JAZZ FESTIVAL WILLISAU: Literarisch-Musikalisches und Sounddesign

Mit dem Projekt "Die vierzig Mütter Kirgistans" mit Musik und Text ist am Mittwochabend das Jazz Festival Willisau eröffnet worden. Im zweiten Teil präsentierte der amerikanische Trompeter Dave Douglas das Sound-Design seiner aktuellen Formation High Risk.

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Der Trompeter  Dave Douglas – wiederkehrender Gast in Willisau – spielte am Eröffnungsabend mit seiner aktuellen Formation High Risk. (Bild: PD)

Der Trompeter Dave Douglas – wiederkehrender Gast in Willisau – spielte am Eröffnungsabend mit seiner aktuellen Formation High Risk. (Bild: PD)

"Die vierzig Mütter Kirgistans" verbinden Musik und Text: Die Sängerin und Bassistin Anna Trauffer und der Gitarrist Philipp Schaufelberger improvisierten zu den Worten von Tim Krohn, die um die Schöpfung kreisen.  Lyrisches Suchen und Schwingen zwischen Komposition und Improvisation brachte im zweiten Teil des Abends Dave Douglas auf die Bühne.

Der Eröffnungsabend markierte damit die Bandbreite des 41. Festivals: Ein experimentelles Suchen nach einem unverbrauchten Ausdruck mit Wort und Ton einerseits, das im "klassischen" amerikanischen Jazz verwurzelte Spiel mit zeitgemässen Möglichkeiten des Klangs.

Seit Arno Troxler 2010 die Leitung des Willisauer Festivals vom Gründer Niklaus Troxler übernommen hat, versucht er sich im Spagat zwischen Kontinuität und Öffnung zu neuen Formen des zeitgenössischen Jazz und der Improvisation – bis jetzt mit inspirierenden, gelungenen Programmierungen. So konnte er die rückläufigen Besucherzahlen stoppen und zumindest stabilisieren.

Am Mittwochabend stand Dave Douglas für die Kontinuität, war er doch schon zu Zeiten von Niklaus Troxler ein regelmässiger Gast in Willisau. Das Trio Trauffer-Schaufelberger-Krohn dagegen vertritt eine avantgardistische – und zudem einheimische – Improvisationsszene, die mit unkonventionellen Möglichkeiten nach einem neuen Zugang zu Musik sucht.

Prominent vertreten: die US-Szene

Bis am kommenden Sonntag sind auf der Hauptbühne in der Festhalle mehr oder weniger bekannte Musiker und Formationen der aktuellen Szene zu sehen und zu hören. Zu den vertrauten Gesichtern gehören der Saxophonist Ellery Eskelin (mit dem Trio New York), der Gitarrist John Abercrombie (mit seinem Quartett), beide Amerikaner, sowie der mittlerweile 73-jährige "Doyen" des europäischen Free Jazz, Peter Brötzmann (der mit dem Trio Die Dicken Finger) anreist.

Die zeitgenössische amerikanische Szene ist mit dem Quintett Bigmouth des Bassisten Chris Lightcap sowie mit dem Trio des Gitarristen Jim Campilongo vertreten; letzterer weidet mit seiner Telecaster 59 ungeniert auch auf Country- und Blues-Wiesen. Ethno-Einflüsse wie Calypso und Reggae sind bei der Londoner Band Sons of Kemet (Bandleader Shabaka Hutchings stammt aus Barbados) zu hören. Aus Skandinavien kommt in diesem Jahr das norwegische Quintett Atomic.

Schwerpunkte aus der Schweiz

Mit vier Formationen ist die Schweizer Szene im Hauptprogramm gut und prominent vertreten. Neben dem Trio vom Eröffnungsabend bringt am Donnerstag die Grossformation Los Dos & Orchestra ihre trashige Filmmusik zu einem imaginären Western auf die Bühne. Schnellertollermeier (Manuel Toller, Andi Schnellmann, David Meier) zeigen am Samstag, wie intelligent und raffiniert sich Jazz und Rock auf der Höhe der Zeit verbinden lassen. Schliesslich tritt zum Festivalabschluss am Sonntag der Pianist Michel Wintsch (er schrieb unter anderem Filmmusik für Alain Tanner) mit Roof Fool auf.

Ergänzt wird das Hauptprogramm mit der Reihe Intimities (Frächdachs; Chico Freeman/Heiri Känzig; Antoine Läng), mit den Late Spots sowie mit Gratiskonzerten im Zelt. (sda)