Jetzt zücken sie doch noch ihr eigenes Portemonnaie!

Alexander von Däniken, Chefreporter regionale Ressorts, zum Sparwillen der Luzerner Regierungsräte.

Alexander von Däniken, Chefreporter Regionale Ressorts
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Alexander von Däniken (Bild: Pius Amrein)

Alexander von Däniken (Bild: Pius Amrein)

Finanzielle Fastenkuren sind zäh: Da will die Frau (oder der Mann) ein neues Auto, aber der Kontostand sagt Nein. Man einigt sich aufs Sparen. Nur noch die nötigsten Ausgaben dürfen getätigt werden. Dumm nur, wenn sich lediglich ein Partner daran hält, während der andere weiterhin Geld ausgibt, dass es beim Zuschauen wehtut.

Der Luzerner Regierungsrat hat sich bisher diesbezüglich – um es vorsichtig auszudrücken – unglücklich verhalten. Der Spardruck war noch nie so gross wie in diesem Jahr, der budgetlose Zustand erlaubt nur die nötigsten Ausgaben. Dann wird bekannt, dass Bildungsdirektor Reto Wyss (CVP) für alle Kantonsräte samt Partner einen Gratis-Kinoabend organisiert – Apéro inklusive. Nun kommt die Entwarnung. Wegen des budgetlosen Zustands zieht das Bildungs- und Kulturdepartement seine Einladung zurück, wie es in einer aktuellen Vorstoss-Antwort schreibt.

Praktisch zur gleichen Zeit, ebenfalls Mitte Mai, sorgt eine weitere Einladung für Wirbel. Dieses Mal geht es um Helikopterflüge für Luzerner Parlamentarier, um Armeetruppen zu besuchen. Die Einladung stammt von der Armee und von Sicherheitsdirektor Paul Winiker (SVP). Die Ausflüge werden zwar vom Bund bezahlt. Trotzdem: Die Turbulenzen um die Flüge kommen für die Regierung im ungünstigen Moment.

Nun geht es auch anders: Die Regierung verzichtet dieses Mal auf die alljährliche Regierungspräsidentenfeier. Dafür ist ein «bescheidener interner Wahlapéro» geplant, wie die Staatskanzlei auf Anfrage verrät. Der Apéro werde vom designierten Regierungspräsidenten privat finanziert. Also von Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP). Der traditionelle Regierungsratsausflug vom August ist zudem vorderhand abgesagt.

Spendabel um des Sparens willen ist auch Sicherheitsdirektor Paul Winiker. Die Vereidigung der 23 neuen Polizisten am 11. Mai ist schon lange im Voraus geplant. Leider kommt der budgetlose Zustand dazwischen. Damit die Uniformierten trotzdem ordentlich anstossen konnten, stellt Winiker Wein aus seinem eigenen Fundus zur Verfügung. Dasselbe macht er auch bei der Offiziersverabschiedung, wie aus sicheren Quellen zu erfahren ist.

Die Regierungsräte erhalten einen Jahreslohn von rund 250 000 Franken. Ob Guido Graf und Paul Winiker edle Tropfen kredenzen oder sich beim Discounter eingedeckt haben, ist aber für das Volk nicht relevant. Es geht um das Signal nach innen und aussen. Nach innen kann dem Kantonspersonal, das sich vor weiteren Sparmassnahmen fürchtet, mit der solidarischen Geste Verständnis entgegengebracht werden. Nach aussen vermitteln die Regierungsräte den Eindruck, dass sie den Sparauftrag der Bevölkerung erst nehmen. Das macht das Gremium glaubwürdiger und sympathischer. Prost!

Alexander von Däniken, Chefreporter regionale Ressorts

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch