentlich gegen die Pläne zur Aufgabe der Geburtshilfe. (Christian Glaus)

Die Zitterpartie: Uri steht beinahe ohne Parlament da

Die Wahlen der Urner Regierung sowie des Landrats, dem Kantonsparlament, vom 8. März sorgten für Schlagzeilen. Zum einen wegen der frauenlosen Urner Exekutive. Nach dem Rücktritt von Gesundheitsdirektorin Barbara Bär und dem Wechsel von Justizdirektorin Heidi Z’graggen in den Ständerat, nominierten die Kantonalparteien ausschliesslich Männer, eine wilde Frauenkandidatur hatte keine Chance, sodass Daniel Furrer (CVP) nachrückte – und es mit Christian Arnold auch die SVP wieder in die Regierung schaffte.

Im Urner Landrat.

Im Urner Landrat.

Bild: Urs Hanhart

Zudem war am Wahltag noch nicht klar, ob der Landrat überhaupt mit einem gültigen System bestimmt wurde. Denn noch hatte das eidgenössische Parlament nicht über die Verfassungsänderung des Kantons Uri befunden, welches das Kopfwahlsystem auf Gemeinden bis zu vier Sitzen ausdehnte.

Am 11. März folgte schliesslich die Erleichterung, als der Nationalrat nach dem Ständerat das Okay gab. Allerdings fiel die Abstimmung mit 103 zu 88 Stimmen relativ knapp aus. Bei einem Nein wäre Uri ab Juni ohne gültiges Parlament dagestanden. (Florian Arnold)

Jahreschronik 2020: Die wichtigsten Ereignisse

Januar

2. Der FC Luzern verpflichtet Fabio Celestini (45) als neuen Trainer. Der frühere Schweizer Nationalfussballspieler coachte zuletzt den FC Lugano.

6. Nach jahrelanger Suche finden die SBB endlich einen Ankermieter für die geplante Überbauung Rösslimatt neben dem Bahnhof Luzern: Die Hochschule Luzern soll ab 2025 in die neuen Gebäude ziehen. Im Herbst 2020 wird zudem bekannt, dass auch der Pharmakonzern MSD in die Rösslimatt ziehen wird.

15. Die Frauen des Futsal Club Luzern gewinnen gegen die Lions aus Zürich 5:1 und sind Schweizer Meisterinnen.

18. Andrea Gmür wird zur neuen CVP-Fraktionspräsidentin gewählt. Die 56-Jährige aus Luzern amtete von 2015 bis 2019 als Nationalrätin, dann schaffte sie den Sprung in den Ständerat.

29. Der EV Zug verliert gegen die ZSC Lions mit 0:5 und gibt die Tabellenführung im letzten Qualifikationsspiel an die Zürcher ab. Die Playoffs werden nicht mehr gespielt, einen Meister gibt es nicht. Auch fast alle anderen Meisterschaften werden abgebrochen.

Februar

3. Im Bahnhof Luzern prallt ein In­terregio gegen einen Prellbock. Zwölf Passagiere werden leicht verletzt.

9. Die Metro-Initiative in der Stadt Luzern wird abgelehnt. Damit ist die unterirdische Schnellbahn wohl definitiv vom Tisch.

23. Die Unihockeyaner von Zug United gewinnen den Cupfinal als erstes Männerteam aus dem Kanton Zug. Im Final vor 3200 Zuschauern in Bern glückte ihnen dank des Tors von Alexander Larsson ein 6:5-Sieg nach Verlängerung gegen Malans.

29. In Altdorf wird das Urner Institut Kulturen der Alpen eröffnet. Das der Universität Luzern angegliederte Institut befasst sich mit der Geschichte und der Kultur des Kantons Uri sowie des gesamten Alpenraums.

März

8. Der 19-jährige Skiakrobat Noé Roth aus Baar gewinnt in Russland erstmals ein Weltcupspringen.

21. Die ehemalige Luzerner SP-Stadträtin Ursula Stämmer erliegt 61-jährig einem schweren Krebsleiden. Nach dem Rückzug aus der Politik im Sommer 2016 war sie Synodalratspräsi­dentin der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Luzern.

24. Die Luzerner Band Yet No Yokai gewinnt den Migros-Musikpreis und bringt ein Kurzalbum heraus – eine der besten Veröffentlichungen dieses Jahres aus der Zentralschweiz.

April

1. Filmstream.ch, ein Gratis-Filman­gebot mit Zentralschweizer Filmen, geht online.

2. Die Luzerner Regierung hat entschieden: Das Luzerner Kantonsspital in Sursee wird am bisherigen Standort neu gebaut. Der Neubau soll 250 Millionen Franken kosten.

19. Eklat in der Stadtluzerner SVP: Stadtratskandidat Silvio Bonzanigo wird aus der Partei geworfen. Trotz zweitschlechtestem Resultat und vor allem ohne Wissen seiner Partei tritt er auf einer Drittliste zum zweiten Wahlgang an. (...)

Mai

1. Die Läden im Kanton Luzern haben neu unter der Woche bis um 19 Uhr und an Samstagen bis um 17 Uhr geöffnet. Das hat das Luzerner Kantonsparlament Ende Januar so entschieden.

26. In Engelberg präsentieren die Bergbahnen und der Kanton Obwalden erste Resultate einer Machbarkeitsstudie, die sich mit der Bahn-Fusion der Skigebiete Titlis, Melchsee-Frutt und Meiringen-Hasliberg befasst. Die Idee ist jahrzehntealt und stand in den vergangenen Jahren immer wieder zur Diskussion. Tourismusfachleute wollen mit einem Zusammenschluss mehr Übernachtungsgäste gewinnen. Umweltorganisationen und Naturfreunde halten jedoch massiv dagegen.

Juni

4. Nach der Klage des Stadtluzerners Thomas Schmidhauser liberalisiert die Wettbewerbskommission den Luzerner Gasmarkt. Der Stadtluzerner Energieversorger EWL muss eine Busse von 2,6Millionen Franken bezahlen. Der Weko-Entscheid hat Folgen für die ganze Schweiz. Dieser Schritt habe «eine vergleichbare Signalwirkung wie der Entscheid gegen die Freiburger Elektrizitätswerke von 2001, mit dem der Elektrizitätsmarkt – gestützt auf das Kartellgesetz – geöffnet wurde», heisst es aus Bern.

5. Nachdem drei Gemeinden Beschwerde erhoben haben, rügt das Bundesgericht die Luzerner Regierung wegen der Aufgaben- und Finanzreform 18. Die vorgeschriebene Steuersenkung um eine Zehntelseinheit fürs Jahr 2020 ist nicht rechtens.

8. Auf der Axenstrasse zwischen Sisikon und Flüelen kommt es nach Regenfällen zu einem Steinschlag. Verletzt wurde niemand, die Strasse wurde für ­mehrere Stunden gesperrt. Am 9. Juni wiederholt sich das Ganze: Wieder muss die Strasse gesperrt werden, diesmal bis zum 11. Juni. Denn wegen Regen und Nebel können Helikopterflüge im Abbruchgebiet erst am Tag nach dem Steinschlag durchgeführt werden.

10. Mit Michèle Bucher wird erstmals eine Frau Stadtschreiberin von Luzern.

12. Der Oberkircher FDP-Nationalrat Albert Vitali stirbt kurz vor seinem 65. Geburtstag an einem Krebsleiden. Vitali wurde 2011 ins Eidgenössische Parlament gewählt. Begonnen hat seine politische Karriere mit dem Amt des Gemeinderates von Oberkirch, das er von 1982 bis 2001 innehielt.

Juli

7. Die Schulkommission Beckenried leitet eine Untersuchung ein: Einer Lehrerin wird vorgeworfen, Schüler geohrfeigt und mit dem Lineal auf die Finger geschlagen zu haben. Bestätigen konnte die externe Untersuchung die Gewaltvorwürfe zwar nicht, förderte aber zweifelhaftes Verhalten der Frau zu Tage. So mussten Schüler zur Strafe etwa vor der ganzen Klasse Liegestützen machen. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen noch.

August

11. Das 135 Millionen Franken teure Siegerprojekt des Verwaltungszentrums auf dem Seetalplatz in Emmen wird präsentiert. Auf neun Stockwerken bietet es Platz für knapp tausend Arbeitsplätze.

Der Zuger Heilmittelinspektor Ludek Cap wirft seinen Vorgesetzten der Gesundheitsdirektion vor, sie hätten eine Kontrolle verhindern wollen. Ludek Cap wird entlassen, er wiederum reicht mehrere Strafanzeigen ein.

12. Der Adligenswiler Stephan Lichtsteiner beendet seine Karriere als Fussballprofi. Der 36-Jährige absolvierte 108 Länderspiele und wurde mit Juventus Turin siebenmal italienischer Meister.

30. Die Spielerinnen des Nottwiler Handballclubs Spono Eagles holen gegen den LC Brühl den Supercup.

September

17. Spatenstich für den Neubau des Kinderspitals und der Frauenklinik in Luzern. Der Bau soll bis 2025 fertig sein.

17. Der Film «Hexenkinder» des Luzerners Edwin Beeler startet in den Kinos. Er erzählt die Geschichte von zwangsversorgten Heimkindern, die im Namen der Religion von Priestern und Klosterfrauen gequält und sexuell ­missbraucht wurden. Beeler erhielt 2017 den Innerschweizer Kulturpreis.

26. Nach 85 Jahren zieht Stöckli Ski von Wolhusen weg. Anstelle dieser Filiale soll beim Hauptsitz in Malters ein Manufakturladen entstehen. Der Eröffnungstermin ist noch unklar.

26. Volley Luzern gewinnt gegen Lausanne den Supercup. Es ist der erste Titel für ein Zentralschweizer Männerteam.

Oktober

7. Vom Verkehrshaus Luzern aus hat Hyundai die Auslieferung der ersten in grosser Serie produzierten Wasserstoff-Lastwagen gestartet. Es war die erste Übergabe der neuen Wasserstoff-Lastwagen weltweit. Von einem Meilenstein ist die Rede, weil das entstehende Netz von Wasserstofftankstellen auch Autofahrern zugutekommt.

21. Das viertägige Woerdz-Festival im Südpol in Luzern startet. Es ist eines der wenigen Festivals, das dieses Jahr stattfinden kann.

23. Luzern soll ein neues Theaterhaus erhalten. Stadt und Theater bekräftigen ihre Absicht, das alte Theater abzureissen und durch einen grösseren Neubau zu ersetzen.

November

29. Das umstrittene Projekt führte im Vorhinein zu Diskussionen, entsprechend knapp fällt die Entscheidung aus: Doch Kriens sagt Ja zur neuen Sporthalle Pilatusarena und zu zwei Hochhäusern mit über 400 Wohnungen. Eines davon wird 110 Meter hoch.

Dezember

5. Die Willisauer Ringer verteidigen gegen Freiamt ihren Schweizer Meistertitel – den 15. in der Vereinsgeschichte.

7. Der Buochser Marco Odermatt gewinnt als erster Schweizer seit fast zehn Jahren einen Weltcup-Riesenslalom.

10. Die geplante neue West-Ost-Verbindungsstrasse, die im Urner Talboden eine Verkehrsentlastung für die Siedlungsgebiete bringen soll, sorgt für Diskussionen. Eine Volksinitiative will Ein- und Ausfahrten unmittelbar bei Kreiseln verhindern.

13. Nach anderthalb Jahren wird die sanierte und ausgebaute SBB-Strecke zwischen Zug und Arth-Goldau wiedereröffnet. Nun sind bessere Verbindungen für Reisen in das Tessin und nach Italien möglich. Das Projekt wurde bis vor Bundesgericht bekämpft.