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JODLERFEST: Hier jodelt Jung und Alt in Harmonie

Mehr als 12 000 Jodler und Fahnenschwinger treffen sich in Brig zum 30. Eidgenössischen. Mit dabei sind Trudy Ineichen und ihr Jodlerklub Maiglöggli. Die 67-Jährige nimmt im Wallis gleich vier Rollen ein.
Trudy Ineichen (Bildmitte) und ihre Tochter Barbara (rechts daneben) proben mit dem Jodlerklub Maiglöggli Emmenbrücke für das eidgenössische Jodlerfest vom Wochenende in Brig. (Bild: Pius Amrein (20. Juni 2017))

Trudy Ineichen (Bildmitte) und ihre Tochter Barbara (rechts daneben) proben mit dem Jodlerklub Maiglöggli Emmenbrücke für das eidgenössische Jodlerfest vom Wochenende in Brig. (Bild: Pius Amrein (20. Juni 2017))

«Das zweite Ü muss lauter sein.» «Ich bin halt jetzt ein wenig pingelig, aber diese Stelle will ich sauber.» So tönt es, wenn Trudy Ineichen (67), musikalische Leiterin des Jodlerklubs Maiglöggli Emmenbrücke, ihren Männern und Frauen den Ton angibt.

«Mi Heimat» von Oskar Friedrich Schmalz heisst das Jodellied, das der Klub am eidgenössischen Jodlerfest am Samstag vor einer dreiköpfigen Jury vortragen wird. Auf der Partitur hat der Komponist vermerkt, das Lied solle mit Gefühl und nicht zu langsam gesungen werden. Genau dies nehmen sich die 27 Mitglieder des Jodlerklubs Maiglöggli zu Herzen.

Seit 20 Jahren an jedem Jodlerfest die Note 1 erreicht

Es macht Spass, Trudy Ineichen beim Dirigieren und Singen zuzuschauen. Seit 20 Jahren leitet sie den Jodlerklub Maiglöggli Emmenbrücke. Imponierend, wie sie auf dem Klavier mit der einen Hand den Ton angibt, mit der anderen dirigiert und mitsingt. Dabei entgeht ihr nichts. Sie hört jeden falschen Ton. Bestimmt, aber zuvorkommend korrigiert sie ihre Jodlerinnen und Jodler. Man spürt, dass sie in Brig ein «sehr gut» respektive die Note 1 erreichen will. Seit sie dem 27-köpfigen Klub (24 Männer, 3 Frauen) vorsteht, wurde an jedem Jodlerfest die Bestnote 1 erzielt.

Was ist für die Dirigentin, Jodlerin und Jurymitglied des eidgenössischen Jodlerverbandes ein guter Vortrag? «Wenn mich dieser berührt. Dabei lege ich grossen Wert auf die Gestaltung eines Liedes. Man muss glaubhaft rüberbringen, was man vorträgt.» Wichtig seien ihr die Tongebung, die Dynamik und die Aussprache, und ein guter Vortrag müsse mit Herzblut vorgetragen sein, ergänzt die Dirigentin.

Die Familie Ineichen-Lipp ist äusserst musikalisch. Neben Trudy Ineichen jodeln ihr Mann Werner, ihre Tochter Barbara, ihr Bruder und ihr Schwager im Klub mit. Werner Ineichen ist zudem als Alphornbläser mit dem Alphorntrio Maiglöggli im Einsatz. In Brig wird die Powerfrau neben dem Jodlerklub Maiglöggli auch mit ihrer Tochter Barbara im ­Duett singen und selber als Einzeljodlerin auftreten. Zudem ist sie ein gefragtes Jurymitglied des eidgenössischen Jodlerverbandes. Sie hat am Fest in Brig rund 45 Vorträge zu jurieren. Ein Eidgenössisches Jodlerfest findet alle drei Jahre statt. An diesem darf teilnehmen, wer sich an einem Unterverbandsfest (es gibt fünf Unterverbände) die Note 1 oder 2 erjodelt hat. Wie wichtig ist die Bewertung für einen Aktiven? Dazu hat Trudy Ineichen eine eigene Meinung: «Das Abschneiden an einem Fest soll nicht überbewertet werden.»

Jodlerklub Maiglöggli kennt keine Nachwuchsprobleme

Während viele Klubs, vor allem städtische, an Überalterung leiden und sich auflösen, besteht im Jodlerklub Maiglöggli eine gute Mischung von Jung und Alt. Das älteste Mitglied ist 75 Jahre alt, das jüngste 21. Es gibt Vereine, in denen die Ü50-Generation mit dem Nachwuchs nicht so gut harmoniert. Der Jodlerklub Maiglöggli macht vor, wie es sein sollte. Denn das Klubsterben lässt den Präsidenten des Vereins, Andreas Roos, nicht kalt. Er gibt ein Beispiel. «Wir gehen auf die Jungen ein, nehmen sie ernst und gehen mit Respekt miteinander um.» Es sei ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Auch bezüglich Nachwuchsförderung ist der Jodlerklub Maiglöggli einen Schritt voraus. 1997 wurden auf Initiative von Trudy Ineichen die Nachwuchsjodler Emmenbrücke gegründet mit dem Ziel, dass einige beim Jodeln «hängen bleiben». Aktuell sind es vier Mitglieder, die den Sprung vom Nachwuchs zu den Grossen geschafft haben.

Über 12 000 aktive Jodlerinnen, Jodler, Fahnenschwinger und Alphornbläser aus der ganzen Schweiz haben sich für das Jodlerfest in Brig angemeldet. Unter ihnen sind rund 2500 Teilnehmer des Zentralschweizerischen Jodlerverbandes. Viele von ihnen proben zweimal wöchentlich, auch der Jodlerklub Maiglöggli. Wir waren bei der zweitletzten Probe dabei. «Die Stimme ist unser Instrument, zu der man Sorge tragen muss», sagt Ineichen. Man habe nie ausgelernt und müsse immer daran arbeiten. Trudy Ineichen, die mit zehn Geschwistern auf einem Bauernhof auf dem Steinhuserberg ob Wolhusen aufgewachsen ist, sagt: «Mich fasziniert, was man mit der Stimme, mit der richtigen Atem- und Jodeltechnik und einem guten Stimmsitz erreichen kann.»

Monika van de Giessen

kanton

@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Weitere Informationen zum Jodlerfest: www.jodlerfest-brig.ch

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