Luzerner Landeswallfahrt: Eine Jahrhundertealte Tradition mit Tiefgang

150 Pilger haben an der Luzerner Fusswallfahrt nach Einsiedeln teilgenommen. Auf dem Weg durch Wald und Wiesen haben sich interessante Gespräche ergeben. Auch Petrus war den Wanderern wohlgesinnt – jedenfalls bis zum letzten Aufstieg.

Natalie Ehrenzweig
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Einsiedeln war ihr Ziel: Pilger auf dem Weg zum ersten Trinkhalt in Langeried in Meggen. (Bild: Natalie Ehrenzweig, 4. Mai 2019)

Einsiedeln war ihr Ziel: Pilger auf dem Weg zum ersten Trinkhalt in Langeried in Meggen. (Bild: Natalie Ehrenzweig, 4. Mai 2019)

Samstagmorgen, kurz nach sieben Uhr. Es ist neblig, kühl und Petrus scheint sich noch nicht entschieden zu haben, ob er Regen oder Sonne schickt. An der Endstation der Buslinie Nummer 8 im Würzenbach in der Stadt Luzern treffen sich 130 Pilger zur Wanderung nach Einsiedeln. Die Luzerner Landeswallfahrt ist eine jahrhundertealte Tradition. Seit 2011 organisiert der Verein «Luzerner Landeswallfahrt zu Fuss nach Einsiedeln» die Fusswallfahrt vom Samstag, seit sechs Jahren gibt es am gleichen Tag auch eine Velowallfahrt.

Nach einer Begrüssung durch Edi Wigger, Geschäftsführer des Vereins und Synodalverwalter, sowie Hubert Aregger, Präsident des Vereins, marschiert die Gruppe los. In flottem Tempo geht es aufwärts durch den Megger Wald. Matthias Buob (16) aus Beromünster, einer der wenigen Jugendlichen, der an der Wallfahrt teilnahm, sagte:

«Ich bin überrascht, dass so viele Leute hier sind. Das ist eindrücklich.»

Alt Regierungsrat Toni Schwingruber aus Werthenstein, einer der Ersten, die damals die Fusswallfahrt wiederbelebten, will unterwegs nicht unbedingt zu viele Programmpunkte. Bei der Wanderung gehe es um die Begegnungen, um die Gespräche.

«Manchmal redet man ganz automatisch über religiöse Themen, etwa darüber, ob man auf dem Weg beten solle oder nicht.»

Neue Begegnungen, gute Gespräche

Beat Furrer aus Beromünster sieht das ähnlich: «Es ist die Kombination von Spiritualität und Bewegung. Man trifft viele Leute, denen man sonst nicht begegnen würde, hat gute Gespräche, auch mit Menschen, die man vorher nicht kannte.» Furrer wird in Einsiedeln übernachten und am Sonntag zum Gottesdienst gehen. «Einsiedeln ist ein magischer Ort.» Für Franziska Ebener (42) aus Rothenburg ist die Pilgerwanderung eine Auszeit. «Es gehört auch zum Christentum, die Gemeinschaft zu leben.» Ebener hat die Impulse unterwegs organisiert. Bei einem Halt wird das «Laudato Si» gesungen, eine Wegstrecke wird schweigend gegangen.

Nach einer guten Stunde gibt es einen ersten Trinkhalt bei Langeried in Meggen. Nachdem ein paar Sonnenstrahlen durch den Wald gedrungen waren, drückt jetzt der Regen. Doch die Wanderer werden fast bis nach Einsiedeln trocken bleiben, wie Synodalverwalter Edi Wigger später erzählen wird:

«Geregnet hat es erst, als das Ziel in Sicht war, beim Aufstieg zum Chatzestrick.»

Die Stimmung sei bis zum Schluss gut geblieben, die Wandergruppe sogar auf 150 Teilnehmer angewachsen. Es habe keine Unfälle gegeben, alle seien müde und zufrieden angekommen.

Velowallfahrt mit 27 Pilgern

An der Velowallfahrt haben heuer 27 Pilger teilgenommen: «Bei dem Wetter kamen wohl vor allem die starken Fahrer, wir waren so schnell wie noch nie in Einsiedeln», sagt Dominik Thali, Fachbereichsleiter Kommunikation der römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Luzern. Auf dem Weg wurde fünfmal innegehalten.

Der Wallfahrtssonntag, den der Synodalkreis Hochdorf und dessen Pfarreien mitgestaltet haben, wurde im Beisein zahlreicher weiterer Pilger gefeiert.