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JAZZ FESTIVAL WILLISAU: John Zorn – der New Yorker Maniac als Publikumsmagnet

Der Chef des Jazz Festival Willisau, Arno Troxler, ist zufrieden. Für den John-Zorn-Marathon am Samstag musste erstmals seit Jahren der Zuschauerraum in der Festhalle vergrössert werden. Auch musikalisch überzeugte die 42. Ausgabe des Festivals, die am Sonntag nach fünf Tagen zu Ende ging.
John Zorn am Saxophon - hier mit dem Masada Quartet - in der Willisauer Festhalle. (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau,)

John Zorn am Saxophon - hier mit dem Masada Quartet - in der Willisauer Festhalle. (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau,)

Mit einem stimmigen und gepflegten Auftritt unter dem Titel «Beauty & Truth» setzte das Trio des 72-jährigen Pianisten Joachim Kühn am Sonntag einen schönen Schlusspunkt unter das Festival. Zuvor hatten Mat Maneri und Randy Peterson einen intimen Dialog mit Viola und Schlagzeug geboten.

Insgesamt 5000 Personen haben laut Angaben der Organisatoren die Konzerte besucht, deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. Musikalische Gegensätze und generationenübergreifende Bands hätten, neben Wetterglück, zu einem gelungenen Festival beigetragen.

Tag des Zorns

Prägend für das Festival war die Hommage für den 63-jährigen New Yorker Musiker und Komponisten John Zorn. Die sechs Gruppen, mit denen er anreiste (u.a. Marc Ribot, Dave Douglas, Joey Baron, John Medeski), gaben eine kompakte Hörprobe seiner musikalischen Bandbreite: von dem akustischen, spanisch angehauchten Gitarren-Duo (Gyan Riley und Julian Lage) bis zur höllisch lauten Metal-Band «Cleric» samt Urschrei, von schönster Melodik bis zum härtesten Noise.

Mat Manieri. (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
Joachim Kuehn (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
Das Joachim Kuehn Trio (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
Chris Jennings am Kontrabass. (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
John Zorn mit dem Masada Quartet. (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
John Zorn. (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
Cleric (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
Trio Heinz Herbert. (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
Saul Williams. (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
Ramon Landtodt. (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
Dominic Landtholdt (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
David Murray (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
Asmodeus spielt the Bagatelles (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
Peter Schärli während dem Konzert von "Peter Schärli Trio feat. Glenn Ferris". (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
Glenn Ferris während dem Konzert von "Peter Schärli Trio feat. Glenn Ferris". (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
Glenn Ferris, links, und Peter Schärli. (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
Peter Schärli, links, und Thomas Duerst. (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
Peter Schärli. (Bild: Marcel Meier / Jazz Festival Willisau)
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Jazz Festival Willisau

Zorn ist ein rastloser Maniac, der seit den 80-er Jahren die New Yorker Szene prägt. Als Komponist bearbeitet er unter anderem jüdische Musiktraditionen wie Klezmer und bringt sie in einer erfrischend zeitgemässen Interpretation voller Energie auf die Bühne. Wenn er komponiert, dann fallen nicht einzelne Werke an, sondern gleich Hunderte: über 600 Kompositionen umfassen seine Masada-Books und im Frühling 2015 stiess er rund 300 «Bagatelles» aus, wobei eine gewisse Gleichförmigkeit nicht zu bestreiten ist.

Doch der Tag des Zorns, der Samstag, überzeugte. Genau 40 Minuten gestand Zorn jeder der sechs Formationen zu. Das ist im Verhältnis zu den andern Konzerten wenig, doch bestachen die Auftritte durch höchste Intensität und Präzision ? auch wenn das Publikum nicht allen Hörproben gleichermassen zusprach (z.B. wenn «Cleric» mit ihrem brachialen Sound die Festhalle in ihren Grundfesten erzittern liess).

Unverwüstlich: David Murray und Roscoe Mitchell

Brillante Konzerte gab es auch an den andern Tagen. So sorgte etwa David Murrays «Infinity Quartet» mit dem Slam-Poeten Saul Williams für einen Sound, der die Jazz-Tradition aufnimmt und gleichzeitig auf der Höhe der Zeit improvisiert. Kein Vorgeplänkel, sondern augenblicklich von 0 auf 100 musizierten diese bestens aufeinander abgestimmten Musiker. Für einen Höhepunkt sorgte am Eröffnungsabend auch das Roscoe Mitchell Trio. Zum groovigen Sound seiner Mitmusiker setzte der Saxofonist sparsam aber wirkungsvoll abstrakte Kontrapunkte, die über den Jazz hinaus auf die Neue Musik verwiesen.

Einen verhaltenden Kontrast zu den Powerplayern setzten das Peter Schärli Trio und Glenn Ferris mit swingenden, lyrischen Stücken, die an die grossen Standards des Jazz erinnern. Zu den Entdeckungen des Festivals gehört das Schweizer Trio Heinz Herbert, das der traditionellen Jazz-Combo witzig und gekonnt eine Frischzellen-Therapie besorgt. Akustische und elektronische Klänge werden hier mit grosser Konzentration und Intensität zu einem überzeugenden Resultat vermischt.

Einen bewusst ausgedehnten, aber doch etwas langatmigen Anlauf nahm die als Geheimtipp angekündigte französische Pianistin Eve Risser mit ihrem Trio «En corps», bis es in gekonnter Interaktion zu einem virtuosen Finale kam.

Deutlich aus dem Rahmen des Festival-Hauptprogrammes fiel das «Bottom Orchestra» (zehn Musiker aus der Schweiz und aus Deutschland) mit seinen «Songs of Work». Der Absicht, auf die Arbeitsbedingungen im Neoliberalismus hinzuweisen und die Leute zu bewegen (Zu was eigentlich «Zum Klassenkampf»), ist sicher gut gemeint - das aber ist bekanntlich das Gegenteil von gut. Müde Musik und papierene Texte in einem abgestandenen Verlautbarungsjargon locken keinen hinter dem Ofen hervor.


sda

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