Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Jetzt ist es definitiv: Die Rigi Bahnen wollen Gondelbahn bauen

Ab 2022 soll die neue Luftseilbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad fahren. Wie die Rigi Bahnen nun mitteilen, soll es eine Gondelbahn werden. Doch nicht nur das: Auch die bekannte Zahnradbahn von Vitznau wird erneuert. Den berühmten roten Wagen droht de facto das Aus.
Kilian Küttel
Die neue 15er Gondelbahn von Kräbel auf Rigi Scheidegg. (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Rigi, 23. Dezember 2017)

Die neue 15er Gondelbahn von Kräbel auf Rigi Scheidegg. (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Rigi, 23. Dezember 2017)

Es ist eine Medienmitteilung, die sich wie ein Werbespot liest. Am frühen Mittwochnachmittag schreiben die Rigi Bahnen von «zukunftsweisenden Projekten», die «Fahrt aufnehmen». Es ist eine Sprache, die manchem PR-Berater ein Lächeln ins Gesicht zaubern würde. Die Neuigkeit hinter den schönen Worten: Die Rigi Bahnen AG hat sich für den Bau einer Gondelbahn als Ersatz für die Luftseilbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad entschieden. Bis anhin stand auch eine Pendelbahn zur Diskussion.

Die neue Bahn soll über 21 Gondeln mit jeweils zehn Sitzplätzen verfügen und kann bei Minimalauslastung 800 Personen pro Stunde befördern. Zum Vergleich: Das jetzige Modell bietet Platz für 140 Personen, verteilt auf zwei Kabinen und hat eine Kapazität von 640 Personen pro Stunde.

Neue Talstation, umgebaute Bergstation

Der Effizienzgewinn dürfte auf der Hand liegen, verkehrt eine Gondelbahn durchgehend, während die eine Pendelbahn eine fixe Abfahrtszeit hat. Oder wie das Bahnunternehmen selber schreibt: «Betreffend Wartezeiten bietet eine Gondelbahn klare Vorteile, dies vor allem wegen des kontinuierlichen Umlaufbetriebs.»

Zusammen mit der Gondelbahn ist der Neubau der Talstation geplant. Die Bergstation derweil soll umgebaut werden. Und zwar so, dass die Gondeln auf dem gleichen Stockwerk ankommen, auf dem sich das Thermalbad befindet. Heisst, die Station wird nach oben versetzt. «Das hat den Vorteil, dass der Gast zukünftig auf kürzerem und komfortablerem Weg vom Bahnausstieg auf den Dorfplatz Kaltbad gelangen kann», heisst es in der Medienmitteilung.

Kling gut, es täuscht aber wenig über die Tatsache hinweg, dass das Konzept Gondelbahn kritisch beäugt wurde und wird. Denn eine Gondelbahn braucht mehr Stützen als eine Pendelbahn - und das kommt besonders bei Landschaftsschutzverbänden nicht gut an. Auf Anfrage unserer Zeitung sagt deshalb Rigi-Bahnen-CEO Stefan Otz: «Uns ist es ein Anliegen, die verschiedenen Interessengruppen ins Boot zu holen. Wir stehen mit ihnen im Dialog.»

So sollen die neuen Gondeln aussehen. (Bild: PD)

So sollen die neuen Gondeln aussehen. (Bild: PD)

Wie viele Stützen dereinst gebaut werden sollen, konnte Otz noch nicht sagen, klar sei aber: «Es werden mehr sein als die drei Stützen der bestehenden Bahn. Wir gehen von ungefähr 15 Masten aus, jedoch können es auch 13 oder 17 werden, je nach Linienverlauf.» Denn dieser ist derzeit Verhandlungssache mit Grundeigentümern und Landbesitzern. Aufgrund dessen wollte sich Otz auch nicht zu den Baukosten äussern, da diese je nach Verhandlungsergebnis variieren würden. Jedoch: Im April 2018 sagte Geschäftsleitungsmitglied Jörg Lustenberger noch, der Preis liege wohl zwischen 15 und 20 Millionen Franken.

Bauarbeiten sollen 2021 starten

Um die Interessenvertreter weiter an die Hand zu nehmen, will das Bahnunternehmen im kommenden Jahr ein Mitwirkungsverfahren starten. Eine Idee, die bei der Gemeinde Weggis auf fruchtbaren Boden fällt. Oder wie es Gemeindepräsident Roger Dähler (parteilos) sagt:

«Es ist wichtig, dass alle Beteiligten involviert sind. Klar ist auch, dass Herausforderungen warten, die gemeistert werden wollen.»

Damit spricht er einerseits das Thema der Linienführung an, andererseits die Querelen rund um die «Disneyisierung» der Rigi, vor der sich Anwohner fürchten.

Vom Entscheid der Rigi Bahnen hat die Gemeinde Weggis seit Längerem Kenntnis, «auf unserem Tisch liegt aber noch nichts Schriftliches», so Dähler. Allerdings habe man auf Anfang Januar einen Termin vereinbart, an welchem das Projekt besprochen werden soll.

Vorgesehen ist, dass die Bewilligung 2020 vorliegt, die Bauarbeiten im Herbst 2021 starten, und die Bahn im Sommer 2022 eröffnet wird. Während der neunmonatigen Bauzeit wird die Seilbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad eingestellt. Anwohner und Touristen müssen über Vitznau und damit über die langsamere Zahnradbahn ausweichen.

Und: Auch dort stehen Veränderungen an. Wie die Rigi Bahnen mitteilen, will sie die bald 150-jährige Zahnradbahn erneuern. So werden neue Triebwagen angeschafft, welche die Bremsenergie bei der Talfahrt ins Netz rückspeisen könnten. Gemäss Otz soll der erste neue Wagen 2021 auf die Schienen kommen - also zeitgleich mit dem 150-Jahr-Jubiläum.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die bekannten, roten Wagen ausgedient haben. Jedenfalls fast. Stefan Otz:

«Was mit dem alten Rollmaterial genau passiert, ist noch offen».

Unsere Passagiere sollen zwar auch weiterhin mit nostalgischen Wagen auf die Rigi fahren können, jedoch werden weniger von ihnen im Einsatz stehen als jetzt.» Auch zu den Projektkosten für die Erneuerung der Zahnradbahn hält sich Otz bedeckt: «Auch hier sind die Verhandlungen noch im Gang.»

Wie beurteilt die Gemeinde Weggis die Idee einer Gondelbahn? Noch im April 2018 sagte der Weggiser Gemeindeammann Baptist Lottenbach (FDP): «Damit würde Weggis besser an den öffentlichen Verkehr angeschlossen. Eine Gondelbahn ohne fixen Takt-Fahrplan ist sicher eine attraktive Lösung.» Nun allerdings klingt es ein wenig anders, ein klares Bekenntnis jedenfalls wollte Gemeindepräsident Roger Dähler am Mittwoch nicht abgeben: «Es hat alles seine Vor- und Nachteile und vieles ist noch unklar, weshalb ich mich noch nicht äussern möchte. Wichtig ist mir jedoch: Wir sind froh, dass es die Rigi Bahnen überhaupt gibt, da sie für uns einen Ortsteil erschliessen.»

Landschaftsschutz kritisch gegenüber Gondelbahn

Offen ist noch die Frage, wie der Landschaftsschutz zum geplanten Neubau steht. Gemäss Urs Steiger, dem Präsidenten des Landschaftsschutzverbandes Vierwaldstättersee (LSVV), hat sich der Verband bereits im Oktober zu einem allfälligen Gondelbahnprojekt geäussert: «Wir sind im Vergleich mit einer Pendelbahn zu einer kritischen Einschätzung gelangt und haben diese den Rigibahnen kommuniziert», so Steiger auf Anfrage.

In der Zwischenzeit haben die Rigi Bahnen den LSVV über den Fortschritt der Planung informiert, wobei der Verband weitere Fragen deponiert hat. «Das sind Fragen rund um die Anzahl der Masten und den Rodungsbedarf, aber auch Fragen um das Parkierungs- und Verkehrskonzept in Weggis.» Die Rigi Bahnen hätten die Bereitschaft gegeben, sich für die Einholung eine Gutachtens der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission zu engagieren. Antworten auf die offenen Fragen stehen noch aus. Steiger: «Sobald wir diese bekommen haben, werden wir diese prüfen und die Lage neu beurteilen.»

Zusammenfassend: Wer mit den Beteiligten spricht, wird das Gefühl nicht los, dass auf der Rigi das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. CEO Stefan Otz sagt selber: «Es gibt viele Anspruchsgruppen. Die Rigi Bahnen sind überzeugt, dass bei den anstehenden Bauprojekten eine für alle tragbare Lösung erarbeitet werden können und die Projekte schliesslich einen Mehrwert für alle Interessenseigener bieten.» Dazu brauche es den Dialog: «Und dieser findet statt.» Ja, das letzte Wort dürfte noch nicht gesprochen sein. Daran ändert wohl auch der Werbespot auf Papier wenig.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.