Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

JAKOBSWEG: Dank ihm kommen Pilger sicher nach Werthenstein

Es ist wieder Pilgerzeit. Das bedeutet Hochbetrieb auf dem Jakobsweg. Wegaufseher Robert Strässle ist für einen Abschnitt der Strecke verantwortlich. Umgefallene Bäume sind längst nicht das einzige Problem.
Robert Strässle vor der Hergiswaldbrücke. Der Jakobsweg führt in der Nähe der Brücke vorbei. (Bild: Corinne Glanzmann (Kriens, 23. April 2018))

Robert Strässle vor der Hergiswaldbrücke. Der Jakobsweg führt in der Nähe der Brücke vorbei. (Bild: Corinne Glanzmann (Kriens, 23. April 2018))

Spätestens seit dem Bestseller des deutschen Komikers Hape Kerkeling über seine lebensverändernde Pilgerreise, ist der ­Jakobsweg auch kirchenfernen Menschen ein Begriff. Was viele nicht wissen: Dieser Pilgerweg, der zum Ziel Santiago de Compostela in Spanien hat und seit 1987 Unesco-Weltkulturerbe ist, ist eigentlich ein weitverzweigtes Netz, das auch durch die Schweiz führt. Genauer: Auch durch die Gemeinde Kriens bis nach Werthenstein. Hier verläuft eine der Routen des Jakobsweges, die «Via Jacobi 4». Damit die Pilgerreisenden sicher und ohne Hindernisse auf den Wegen wandern können, gibt es auf dem ganzen Netz sogenannte Wegaufseher. Robert Strässle, 80 Jahre alt, wohnhaft in Kriens, ist so einer.

Einmal im Jahr läuft er zur Kontrolle das 17,5 Kilometer lange Wegnetz ab, das ihn bis zum Kloster in Werthenstein führt. Wanderzeit: über vier Stunden. Nicht selten entdeckt er dabei Mängel, die er der Gemeinde umgehend meldet. Heuer standen auf Strässles Liste: eine Tanne, die wegen des Sturms Burglind auf dem Weg lag, sowie schlechte oder gar fehlende Stufen auf einem Abschnitt. Auch erschweren Vandalen Strässles Arbeit. «Die reissen die Wegweiser einfach aus oder kehren sie in eine falsche Richtung um.»

Sein letztes Jahr im Amt

Seit 14 Jahren ist Robert Strässle der Krienser Wegaufseher des Vereins «Freunde des Jakobswegs Schweiz». Sein Amt möchte er allerdings gegen Ende Jahr niederlegen. «Es waren schöne Jahre, aber es ist auch eine ge­wisse Verpflichtung.» Er sei jetzt dran, eine Nachfolge zu finden.

Die Liebe zum Pilgern entdeckte er vor gut 20 Jahren an der Geburtstagsfeier eines Jugendfreundes. «In Spanien hat mein Jugendfreund das Pilgern für sich entdeckt. Auf der Feier gab es kein anderes Thema», sagt Strässle, der selber neugierig wurde und spontan zusagte, mit ihm den ganzen Weg von der Schweiz nach Santiago zu pilgern. «Mit der Bedingung, dass wir bis zu meiner Pension warten.» Im Januar 2003 wurde Strässle pensioniert. Bereits im März marschierten sie los. «Ich wollte das machen, um einen klaren Schnitt zu haben zwischen Arbeitsleben und der Pension.» Das Religiöse habe bei ihm nicht so eine grosse Rolle gespielt. Er sei zwar schon gläubig und war auch acht Jahre im ­Krienser Kirchenrat. «Aber mich fasziniert einfach die Geschichte des Pilgerns, wie früher unter schwersten Bedingungen die Menschen gewandert sind», sagt Strässle. Drei Monate wollten die beiden unterwegs sein. Doch ein Fersensporn bei Strässle und eine schwere Lungenentzündung beim Freund beendeten ihr Vorhaben vorzeitig. – Noch im gleichen Jahr machten sie sich erneut auf, diesmal erreichten sie ihr Ziel. Gefallen hat ihm Santiago de Compostela aber gar nicht. «Zu viel Kommerz und Lärm waren da. In der Kirche hatte man als echter Fusspilger vor lauter Touristen kaum Platz.»

Reflektieren statt reden

Neben seiner Aufgabe als Wegaufseher ist Strässle auch für die Unterkunft entlang der Krienser Strecke verantwortlich. «Da wir so nahe der Stadt sind, nehmen die Pilger dort oft ein Hotel.» Er bietet auch selber Führungen auf «seinem» Pilgerwegabschnitt an – in diesem Jahr das letzte Mal. Mit einer Gruppe von bis zu 30 Leuten wandert er, beginnend in Obernau, in Richtung Werthenstein. Zwischendurch gibt Strässle den Pilgern viele Informationen. Auch wird entweder ein Gedicht oder ein Gedanke den Pilgern auf den Weg gegeben, über das schweigend nachgedacht wird. «Beim Pilgern wird nicht stets geredet, sondern auch reflektiert», sagt Strässle. Als kürzlich ein Pfarrer die Pilgergruppe leitete, habe dieser den Pilgern eine Frage zum darüber nachdenken gestellt. «Wir kamen an einem Grabmal vorbei, das dem Tode einer 18-Jährigen galt. Der Pfarrer erinnerte uns, dass man nie weiss, wann das Leben zu Ende ist», sagt Strässle. «Und man soll sich doch mal überlegen, was man alles vor seinem Tod erledigt haben möchte, damit es dann nicht zu spät ist.»

Andreas Bättig

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

Hinweis

Am Samstag, dem 5. Mai, findet ein Pilger-Schnuppertag statt. Bei jedem Wetter wird von Kriens nach Werthenstein gepilgert. Abkürzungen möglich. Verpflegung aus dem Rucksack. Anmeldung an: rob.straessle@bluewin.ch oder 041 320 32 74 (Combox).

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.