Kolumne

Jassen... wer hat's erfunden? Waren es tatsächlich die Schweizer?

«Gschobe» heisst die Jass-Kolumne von Dani Müller. In seiner neunten und letzten Folge klärt der Jass-Experte auf, woher das Spiel eigentlich stammt.

Dani Müller
Drucken
Teilen
Dani Müller. (Michel Canonica / Tagblatt)

Dani Müller. (Michel Canonica / Tagblatt)

Wir Schweizer? Könnte man meinen, aber dem ist nicht so. Hätten Sie gedacht, dass Länder wie China, Indien, Persien, Korea, Italien, Deutschland, Frankreich, Holland, Belgien allesamt Einfluss auf das Jassen in der Schweiz hatten? Es wird vermutet, dass die Kartenspiele von Osten über die Seidenstrasse und über die Meere nach Europa kamen. In China und Korea wurden Spielkarten aus dem 12. Jahrhundert gefunden. Bewiesen ist, dass im 14. Jahrhundert in Florenz mit Karten gespielt wurde. Dies geht aus einem Verbot aus dem Jahr 1377 hervor. Vielerorts war das Kartenspiel verboten, da durch die Geldeinsätze die Spielschulden zunahmen.

Dennoch hat sich das Kartenspiel in Europa ausgebreitet. Die Motive der Kartenblätter waren geprägt durch Darstellungen des Lebens am Hof, der Soldaten und des fahrenden Volkes. Ab dem 15. Jahrhundert setzten sich die noch heute üblichen Kartenwerte mit Zahlen und den Bildern Bube (Under), Dame (Ober) und König durch. Handbemalte Spielkarten waren kostbar und vorab dem Adel vorbehalten. Den mit 36 Karten gespielten Jass wie wir ihn heute kennen, brachten protestantische Schweizer Söldner aus Holland und Belgien im 18. Jahrhundert in die Schweiz. Die Firma «Müller» beanspruchte bezüglich der Herstellung von Spielkarten um 1890 das Monopol.

In der Schweiz wird westlich der Brünig-Napf-Reuss-Linie, also in der Westschweiz, sowie in den Kantonen Solothurn, beiden Basel, Graubünden und im Tessin mit französischen Karten gejasst. Mit Deutschschweizer Karten spielen wir in der Innerschweiz, in den Kantonen Zürich, Glarus und St. Gallen und beiden Appenzell. Der Aargau und Thurgau sind Sonderfälle – hier wird mit beiden Karten gejasst. Wir Schweizer haben das Jassen zwar nicht erfunden, aber den «Röschtigraben» dazu.