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Jodlerfest: So gelingt der perfekte Schwung

99 Schwünge gibt es beim Fahnenschwingen. Stefan Fischer, Präsident der Fahnenschwinger-Vereinigung Luzern und Umgebung, kennt und kann sie alle. Jetzt verrät er, wie ein perfekter «Länder» funktioniert.
Ismail Osman
Stefan Fischer, Präsident der Fahnenschwinger-Vereinigung Luzern, hier am Eidgenössischen Jodlerfest in Brig. (Archivbild: 24. Juni 2017)

Stefan Fischer, Präsident der Fahnenschwinger-Vereinigung Luzern, hier am Eidgenössischen Jodlerfest in Brig. (Archivbild: 24. Juni 2017)

Mit dem Festumzug erreicht das Zentralschweizer Jodlerfest in Schötz am Sonntag sowohl seinen Höhepunkt, wie auch den Abschluss. Auch wenn sie nebst den Jodlern und Alphornbläsern die kleinste Fraktion darstellen, werden die Fahnenschwinger dann unübersehbar sein. Dazu trägt auch Stefan Fischer aus Fürigen ob Stansstad bei. Fischer (39) ist Präsident der Fahnenschwinger-Vereinigung Luzern und Umgebung. In Schötz agiert er als Gesamtobmann der Fahnenschwinger. Der perfekte Mann also, um einen Crash-Kurs in Sachen Fahnenschwingen zu erteilen.

«Ein gängiges Missverständnis ist, dass man fürs Fahnenschwingen kräftige Arme haben muss», weiss Fischer. «Tatsache ist aber, dass alles nur in der Technik und der Hebelwirkung liegt. Die Fahne wird nie geworfen, sondern eben nur geschwungen.»

Eine kleine Demonstration gefällig? Nun, da muss man sich zunächst auf einen der 99 anerkannten Schwünge einigen. Keine leichte Aufgabe angesichts herrlich urchiger Namen wie etwa «Bürgenstöckler», «Rigihoch», «Schlängger», «Luzerner Dächli» oder «Pilatusstich». Wir entscheiden uns schliesslich für einen «Länder».

Stefan Fischer zieht die Schweizerflagge aus dem Lederetui. Die Wertigkeit des Tuches ist auch für den Laien unübersehbar. «Eine solche reine Seidenfahne kostet schnell über 1000 Franken», bestätigt Fischer den Verdacht. Solche Fahnen kommen aber nur bei den Vorträgen und Wettkämpfen in der Halle zum Einsatz. Beim Umzug am Sonntag in Schötz werden weniger empfindliche Kunstseidefahnen geschwungen. Während das Fahnentuch genormt ist (1,20 auf 1,20 Meter), kann der konisch geformte «Stecken» aus Eschenholz im Gewicht stark variieren.

So meditativ wie Yoga

Sobald Fischer in richtiger Position steht, geschieht etwas. Sein Blick und Atem verändern sich. Volle Konzentration. «Eine Vortragsübung dauert genau drei Minuten. Dafür braucht es enormen Fokus. Es ist im Grunde nicht anders als Yoga oder Thai Chi: Man muss seinen Atem kontrollieren und die Bewegungen mental wie physisch durchgehen.»

Folgendes gilt es dabei zu beachten:

  1. Der Teppich: Der innere Kreis des Teppichs hat einen Durchmesser von 60 Zentimeter. Er darf diesen auf keinen Fall verlassen – schon die Fersen zu heben bedeutet einen Punkteabzug.
  2. Der Kammgriff: Bei der Ausgangslage zum «Länder» hält er den Stecken im Kammgriff - das heisst der Handrücken zeigt nach oben. Würden sie den Stecken von unten her halten, wäre es ein Ristgriff.
  3. Rundschwung: Das Fahnenschwingen funktioniert ohne Kraft. Es liegt alles in der Technik und der Hebelwirkung. Um die Fahne für den «Länder» genug hoch schwingen zu können, braucht es die Dynamik eines Rundschwungs.
  4. Daumen unter den Griff: Um der Fahne den richtigen Drall zu geben platziert Fischer den Daumen unter dem Griff. In dem Moment, in dem sein Arm ganz nach oben ausgestreckt ist, schlägt er seine Hand weg und die Fahne fliegt hoch.
  5. Fahne darf nicht verheddern: Beim «Länder» ist es wichtig, dass die Fahne sich zwar dreht, der Spitz sich aber nicht um den Stecken verheddert. Idealerweise bleibt die Fahne zudem immer im Blickfeld.
  6. Der höchste Punkt: Der «Länder» ist ein Mittelhochschwung. Er muss also etwa «Zwei-Mann-hoch» geschwungen werden. Am höchsten Punkt muss die Fahne voll offen zu sehen sein.
  7. Abfangen: Fischer fängt die Fahne mit wieder mit dem Kammgriff ab, allerdings auf der anderen Seite. Der freie Arm muss jeweils in die Hüfte eingestützt werden. Zum Schluss hät er die Fahne wieder in der Ausgangslage - spiegelverkehrt zum Anfang.

Um eine dreiminütige Choreografie einzustudieren, braucht Fischer, der seit 27 Jahren Fahnen in die Höhe schwingt, rund eineinhalb Jahre. Die geschärften Blicke der drei Juroren bewerten Schwierigkeitsgrad, wie sauber die Schwünge ausgeführt wurden und die Körperhaltung.

An dem vom Autor und Fotograf gewünschten «Länder» gibt es jedenfalls nichts zu beanstanden. Es ist der perfekte Schwung.

Mehr zum Zentralschweizer Jodlerfest, inklusive der Klassierungen, lesen Sie am Montag in der Luzerner Zeitung.

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