Meisterschaft
Die Karten fliegen wieder – 66 Jasserinnen und Jasser klopfen, schieben und scherzen

Die Zentralschweizer Jassmeisterschaft erfährt nach einer Zwangspause eine Weiterführung. Im Restaurant Obernau waren fast nur bekannte Gesichter, mit einer Ausnahme.

Roger Rüegger
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«Beim letzten gemeinsamen Jass ist es uns nicht so gut ergangen. Heute haben wir hoffentlich mehr Glück», erinnert Dominik Unterfingen aus Rothenburg seine Partnerin Margrit Bucher aus Sempach-Station an ihr Erlebnis vor einer Woche. Aber das ist vorbei. Die beiden sind einander am Montagabend in der ersten Runde der diesjährigen Zentralschweizer Jassmeisterschaft der «Luzerner Zeitung» und ihrer Regionalausgaben zugelost worden.

Ihnen gegenüber sitzen Josef Annen und Erwin Häfliger. Das erste Spiel geht knapp zu Gunsten des Männerteams aus. Bis zum dritten Durchgang sind die Partien ziemlich ausgeglichen, dann legt das Mix-Team einen ersten Match hin. «So setts äbe loufe», sagt Unterfingen, zufrieden zu seiner Partnerin.

Margrit Bucher, Josef Annen und Dominik Unterfingen (von links) sind konzentriert beim Jassen.

Margrit Bucher, Josef Annen und Dominik Unterfingen (von links) sind konzentriert beim Jassen.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 27. September 2021)

Drei «Mätsch» und 1174 Punkte

Und es kommt noch besser. Am Schluss der ersten Runde stehen Dominik Unterfingen und Margrit Bucher nach drei «Mätsch» und mehreren glücklichen Spielen mit 1174 Punkten da. Eine hervorragende Ausgangslage, denn 1000 Punkte und mehr gelten als top. Gespielt werden an diesen Turnieren jeweils zwölf Partien pro Runde, also insgesamt 48 Spiele.

«Gsesch, jetzt hämmer zemmli besseri Charte gha. Das esch sehr guet gsi», betont Unterfingen. Der Mann war übrigens 1990 Kantonalmeister im Jassen, wie er seinen Kolleginnen und Kollegen am Tisch in einer Pause erzählt. Wobei dies vermutlich ohnehin alle wissen, denn die Männer und Frauen sind sich nicht fremd. Viele Gesichter sieht man regelmässig an den Vorausscheidungen, manche sind auch an mehreren Turnieren dabei.

Ausgerechnet solche, die nicht jassen können

Die Verlierer am eingangs erwähnten Spiel nehmen die Situation einigermassen gelassen. Annen kommentiert seinen harzigen Start trocken: «Jetzt ist es schon vorbei.» Dabei schlägt er einem Mitorganisator gleich spasseshalber vor: «Alfred, willst du für mich jassen, dann gehe ich nämlich jetzt nach Hause zum Schlafen.» Sein Partner Häfliger lacht. Auch er verarbeitet den Fehlstart humorvoll: «Ausgerechnet solche, die nicht jassen können, haben gegen uns gewonnen.»

Es darf wieder gejasst werden: (im Uhrzeigersinn) Kari Portmann, Manfred Gautschi, Paul Kuoni und Paula Etterlin im Restaurant Obernau.

Es darf wieder gejasst werden: (im Uhrzeigersinn) Kari Portmann, Manfred Gautschi, Paul Kuoni und Paula Etterlin im Restaurant Obernau.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 27. September 2021)

Die 14. Zentralschweizer Jassmeisterschaft ist um ein Jahr verschoben worden. Man hat den Eindruck, dass sich die Jasserinnen und Jasser nach der Zwangspause auf ein Turnier freuten, denn es wirken an diesem Abend alle im Saal recht entspannt. Oder zumindest die allermeisten. Martha Wächter nämlich, die aus Fislisbach angereist ist, hat einen kleinen Anflug von Nervosität, wie sie selber sagt.

Aber das mit gutem Grund: Die Aargauerin ist zum ersten Mal überhaupt an einem Jassturnier. «Ich wollte eigentlich immer gerne an einem Turnier teilnehmen, aber ich konnte mich bis jetzt nie dazu überwinden», erklärt sie. Dass sie nun ausgerechnet den weiten Weg nach Kriens auf sich genommen hat, liegt an einem Kollegen aus dem Kanton Luzern, der sie dazu motivierte.

Nach drei Durchgängen weist die Frau eine recht gute Zwischenbilanz auf. «Ich sagte ja nicht, dass ich wenig Punkte auf meinem Konto habe. Ich erwähnte nur, dass ich zu Beginn etwas nervös war», sagt die Frau. Interessant ist, dass sie sonst mit französischen Karten spielt. Nicht gerade ein Vorteil. «Ich muss mich wahnsinnig konzentrieren. Vor allem gegen den Schluss, wenn die Karten immer schneller auf den Tisch fliegen, habe ich Mühe, mitzukriegen, was geht.»

Erstmals eine Vorausscheidung im Freiamt

Zur ersten von insgesamt 19 Vorausscheidungen haben sich 66 Jasserinnen und Jasser im Restaurant Obernau in Kriens eingefunden. Vorerst schienen nicht allzu viele Personen Lust auf ein Kartenspiel zum Wochenstart zu haben. Organisator Hansjörg Kaegi sagte eingangs des Abends, er sei mit 50 Personen zufrieden. Umso erfreut war er, als sich der Saal langsam füllte.

Das Lokal ist neu als Austragungsort auf der Liste. «Wir haben einige Anpassungen auf dem Jasskalender vorgenommen. Neuerdings werden wir auch im Freiamt eine Vorausscheidung durchführen. Es haben sich immer wieder Leute gemeldet, die sich eine Austragung in dieser Region wünschten», beschreibt Kaegi den Fahrplan.

An den 19 Vorausscheidungen qualifizieren sich zirka zehn Prozent der Jasserinnen und Jasser für das Finalturnier. Um die Zentralschweizer Jasskrone wird am 12. Dezember in Hochdorf gespielt. Die siegreiche Person am Finaltag gewinnt einen einwöchigen Luxus-Wellnessaufenthalt für zwei Personen im Solbadhotel Sigriswil im Wert von 3500 Franken. Weiter gibt es fünf Übernachtungen in Pertisau (Tirol) für zwei Personen im Wert von 2800 Franken sowie Überraschungspakete, Geschenkkörbe und Tageskarten zu gewinnen. Gewinner sind in Hochdorf aber sowieso alle, denn es gibt Preise für alle Anwesenden.