Leserdebatte

Jetzt ist klar: So wird das neue Hochhaus am Luzerner Pilatusplatz aussehen

Der Stadtrat hat entschieden: Eine Zuger Immobilienfirma und ein Zürcher Architekturbüro werden sich dem Hochhausprojekt am Pilatusplatz annehmen. Freuen kann man sich auf eine Bar im Attikageschoss.

Roman Hodel
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So soll der Pilatusplatz dereinst aussehen.

So soll der Pilatusplatz dereinst aussehen.

Bild: pd

Neun Jahre schon liegt das Areal, auf dem einst das Wirtshaus zur Schmiede stand, brach. Doch nun kommt Bewegung in die Sache. Die Bietergemeinschaft bestehend aus der Senda Immobilien AG aus Zug und dem Architekturbüro Joos und Mathys aus Zürich gewinnt den Projektwettbewerb, den die Stadt Luzern als Eigentümerin durchgeführt hat. «Das Gebäude hat die Jury aufgrund seiner eleganten Architektur am meisten überzeugt», sagt Baudirektorin Manuela Jost (GLP). Sie spricht von einem eigentlichen «Stadtpalais», der «prägnant, grosszügig aber auch differenziert» daherkomme.

Äusserlich erinnert das 35 Meter hohe Hochhaus mit seiner markanten Kassettenfassade an die Architektur der 1930er Jahre. «Die Fassade bildet zwar eine Einheit, aber sie ist je nach Geschossnutzung – Retail, Büros oder Wohnen – anders ausgestaltet, das macht es spannend», sagt Jost. Zudem verfügt dieses Projekt als eines der einzigen über eine Passage, die diagonal zum dahinterliegenden, zu erhaltenden Fachwerkhaus führt. Darin wollen die Gewinner ein Kaffeehäuschen einrichten. Eine Jury bestehend aus externen Expertinnen und Experten sowie Fachpersonen aus der Stadtverwaltung hat überdies fünf weitere Projekte rangiert. Insgesamt waren 24 gültige Projekte eingegangen. Jost sagt:

«Allein diese Anzahl hat uns gefreut – aufgrund der komplexen Aufgabenstellung rechneten wir anfangs mit eher wenig Projekten.»

Komplex wegen der Lage an einem Verkehrsknotenpunkt, der überschaubaren Grundstücksfläche, dem Erhalt denkmalgeschützter Nachbargebäude und der Auflage, zuoberst eine öffentliche Nutzung zu ermöglichen. Laut Jost war das Bewerberfeld überdies interessant, «weil alles was Rang und Namen hat, teilnahm.» Darunter etwa das Emmer Generalunternehmen Anliker mit den Luzerner Masswerk-Architekten oder das Generalunternehmen Implenia mit den Luzerner Architekten Rüssli Architekten.

Was die Gewinner betrifft, so ist zumindest das Zürcher Architekturbüro in Luzern schon bekannt: Joos und Mathys haben den Ersatzneubau des ehemaligen C&A-Modehauses am Kapellplatz entworfen. Die Senda Immobilien AG hingegen kennt man hier noch kaum. Die Firma wurde 2018 von einer Schweizer Familie in Zug gegründet. «Für uns ist der Pilatusplatz ein Leuchtturmprojekt», sagt General Manager Roman Pechlaner. Als eines der wenigen eingereichten Projekte habe man zugunsten der Ästhetik auf Flächen verzichtet – und das zahle sich nun aus. Dass das Gebäude an die 1930er und auch 1950er Jahre erinnere, sei kein Zufall. Pechlaner sagt:

«Wir haben uns von Beispielen in namhaften Städten wie Milano, Paris oder New York inspirieren lassen.»

Das Raumprogramm soll wie folgt aussehen: Im Erdgeschoss sind Retail- und Gastroflächen geplant. In den Etagen 1 bis 5 folgen Büro- und Geschäftsräume und in den Etagen 6 bis 10 rund 30 Mietwohnungen für Singles und Paare im mittleren bis oberen Preissegment. Zudem ist im obersten Stock eine Bar mit Co-Working-Plätzen vorgesehen. Dass nur 18, über einen speziellen Lift zugängliche Autoparkplätze gebaut werden dürfen, sieht er nicht als Nachteil: «Der Standort ist ÖV-technisch bestens erschlossen und der Trend geht ohnehin weg vom Auto.» Zum Investitionsvolumen werden keine Angaben gemacht.

Voraussichtlich im Herbst wird der Grosse Stadtrat über den 80 Jahre dauernden Baurechtsvertrag befinden. Dieser beschert der Stadt jährliche Zinseinnahmen von einer halben Million Franken. Danach folgt die Ausarbeitung eines Gestaltungsplans. Dabei wird die Stadt einige Empfehlungen des Preisgerichts berücksichtigen. «Wir werden vor allem bei der Gestaltung des Aussenraums, etwa bei den Bodenbelägen oder der Begrünung , mitreden und die Quartiere einbeziehen», sagt Baudirektorin Jost. «Ausserdem werden wir bezüglich Einhaltung der Energiestandards beim Gebäude genau hinschauen.»

Blockieren Hochhaus-Gegner auch dieses Projekt?

Läuft alles nach Plan, rechnet die Stadt mit der Baueingabe im 2022 und dem Bezug im 2025. Allerdings: Am Bundesplatz ist ein Projekt blockiert, dessen Gebäude wie jenes hier am Pilatusplatz ebenfalls 35 Meter hoch werden. Grund sind von der Stadt abgewiesene Einsprachen wegen der Höhe, die weitergezogen werden (wir berichteten). Die Stadtluzerner haben zwar Ja gesagt zu Hochhäusern an beiden Orten, dennoch ist es nicht verboten, sich rechtlich dagegen zu wehren. Pechlaner von der Senda Immobilien AG sagt: «Deshalb ist es wichtig, dass wir von Anfang an gut kommunizieren und alle Betroffenen früh mit einbeziehen.»

Das sieht Manuela Jost genau so: «Mit Hürden muss man bei Bauprojekten rechnen, entsprechend wichtig ist die Kommunikation.» Vorerst aber freut sie sich darüber, dass es beim Pilatusplatz endlich vorwärts geht. Bei Jost dauere alles viel zu lang, kritisierte die SVP eben erst noch im Wahlkampf. Sie betont, dass die Bekanntgabe des Gewinners zeitlich nichts mit dem zweiten Wahlgang zu tun hat:

«Planungen von komplexen Projekten dauern nun mal lange. Es wäre mir auch lieber, alles ginge schneller.»
Der geplante Neubau am Luzerner Pilatusplatz soll zur «Visitenkarte» werden.

Der geplante Neubau am Luzerner Pilatusplatz soll zur «Visitenkarte» werden.

Visualisierung: Projekteingabe Joos & Mathys Architekten AG 
Nahaufnahme des geplanten Neubaus am Pilatusplatz

Nahaufnahme des geplanten Neubaus am Pilatusplatz

Visualisierung: Projekteingabe Joos & Mathys Architekten AG

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Die weiteren Projekte:

Häuser am Pilatusplatz (Platz 2)

Playtime (Platz 3)

Pilatushof (Platz 4)

Tomli (Platz 5)

Levare (Platz 6)

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