Jetzt macht der Luzerner Rathausturm wieder «e Gattig»

Während zwei Jahren waren die oberen Geschosse des Rathausturmes geschlossen. Nun hat die Stadt Luzern die Restaurierung abgeschlossen. Am Gebäude wurde wenig verändert – sogar alte Kritzeleien von Verliebten sind noch zu sehen.

Stefan Dähler
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Blick in den Luzerner Rathausturm: Der alte Ziffernblock aus dem Jahr 1788. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 14. September 2018))

Blick in den Luzerner Rathausturm: Der alte Ziffernblock aus dem Jahr 1788. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 14. September 2018))

Einst hausten hier die Brandwächter der Stadt Luzern. Rund um die Uhr war der 43 Meter hohe Rathausturm besetzt. Fenster in alle Himmelsrichtungen sorgten für eine tolle Rundumsicht. Es ging aber nicht darum, diese zu geniessen, sondern Feuer schnell als solche zu erkennen und Alarm zu schlagen.

Den Beruf des Brandwächters gibt es heute nicht mehr. Geblieben ist die tolle Aussicht. Diese war jedoch während zwei Jahren nicht gewährleistet. Die Stadt hat bis Ende August den oberen Teil des Rathausturms restauriert. Grund für die Arbeiten war, dass sich die tragenden Holzverbindungen in einem schlechten Zustand befanden. Dies führte zu statischen Problemen, wie Urs Käppeli von der städtischen Abteilung Immobilien erklärt. Die gesamten Sicherungs- und Sanierungsarbeiten haben rund 180 000 Franken gekostet.

Von aussen präsentiert sich der Rathausturm wie eh und je - Blick vom Kornmarkt her. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 14. September 2018))
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Dieser Ausblick ist nach zwei Jahren Unterbruch wieder möglich: Sicht aus einem der Erkerfenster im obersten Geschoss. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 14. September 2018))
Der alte Ziffernblock aus dem Jahr 1788. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 14. September 2018))
Roland Barmet, Kastellan des Rathausturms der Gesellschaft Fidelitas Lucernensis. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 14. September 2018))
Das kunstvolle Uhrwerk. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 14. September 2018))
Die meisten Böden sind aus Holz. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 14. September 2018))
Im Turm befindet sich das Gesellschaftslokal der Fidelitas Lucernensis, die das Gebäude seit 1979 von der Stadt mietet. (Bild: PD)
Die Gesellschaft hat rund 500'000 Franken in bauliche Massnahmen investiert - hier das Stübli. (Bild: PD)

Von aussen präsentiert sich der Rathausturm wie eh und je - Blick vom Kornmarkt her. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 14. September 2018))

Nötig waren dafür ebenfalls Abklärungen mit der Denkmalpflege. «Ein Thema war auch, künftig keine Führungen mehr im Turm zuzulassen», sagt Urs Käppeli. «Wir wollten den Zugang aber weiterhin ermöglichen. Stattdessen wurde nun eine Beschränkung auf zwölf Personen pro Gruppe eingeführt.» Dies aus Sicherheitsgründen, weil es im Turm sehr eng ist, und um die historische Bausubstanz zu schonen.

«Damit sich jemand um die alten Gemäuer kümmert»

Im Turm befindet sich übrigens das Gesellschaftslokal der Fidelitas Lucernensis, die das Gebäude seit 1979 von der Stadt mietet. Das ist kein Einzelfall. Die Stadt hat zahlreiche weitere Türme vermietet –beispielsweise den Nölliturm an die Zunft zu Safran, den Pulverturm an die Wey-Zunft oder den Wasserturm an den Artillerieverein. «Dies, damit sich jemand um die alten Gebäude kümmert», sagt Roland Barmet, Kastellan des Rathausturms der Fidelitas.

Die Gesellschaft habe rund 500 000 Franken in bauliche Massnahmen investiert. Entstanden sind ein Vereinslokal mit Stübli im ersten Stockwerk sowie darüber ein Ausstellungsraum. Dafür entrichtet die Gesellschaft der Stadt eine reduzierte Miete.

Von der Restauration betroffen waren jedoch die Stockwerke oberhalb der Vereinslokale. Dort befindet sich unter anderem der alte Ziffernblock aus dem Jahr 1788. «Es handelt sich nach jener im Zeitturm um die zweitälteste Uhr in Luzern», sagt Barmet. Eine Treppe weiter oben befindet sich das kunstvolle Uhrwerk. «Dieses wird noch täglich aufgezogen und geht sehr genau. Pro Woche beträgt die Abweichung rund eine Minute.»

In der obersten Etage befinden sich die in Erker eingebauten Fenster, die wie eingangs erwähnt freie Sicht in alle Himmelsrichtungen garantieren. «Der Boden ist hier aus Stein, während er in den anderen Stockwerken aus Holz besteht», sagt Barmet. Dies, damit der Brandwächter nicht selbst einen Brand auslöste. «Es gab einen Feuerofen, weil es oben ganz schön kalt werden kann.»

Restaurator hat neuen alten Ofen aufgetrieben

Ein Ofen ist seit der Restaurierung auch wieder eingebaut. Das Original sei zwar «im Verlauf der Jahre mal verschwunden», sagt Urs Käppeli. «Der Restaurator hat jedoch einen aufgetrieben, der praktisch identisch ist.» In diesem Geschoss wurde zudem «der Boden wiederhergestellt, teils war dieser zerbrochen, es lagen lose Teile herum», sagt er. Das Ziel sei aber gewesen, den Turm möglichst im ursprünglichen Originalzustand zu belassen. «Was man sein lassen konnte, haben wir sein lassen.»

Von der Restaurierung ist daher auf den ersten Blick kaum etwas zu sehen. Da und dort fällt ein neueres Holzbrett auf. So sind selbst alte Kritzeleien sowie eingeritzte Botschaften in den Stein- und Holzplatten belassen worden – darunter auffällig viele Herzen. «Früher wurden die Paare, die im Rathaus geheiratet haben, noch in den Turm geführt», erklärt Roland Barmet. Im Dachstock über dem Raum mit dem Ofen befindet sich noch die Glocke. Dieser Raum ist aufgrund der engen Platzverhältnisse aber nicht begehbar.