JASSEN: Sarah Bachmann aus Kriens ist die beste Jasserin der Zentralschweiz

Sarah Bachmann gewinnt den Final der 10. Zentralschweizer Jassmeisterschaft. Sie entspricht nicht gängigen Klischees guter Kartenspieler – und wurde vielleicht gerade deshalb auch unterschätzt.

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Die Zentralschweizer Jassmeisterin Sarah Bachmann (41) im Krienser Wirtshaus Wichlern. (Bild: Nadia Schärli (Kriens, 13. Dezember 2016))

Die Zentralschweizer Jassmeisterin Sarah Bachmann (41) im Krienser Wirtshaus Wichlern. (Bild: Nadia Schärli (Kriens, 13. Dezember 2016))

Bei der Rangverkündigung glaubte Sarah Bachmann, dass sie eine Hellebarde gewonnen hat. «Nach der letzten Runde haben wir untereinander eifrig diskutiert, wie das beim Jassen üblich ist. Dabei vernahm ich, dass jemand eine höhere Punktzahl als ich erreicht haben soll. Es erwies sich aber als Irrtum, sodass ich für mich unverhofft als Siegerin ausgerufen wurde», schildert die 41-jährige Lehrerin aus Obernau, wie sie am Samstag die Siegerehrung an der 10. Zentralschweizerischen Jassmeisterschaft der «Luzerner Zeitung» und ihren Regionalausgaben in Hochdorf erlebte.

Eine Hellebarde gab es zwar tatsächlich zu gewinnen, diese wurde jedoch als Spezialpreis verlost. Die Siegerin der Jassmeisterschaft durfte ein Auto der Marke Fiat entgegennehmen. Sarah Bachmann strahlte gestern noch immer wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum über ihren Sieg und warf bei unserem Treffen im Wirtshaus Wichlern in Kriens ein Set Jasskarten hoch. Nicht etwa, weil sie sich über ein mieses Blatt ärgerte, sondern für die Fotografin. «Jassen entspannt mich, ich ärgere mich nie», sagt sie.

Glück allein reicht nicht für den Meistertitel

Apropos Kind. Ihre Kinder (10 und 13) prophezeiten ihr, dass sie Jasskönigin wird. «Sie sagten, ich solle mit dem Zug nach Hochdorf fahren, da ich ja mit dem Auto heimkehren würde. Die beiden wussten, dass ich gewinne», scherzt Bachmann. Dabei habe sie lediglich Glück gehabt.

Daran allein kann es nicht liegen. Die zweifache Mutter räumte nämlich bereits in der ersten Runde der diesjährige Meisterschaft ab. Diese fand übrigens im Wirtshaus Wichlern statt. «Natürlich kann ich jassen, wie alle, die sich für den Final qualifizierten. Ich hatte aber auch gute Karten und Partner, mit denen es gepasst hat», betont sie.

Für den Final in Hochdorf qualifizierten sich 204 Jasser, davon rund 50 Frauen. Sarah Bachmann war aufgrund ihres Alters und Geschlechts eine der auffälligeren. «Ich wurde ab und zu skeptisch betrachtet, als ich an den Tisch getreten bin. Die dachten vermutlich, dass ich den Under nicht vom Nell unterscheiden kann und sahen ihre Felle davonschwimmen.» Sie merkten jedoch schnell, dass auch Frauen dieses Spiel verstehen. Denn neben Bachmann platzierten sich in Hochdorf gleich drei Frauen unter den ersten fünf.

Dass jeweils nur rund ein Viertel Frauen an Turnieren mitmacht, findet Bachmann schade: «Frauen jassen so gut wie Männer. Aber sie trauen sich weniger, teilzunehmen. Vielleicht haftet dem Spiel zu sehr das Image vom Stammtisch einer verrauchten Beiz an.»

Sie selber hat sich letztes Jahr zum ersten Mal überwunden und meldete sich mit einer Kollegin an. Sarah Bachmann ist zwar in einer Spielerfamilie aufgewachsen, lernte das Jassen aber im Kollegenkreis. «Mein Schwiegervater zeigte mir später, wie man auch aus schlechten Karten das Optimum herausholt und freute sich mit mir über den Titelgewinn.»

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

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