Viel Sonne, viele Leute – doch die Luzerner Polizei ist zufrieden: «Die meisten haben sich an die Vorgaben gehalten»

Die Warnungen der Behörden haben gewirkt, wie ein Besuch am Luzerner Seeufer zeigt. Dennoch hatte die Polizei alle Hände voll zu tun.

Fabienne Mühlemann
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Es herrscht derzeit herrliches Wetter. Die Sonne lässt das Quecksilber auf 20 Grad Celsius steigen. An normalen Tagen wären jetzt viele Orte in der Stadt Luzern – vor allem am Seeufer – zum Bersten voll. Doch das Coronavirus lässt dies momentan nicht zu. Da sich bis anhin noch zu wenige an die Abstandsregeln hielten, musste die Stadt Luzern zu drastischen Massnahmen greifen. So sind der Quai (Pavillon bis Lido), der Europaplatz vor dem KKL sowie das Inseli seit vergangenem Samstag mit Gittern abgesperrt und nicht mehr zugänglich.

Auch auf den Sitzbänkli wird Abstand gehalten

Trotzdem waren am Wochenende einige Leute in der Stadt unterwegs, das schöne Wetter zog sie nach draussen. Insbesondere der Bewegungsdrang ist gross. So trifft man auf viele Jogger mit schweissnassen Kleidern. Oder auf Biker, die am See einen Stopp einlegen, um ein Foto des wunderbaren Panoramas zu schiessen. Doch grosse Menschenansammlungen sieht man praktisch keine. Die Spaziergänger halten meist Abstand zueinander. Auf den Bänkli sitzen die Gesprächspartner jeweils am anderen Ende – es sei denn, es sind Paare oder Familien. Es sind kuriose Bilder, im Hinblick auf die gegenwärtige Situation aber doch erfreuliche.

Auch sie halten den Abstand ein: Personen beim Richard-Wagner-Museum.

Auch sie halten den Abstand ein: Personen beim Richard-Wagner-Museum.

Bild: Patrick Hürlimann, Luzern, 5. April 2020

Insgesamt lässt sich sagen: Auch an den Orten am Seeufer, die noch zugänglich sind, ist es ruhiger als sonst. Beim Richard-Wagner-Museum findet man am Sonntagnachmittag eine friedliche Atmosphäre vor, nur das Zwitschern der Vögel ist zu vernehmen. «Es ist wichtig, dass die Massnahmen eingehalten werden», sagt ein junges Pärchen, das sich auf einer Bank eine Verschnaufpause gönnt.

Der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli hatte am Freitag angekündigt, dass man die Kon­trollen auf den Sportplätzen intensivieren werde, da dort die Regeln häufig nicht eingehalten würden. Ein Augenschein auf der Luzerner Allmend am Sonntagnachmittag zeigt nun: Es gibt kaum Menschen auf den Sportplätzen. Ein einsamer Jogger dreht auf der Finnenbahn seine Runden, auf den Rasenfeldern kicken ein paar Kinder einander den Ball zu. Zwei Familien haben sich am Spielfeldrand gemütlich eingerichtet. Das Fussballtraining fehle den Kindern, sagt die eine Mutter. «Denn Fussballspielen kann man schliesslich nicht über Skype.» Es fehle ihnen als Familie schlicht der Alltag. Und ihr Sohn ergänzt: «Ich vermisse die Schule und meine Freunde.»

Wenige Sportler auf dem Sportplatz beim Stadion Allmend.

Wenige Sportler auf dem Sportplatz beim Stadion Allmend.

Bild: Patrick Hürlimann, Luzern, 5. April 2020

Mehr Betrieb herrscht auf der Ufschötti. So sieht man Einzelpersonen, die gemütlich auf einer Decke die Wärme geniessen und ein Buch lesen oder Paare, die Karten spielen. Frisbees flitzen durch die Luft, Federbälle fliegen hin und her, ein älteres Paar hat gar einen Grill dabei. «Wir haben keinen Balkon und mussten daher mal raus für einen Spaziergang», erfährt man von einem Pärchen, das in der Stadt wohnt.

Auf der Ufschötti war doch einiges los.

Auf der Ufschötti war doch einiges los.

Bild: Patrick Hürlimann, Luzern, 5. April 2020

Auch am Schweizerhofquai sind am Nachmittag einige Menschen vorzufinden, denn dort ist Flanieren noch erlaubt. Die Bänkli wurden aber abmontiert. Die getroffenen Massnahmen der Stadt stossen bei den meisten auf Verständnis. «Letztes Wochenende waren so viele Menschen am See. Ich habe mir schon gedacht, dass bald so etwas wie eine Sperrung kommen wird», sagt eine ältere Frau.

Sie geniessen das Wetter am Schweizerhofquai.

Sie geniessen das Wetter am Schweizerhofquai.

Bild: Patrick Hürlimann, Luzern, 5. April 2020

Am Samstag wurden 100 Personen gebüsst

Die Luzerner Polizei ist mit dem Verhalten der Leute am Wochenende grundsätzlich zufrieden. «Wir haben festgestellt, dass sich viele Leute draussen aufhielten», sagt Polizeisprecher Christian Bertschi. «Aber die meisten haben sich an die Vorgaben gehalten.» Die Polizei habe im ganzen Kanton zusätzliche Patrouillen eingesetzt, weshalb mehr Polizisten unterwegs waren als an anderen Wochenenden. Auch Naherholungsgebiete wie Wälder wurden kontrolliert. Bertschi:

«Wir wollten Präsenz markieren, damit sich die Leute bewusst werden, wie wichtig es ist, sich an die Regeln zu halten.»

Am Samstag habe die Polizei rund 100 Ordnungsbussen à 100 Franken verteilt. Das höre sich im ersten Moment nach viel an, so Bertschi. «Aber da bei einer Gruppe von über fünf jede einzelne dieser Personen eine Busse erhält, sind das im Endeffekt gar nicht so viele Fälle.»